Politik

Zwischen "Greferendum" und "Grexit" Tsipras kämpft für "ein Leben in Würde"

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Tsipras richtet einen eindringlichen Appell an seine Landsleute.

(Foto: AP)

Der Tag der Entscheidung naht: Mit der Volksabstimmung am Sonntag steuert das vom Staatsbankrott bedrohte Griechenland auf eine ungewisse Zukunft zu. Auf getrennten Demonstrationen suchen die Griechen nach ihrem Standpunkt. Regierungschef Tsipras hat den schon gefunden.

Der griechische Ministerpräsident Alexis Tsipras hat vor Zehntausenden Anhängern in Athen erneut für ein "Nein" beim Referendum über die Spar- und Reformforderungen der internationalen Gläubiger geworben. Ein "Nein" am Sonntag eröffne die Chance, "in Würde in Europa zu leben", sagte Tsipras am Abend. Die Griechen müssten sich gegen Ultimaten wehren und gegen "diejenigen, die Euch terrorisieren".

Auch die Befürworter der Gläubigervorschläge für das von der Pleite bedrohte Euro-Land kamen in Athen zusammen. Sie versammelten sich zu Klängen von Beethovens "Ode an die Freude" vor dem alten Olympiastadion. In der Innenstadt von Athen kam es kurzzeitig zu einem Scharmützel zwischen mehreren Dutzend schwarz gekleideter Demonstranten und der Polizei. Die Beamten feuerten Blendgranaten ab. Die Lage beruhigte sich jedoch rasch wider.

Westen setzt dagegen

Tsipras hofft, dass ein Nein beim Referendum Griechenlands Position bei den Verhandlungen mit den Gläubigern stärkt. EU-Kommissionschef Jean-Claude Juncker sagte hingegen, ein Nein werde die "griechische Position deutlich schwächen". Erwartungen, dass Griechenland nach dem Referendum rasch neue Hilfsgelder bekommen könnte, dämpfte auch Finanzminister Wolfgang Schäuble: Die Verhandlungen würden nach Auslaufen des bisherigen Hilfsprogramms "auf völlig neuer Grundlage und unter erschwerten wirtschaftlichen Voraussetzungen" stattfinden, sagte er der "Bild"-Zeitung. "Das wird schon eine Weile dauern."

In Griechenland selbst herrscht seit Tagen Ausnahmezustand. Banken und die Börse sind geschlossen, tägliche Barabhebungen sowie Auszahlungen von Renten sind gedeckelt. Am Dienstag sollen die Geldinstitute nach derzeitigem Stand wieder für alle Bürger öffnen. Die griechische Bankenunion erklärte, bis dahin gebe es "ausreichende Liquidität".

Linke-Vertreter informieren sich in Athen

Derweil sind Spitzenpolitiker der Linken nach Athen gereist. Wie die Linke mitteilte, wollen sich Parteichef Bernd Riexinger, Fraktionschef Gregor Gysi und Klaus Ernst über die Lage unmittelbar vor der Abstimmung und über die Pläne der griechischen Regierung informieren. Eine direkte Wahlkampfunterstützung, also etwa Redeauftritte vor Demonstrierenden, sei nicht geplant. Bereits am Samstag wollen die Linken-Politiker wieder zurückreisen.

Die Linke unterhält enge Beziehungen zur Regierungspartei Syriza von Ministerpräsident Alexis Tsipras. Der Regierungschef selbst wirbt für ein Nein bei den Wählern.

Demonstration auch in Frankfurt

Aber auch in Frankfurt/Main haben Hunderte Menschen gegen die Sparpolitik der Gläubiger Griechenlands demonstriert. Unter dem Motto "Nein! Oxi! No! zur Sparpolitik - Ja zur Demokratie" zogen die laut Polizei friedlichen Demonstranten zum neuen Gebäude der Europäischen Zentralbank (EZB). Zu der Kundgebung aufgerufen hatte das linke Aktionsbündnis Blockupy.

"Wir erleben eine beispiellose Hetzkampagne, in der die Gläubiger vor Lügen nicht zurückschrecken, um Stimmung gegen Athen zu machen und eine freie Entscheidung der Griechinnen und Griechen zu verhindern", hieß es im Aufruf zur Demonstration. Die Gläubiger hätten unnachgiebig auf der Fortsetzung der Verarmungspolitik beharrt.

Am Sonntag entscheiden die Griechen bei einem Referendum darüber, ob die unlängst von den internationalen Gläubigern vorgeschlagenen Reformmaßnahmen angenommen werden sollen. Umfragen deuten auf ein knappes Ergebnis hin. Jüngste Umfrage sehen ein Kopf-an-Kopf-Rennen beider Lager vor aus.

Quelle: ntv.de, ppo/AFP/dpa/rts

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