Politik

Die meisten sterben durch Heroin Synthetische Drogen gefragt wie nie

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Im Jahr 2013 gab es erstmals wieder mehr Tote durch Heroin. Obwohl weniger Menschen die Droge konsumieren.

(Foto: dpa)

Der deutsche Drogenmarkt wird geradezu überschwemmt von der synthetischen Partydroge Crystal Meth. Auch Ecstasy ist wieder gefragt. Die meisten Drogensüchtigen sterben aber nach wie vor durch Heroin - 2013 ist die Zahl sogar gestiegen.

Synthetische Drogen wie Crystal Meth und Ecstasy sind in Deutschland auf dem Vormarsch. Das geht aus Zahlen hervor, die die Bundesdrogenbeauftragte Marlene Mortler und der Präsident des Bundeskriminalamts (BKA), Jörg Ziercke, vorgestellt haben. Demnach gibt es in diesem Bereich die höchsten Zuwachsraten. So wurden im vergangenen Jahr in Deutschland 77 Kilogramm Crystal Meth sichergestellt - so viel wie nie zuvor.

Die Zahl der erstmals auffällig gewordenen Konsumenten der stark süchtig machenden Modedroge stieg um sieben Prozent. "Den zunehmenden Konsum von Crystal sehen wir mit Sorge, da mit der Einnahme dieser Substanz große gesundheitliche Risiken für die Konsumenten verbunden sind", sagte Ziercke. Das Methamphetamin, das vorwiegend aus tschechischen Drogenlaboren kommt, führt bei den Konsumenten zu erheblichen körperlichen und psychischen Schäden. Auch die Partydroge Ecstasy habe nach jahrelangem Rückgang wieder Konjunktur, sagte Ziercke. Hier kletterte die Zahl der Erstkonsumenten um 18 Prozent.

Kritiker fordern Drogenkonsumräume

Rückläufige Fallzahlen gab es hingegen bei Heroin und Kokain. Die Zahl der Drogentoten stieg jedoch erstmals seit 2009 wieder an. Im vergangenen Jahr starben 1002 Menschen an den direkten oder indirekten Folgen von Rauschgift - wenn auch nicht durch Crystal Meth, sondern meist wegen Heroin und anderen Opiaten. Im Vergleich zu 2012 bedeutet das ein Plus von sechs Prozent, aber Mortler betonte, gegenüber dem Jahr 2000 habe sich die Zahl der Drogentoten halbiert.

Trotzdem sprechen Kritiker von einer verfehlten Drogenpolitik. Harald Terpe von der Linkspartei beklagte, ein Großteil der Todesfälle wäre vermeidbar - etwa durch Drogenkonsumräume, die es aber nur in 6 von 16 Bundesländern gebe. Durch solche Einrichtungen werde der Konsum von Heroin in ein hygienisches Umfeld verlagert, meinte dazu Winfried Holz von der Deutschen Aids-Hilfe.

CSU-Politikerin Mortler widersprach und verwies auf das Beispiel Hamburg. Die Hansestadt ist eines der Bundesländer, in denen es spezielle Drogenkonsumräume gibt. Dort stieg die Zahl der Drogentoten binnen eines Jahres von 49 auf 62. Die meisten Drogentoten (230) gab es jedoch in Bayern, was die dortige Gesundheitsministerin Melanie Huml alarmierte: "Eine Konsequenz daraus muss sein, intensiv auf Prävention und Suchthilfe zu setzen."

Cannabis wird nicht legalisiert

Auf hohem Niveau verharrt der Cannabis-Konsum in Deutschland. "Haschisch und Marihuana machen fast 60 Prozent aller Rauschgift-Handelsdelikte aus", sagte Ziercke. Im vergangenen Jahr seien mehr als 145.000 Fälle registriert worden. Das sei der höchste Stand seit fünf Jahren.

Forderungen nach einer Legalisierung wies Mortler mit Hinweis auf gesundheitsschädliche Wirkungen des Cannabis-Konsums zurück. "Legalisieren bedeutet für mich Verharmlosung", sagte die Drogenbeauftragte. Auch die Gewerkschaft der Polizei (GdP) bezeichnete eine Freigabe als falsches Signal. Der stellvertretende GdP-Vorsitzende Arnold Plickert nannte es sinnlos, neben dem Alkohol "die Tür für eine weitere gefährliche und oft verharmloste Droge zu öffnen".

Quelle: n-tv.de, nsc/dpa

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