Politik

Der US-Angriff im ÜberblickTrump verspricht Venezuela Reichtum und richtet Blick nach Kuba

03.01.2026, 21:51 Uhr
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US-Kampfjets auf einem Luftwaffenstützpunkt in Puerto Rico. (Foto: REUTERS)

Am frühen Morgen intervenieren die Vereinigten Staaten in Venezuela. Spezialkräfte nehmen Machthaber Maduro fest. Die Trump-Regierung will Venezuela zunächst selbst führen. Russland und China verurteilen das Vorgehen Washingtons. Auch Juristen äußern sich kritisch. Der Tag im Überblick.

Maduro auf dem Weg in die USA

In einer beispiellosen Militäraktion haben die USA in den frühen Morgenstunden mit 150 Flugzeugen Venezuela angegriffen. Die Spezialeinheit Delta Force nahm während der Operation "Absolute Resolve" ("Absolute Entschlossenheit") Machthaber Nicolás Maduro und dessen Frau Cilia Flores fest. Beide sind auf einem US-Kriegsschiff auf dem Weg nach New York, wo ihnen wegen Vorwürfen des "Drogenterrorismus" der Prozess gemacht werden soll.

Man habe die Operation akribisch vorbereitet und dafür das Leben von Maduro im Detail studiert, sagte US-Generalstabschef Dan Caine. Nach Regierungsangaben aus Caracas kamen bei der Attacke auf venezolanischer Seite Soldaten und Zivilisten ums Leben. Das US-Militär hat laut eigenen Angaben keine Verluste zu beklagen. Unter Berufung auf Quellen in der venezolanischen Opposition berichtete Sky News, dass Maduro über seine "Festnahme" informiert war. Demnach war der Einsatz Teil einer "ausgehandelten Absetzung" mit der US-Regierung.

USA wollen Venezuela zunächst selbst führen

"Wir werden das Land so lange führen, bis wir einen sicheren, ordnungsgemäßen und umsichtigen Übergang gewährleisten können", sagte US-Präsident Donald Trump vor Journalisten in Florida. Er machte klar, dass die USA auch militärisch bereit seien, ihre Interessen in Venezuela durchzusetzen. "Wir haben keine Angst vor Bodentruppen. Und wir müssen welche haben, wir hatten vergangene Nacht Bodentruppen vor Ort. Wir werden sicherstellen, dass dieses Land ordnungsgemäß regiert wird."

Laut Trump sollen große US-Ölkonzerne nun Milliarden Dollar investieren, um die nach seinen Worten "schwer beschädigte" venezolanische Öl-Infrastruktur zu modernisieren. Eine Partnerschaft mit den Vereinigten Staaten werde Venezuela "reich, unabhängig und sicher" machen. Millionen Venezolaner im Exil – auch in den USA – würden von den geplanten Maßnahmen profitieren. Die Regierung in Caracas warf den USA vor, sich die Bodenschätze des Landes aneignen zu wollen und einen Regierungswechsel zu erzwingen. "Das wird ihnen nicht gelingen", hieß es in der Mitteilung.

Trump setzt nicht auf Friedensnobelpreisträgerin Machado

Auf die venezolanische Oppositionspolitikerin María Corina Machado setzt Trump nicht. "Ich denke, es wäre sehr schwierig für sie, die Führungsposition zu übernehmen, da sie weder die nötige Unterstützung noch den nötigen Respekt im Land genießt", sagte Trump: "Sie ist eine sehr nette Frau, aber ihr fehlt der Respekt der Bevölkerung." Anders sieht es mit Maduros Vizepräsidentin Delcy Rodríguez aus. "Wir haben gerade ein Gespräch mit ihr geführt, und sie ist im Grunde bereit, das zu tun, was wir für notwendig halten, um Venezuela wieder groß zu machen, ganz einfach", sagte Trump.

Machado forderte unterdessen die Einsetzung des Oppositionspolitikers Edmundo González Urrutia als Maduro-Nachfolger. Er habe die Präsidentenwahl vor eineinhalb Jahren gewonnen und sollte sein verfassungsmäßiges Amt nun unverzüglich antreten, heißt es in einer auf der Plattform X veröffentlichten Mitteilung Machados. Nach dem US-Militäreinsatz sei für die Opposition die Zeit gekommen, Venezuela zu regieren. Auch der französische Präsident Emmanuel Macron sprach sich für González aus.

Drohende Worte Richtung Kuba

Vor der Weltpresse in Florida deutete Trump an, dass sich die USA im Rahmen ihrer regionalen Strategie als nächstes mit Kuba beschäftigen könnten. "Ich denke, wir könnten auch über Kuba reden, denn Kuba ist ein gescheiterter Staat", sagte er. Außenminister Marco Rubio äußerte sich deutlicher: "Wenn ich die kubanische Regierung in Havanna wäre, wäre ich besorgt." Einem Interview mit der "New York Post" nach der Pressekonferenz zufolge hat Trump aber keine weitere Militäraktion im Sinn: "Nein, Kuba wird ganz von selbst fallen", sagte er. Kuba sei sehr abhängig von Venezuela, fügte er hinzu.

Russland und China verurteilen Maduro-Entführung

Peking und Moskau kritisierten die Absetzung Maduros scharf. "China ist zutiefst erschüttert und verurteilt die Anwendung von Gewalt durch die USA gegen einen souveränen Staat und die Anwendung von Gewalt gegen den Präsidenten eines Landes auf das Schärfste", teilte Peking in einer Erklärung mit. Aus Moskau hieß es, man fordere die amerikanische Führung auf, ihre Position zu überdenken und den "rechtmäßig gewählten Präsidenten eines souveränen Landes und seine Ehefrau". Auch Venezuelas Vizepräsidentin Rodríguez verlangte die sofortige Freilassung von Maduro und seiner Ehefrau.

Experten werten Angriff als völkerrechtswidrig

Mehrere Experten äußerten ebenfalls Kritik an dem Einsatz. "Es ist völkerrechtswidrig, weil es eigentlich nur zwei Rechtfertigungsgründe für Anwendung militärischer Gewalt gibt", sagte etwa der Jurist Kai Ambos. Nach Worten des Professors der Uni Göttingen sind dies entweder Selbstverteidigung oder ein Mandat der Vereinten Nationen. Die Professorin der Notre Dame Law School im US-Bundesstaat Indiana, Mary Ellen O'Connell, sprach von Kidnapping. "Die Charta der Vereinten Nationen macht sehr deutlich, dass es nur sehr wenige Fälle gibt, in denen ein Land das Recht hat, militärische Gewalt auf dem Territorium eines anderen Landes anzuwenden"

US-Verbündete äußern sich zurückhaltend

Die Verbündeten der USA hielten sich mit einer Bewertung der Vorgänge zurück. "Die rechtliche Einordnung des US-Einsatzes ist komplex. Dazu nehmen wir uns Zeit", teilte Bundeskanzler Friedrich Merz mit. Maduro habe sein Land ins Verderben geführt. Italiens Ministerpräsidentin Giorgia Meloni sagte, ein "externes militärisches Vorgehen" sei nicht der richtige Weg, um "totalitäre Regime zu beenden". Ihre Regierung halte ein "Eingreifen defensiver Natur" gegen hybride Angriffe auf die eigene Sicherheit für legitim - etwa, wenn staatliche Akteure den Drogenhandel in einem anderen Land fördern oder begünstigen.

Das Auswärtige Amt weitete unterdessen die Reisewarnung für Venezuela aus. "Für ganz Venezuela gilt nun eine Reisewarnung", teilte eine Sprecherin mit. "Deutsche Staatsangehörige im Land sind aufgerufen, an einem sicheren Ort zu bleiben."

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Quelle: ntv.de, jpe/dpa/rts

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