Politik

Urteil im Giftmord-Prozess Todesstrafe auf Bewährung für Gu

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Wenn sich Gu gut führt, wird ihre Todesstrafe in eine normale Haftstrafe umgewandelt.

(Foto: Reuters)

Über Monate schlägt der Politkrimi um den einstigen chinesischen Spitzenpolitiker Bo Xilai hohe Wellen. Seiner Frau Gu Kailai wird der Prozess wegen Giftmordes an einem Briten gemacht. Einige Details um den Hintergrund der Tat geben Rätsel auf. Doch jetzt ist ein Urteil gefallen, das wenig überrascht.

In Chinas spektakulärstem Prozess der letzten Jahrzehnte geht am Ende alles ganz schnell. Das Verfahren dauert genau einen Tag. Die von der Justiz gestellte Verteidigung von Gu Kailai widerspricht der Mordanklage nicht. Eine Woche später steht das Urteil fest. Das chinesische Gericht hat Gu, die Frau des entmachteten Spitzenpolitikers Bo Xilai, wegen Mordes zu einer Todesstrafe auf Bewährung verurteilt. Das gaben der Anwalt der Familie des Mordopfers und die staatliche Nachrichtenagentur Xinhua bekannt.

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Der gescheiterte Politstar Bo Xilai.

(Foto: dpa)

Wenn sich die 53 Jahre alte Anwältin innerhalb von zwei Jahren nichts zuschulden kommen lässt, kann das Urteil in eine Haftstrafe von bis zu 25 Jahren umgewandelt werden. Nach einem Bericht der Zeitung Yanzhao Metropolis Daily von 2006 wird eine Todesstrafe, deren Vollstreckung ausgesetzt ist, äußerst selten vollzogen. Stattdessen verbringen die Verurteilten im Durchschnitt 18 Jahre im Gefängnis. Gu hat das gegen sie verhängte Todesurteil auf Bewährung wegen Mordes akzeptiert. Die 53 Jahre alte Anwältin verzichtet auf einen Einspruch gegen das Urteil und könnte damit im günstigsten Fall nach neun Jahren wieder freikommen. Bei der Urteilsverkündung sagte sie: "Ich halte das Urteil für gerecht."

Nach Angaben der amerikanischen Dui-Hua-Stiftung, die sich für eine Umwandlung von Todesurteilen in China einsetzt, könnte Gu aus medizinischen Gründen bereits nach einer Mindesthaftzeit von neun Jahren wieder freikommen. Laut Anklage war Gu wegen chronischer Schlaflosigkeit, Angstzuständen, Depression und Paranoia psychiatrisch behandelt worden.

Am 9. August hatte sie in einer nur sieben Stunden dauernden Verhandlung im ostchinesischen Hefei zugegeben, den britischen Geschäftsmann Neil Heywood vergiftet zu haben. Ihr mitangeklagter Assistent Zhang Xiaojun muss wegen Beihilfe zum Mord für neun Jahre ins Gefängnis.

Es bleiben Ungereimtheiten

Heywood war im November 2011 in einem Luxushotel der zentralchinesischen Stadt Chongqing tot aufgefunden worden. Der Geschäftsmann war über Jahrzehnte mit dem Ehepaar befreundet. Vor Gericht hatte Gu angegeben, Heywood habe ihren Sohn bedroht, nachdem ein geschäftlicher Deal gescheitert war. Auch chinesische Staatsmedien hatten darauf verwiesen, dass Gu möglicherweise ihren Sohn durch die Tat vor Drohungen Heywoods schützen wollte. Heywood und Gu sollen zudem über Geld gestritten haben. Worum es dabei konkret gehen sollte, blieb offen.

Einige Beobachter zweifeln jedoch das Mordmotiv Gus an. Um die schillernde Politikergattin ranken sich die wildesten Gerüchte. Umstritten ist etwa, seit wann sich Gu und Heywood kannten. Das Gericht ging laut Xinhua davon aus, dass sich beide seit 2005 kennen. Britische Medien berichteten dagegen, Gu hätte in den 90ern mit Heywood in der englischen Stadt Bournemouth zusammengelebt, während ihr Sohn Bo Guagua in England zur Schule ging. Heywood soll geholfen haben, Vermögen ins Ausland zu schaffen, spekulieren wiederum Medien in Hongkong. Bo und Gu werden aller möglichen Taten bezichtigt - von illegalem Organhandel bis zu einem Umsturzkomplott in der Partei.

Aufstieg und Fall eines Politikers

Das Paar lernte sich 1984 in der ostchinesischen Stadt Dalian kennen. Die beiden besuchten die prestigeträchtige Peking-Universität. Bo galt bereits als aufstrebender Politiker, der rasch Karriere machte. Von 2004 bis 2007 war er Handelsminister, dann wurde er Parteichef in Chongqing. Vor dem Machtwechsel in der Kommunistischen Partei Chinas im Herbst hatte er gute Chancen auf eines der höchsten Ämter gehabt.

Doch die Mordaffäre beendete im April seine politische Karriere abrupt. Der prominenteste Vertreter der "Neuen Linken" in China fiel aus allen Ämtern und stürzte die Partei in eine innenpolitische Krise. Bo muss sich nun einer parteiinternen Untersuchung wegen "Verstößen gegen die Parteidisziplin" stellen. Er wird derzeit an einem unbekannten Ort festgehalten.

Noch in diesem Monat soll auch dem früheren Polizeichef von Chongqing, Wang Lijun, der Prozess gemacht werden. Dieser war jahrelang Bo Xilais Verbündeter, hatte aber im Februar die Affäre ans Licht gebracht. Wang war damals kurzzeitig in das US-Konsulat der Stadt Chengdu geflohen und hatte dort von dem Mordverdacht gegen Gu berichtet.

Beim Parteitag im Herbst soll in China Vizepräsident Xi Jinping Nachfolger von Staats- und Parteichef Hu Jintao werden, Vizepremier Li Keqiang soll Regierungschef Wen Jiabao beerben.

Quelle: n-tv.de, cro/dpa/AFP