Politik

Ministerien im Clinch Streit um GSG-9-Einsatz

Die Bundesregierung hat einen geheimen Einsatz der Anti-Terror-Einheit GSG 9 zur Erstürmung des von Piraten gekaperten deutschen Containerschiffs "Hansa Stavanger" vor der somalischen Küste gestoppt. Der Einsatz sei Mitte der Woche wegen zu hoher Risiken abgeblasen worden, heißt es aus Sicherheitskreisen. Die Reederei verhandele jetzt mit den Piraten nun über ein Lösegeld in Millionenhöhe.

Der geplante Zugriff wurde nach Angaben aus Sicherheitskreisen eingestellt, weil das Risiko für die 24 Geiseln, darunter fünf Deutsche, zu groß war. Die Piraten an Bord der "Hansa Stavanger" hätten die Wachen verdoppelt und jede Schiffsbewegung vor der Küste beobachtet. Das GSG-9-Kommando werde in der kommenden Woche wieder nach Deutschland verlegt. Eine offizielle Bestätigung dafür gab es nicht. "Zu operativen Maßnahmen machen wir keine Angaben", sagte ein Sprecher des Bundesinnenministeriums.

Kompetenzgerangel verhindert Einsatz

Laut "Focus" wurde der Einsatz von Bundesinnenminister Wolfgang Schäuble (CDU) gestoppt. Wie der "Spiegel" berichtete, gab es während der dreiwöchigen Planungen mehrfach Streit zwischen den beteiligten Ministerien. So habe das Auswärtige Amt dem Bundesinnenministerium vorgeworfen, ohne Not die US-Regierung eingebunden zu haben.

Laut "Spiegels" waren bereits mehr als 200 Mann einer GSG-9-Spezialeinheit vom amerikanischen Hubschrauberträger "USS Boxer" in die Nähe der "Hansa Stavanger" transportiert worden, wurden aber am vergangenen Mittwoch zurückbeordert. In Berlin sei die Entscheidung zum Stopp der Aktion nach einer Sitzung des Krisenstabs gefallen, weil der Sicherheitsberater von US-Präsident Barack Obama, James Jones, die notwendige Zustimmung für den Einsatz verweigert hatte.

Grüne wollen Aufklärung

Zur abgebrochenen Befreiungsaktion will der Grünen-Fraktionsvize Jürgen Trittin am Montag eine Anfrage im Bundestag einreichen. Wie aus dem bereits an Bundestagspräsident Norbert Lammert übermittelten Antrag hervorgeht, fordert er darin Aufklärung in der Frage, ob die fehlende Unterstützung durch die USA und "Streit um eine Risikoanalyse" zwischen den Ministerien Grund für den Abbruch der Befreiungsaktion gewesen seien.

Zudem möchte Trittin wissen, ob die Verweigerung seines Besuchs der Fregatte "Rheinland-Pfalz" im kenianischen Mombasa im April im Zusammenhang mit den Ressortstreitigkeiten stand. Trittin hatte am 21. April kurzfristig eine Reise zum Prozess gegen die von der Bundeswehr gefassten Piraten in Mombasa absagen müssen.

Weitere Schiffe gekapert

Die "Hansa Stavanger" der Reederei Leonhardt & Blumberg war am 4. April entführt worden. Neben dem Kapitän und vier Offizieren, die deutsche Staatsbürger sind, gerieten dabei 19 weitere Besatzungsmitglieder in die Hände der Piraten. Insgesamt halten somalische Seeräuber derzeit rund 200 ausländische Seeleute fest. Am Freitag und Samstag brachten die Piraten nach eigenen Angaben erneut zwei Schiffe in ihre Gewalt. Die Nato bestätigte die Kaperung eines britischen Frachters.

Portugiesen verhindern Angriff

Die portugiesische Marine vereitelte zudem vor der Küste Somalias einen Piraten-Angriff auf ein Handelsschiff. Die Fregatte "Corte Real" habe bei einer Aufklärungsmission entdeckt, wie Piraten versuchten, den Frachter zu entern, sagte ein Sprecher der portugiesischen Armee. Als ein Helikopter der Fregatte dem Handelsschiff zur Hilfe kam, ergriffen die Piraten demnach die Flucht.

Quelle: ntv.de, AFP / dpa