Politik
Die IS-Kämpfer kontrollieren mittlerweile 40 Prozent von Kobane.
Die IS-Kämpfer kontrollieren mittlerweile 40 Prozent von Kobane.(Foto: dpa)
Freitag, 10. Oktober 2014

Noch 500 bis 700 Zivilisten da: UN warnen vor Massaker in Kobane

Seit Tagen verfolgt die Weltöffentlichkeit gebannt das Schicksal der nordsyrischen Stadt Kobane. Von drei Seiten haben die IS-Kämpfer die Stadt umstellt, ein UN-Experte warnt vor einem Massaker. Die USA kommen der Stadt wieder mit Luftangriffen zu Hilfe.

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Die Kämpfe um Kobane werden immer heftiger, nun eilen westliche Bomber den Kurden vor Ort zu Hilfe. Die US-geführte Militärallianz hat zwei neue Luftangriffe auf IS-Stellungen in der umkämpften nordsyrischen Grenzstadt geflogen. Über der Kurdenhochburg, die nach Angaben der Syrischen Beobachtungsstelle für Menschenrechte inzwischen zu 40 Prozent von Kämpfern der Dschihadistengruppe Islamischer Staat (IS) kontrolliert wird, stiegen dunkle Rauchwolken in den Himmel. Unmittelbar zuvor war das Zentrum Kobanes von einer heftigen Explosion erschüttert worden: Laut der Beobachtungsstelle zündeten die Islamisten in 200 Meter Entfernung von den kurdischen Stellungen eine Autobombe.

Mit dem weiteren Vormarsch der IS-Kämpfer an der syrisch-türkischen Grenze spitzt sich die Lage dramatisch zu. Der UN-Sondergesandte für Syrien warnte vor einem Massaker an Zivilisten in der syrischen Ortschaft. Kurdische Milizionäre kämpften erbittert um die Kontrolle einer lebenswichtigen Verbindungsstraße zur Türkei.

Sollte der IS Kobane erobern, hätten die sunnitischen Extremisten einen durchgängigen Grenzstreifen von mehr als 200 Kilometern zur Türkei unter ihrer Kontrolle. Der UN-Sondergesandte für Syrien, Staffan de Mistura, warnte in Genf, dass zwischen 500 und 700 Zivilisten, überwiegend alte Menschen, noch immer in Kobane seien. Sollte die Kurdenstadt in die Hände von IS-Kämpfern fallen, drohe ein Blutbad wie im bosnischen Srebrenica, wo 1995 etwa 8000 muslimische Jungen und Männer getötet worden waren.

Kobane von drei Seiten umstellt

Neben den Menschen in Kobane befänden sich noch zwischen 10.000 und 13.000 Menschen im Grenzgebiet zwischen Syrien und der Türkei, sagte der UN-Gesandte. An die Türkei appellierte er, die kurdischen Flüchtlinge über die Grenze einreisen zu lassen. Der Sprecher der türkischen Regierungspartei AKP, Besir Atalay, sagte hingegen, außer kurdischen "Militanten" halte sich niemand mehr in Kobane auf. Alle Zivilisten seien in die Türkei geflohen.

In Kobane bauten die IS-Dschihadisten ihre Machtposition weiter aus. Laut Aktivisten eroberte der IS zuletzt mehrere Gebäude der Sicherheitskräfte, das Hauptquartier der lokalen kurdischen Verwaltung sowie das Gefängnis nahe dem Zentrum der Ortschaft. Mit Motorrädern lieferten Dschihadisten Waffennachschub zu den Kämpfern. Der IS hat die Stadt bereits von drei Seiten umstellt.

Der neue Nato-Generalsekretär Stoltenberg besuchte eine amerikanische Patriot-Raketenstaffel in der südosttürkischen Stadt Gaziantep. "Die Nato ist hier, um die Türkei zu schützen und zu verteidigen", versicherte er. "Solidarität steht im Zentrum unseres Bündnisses." Stoltenberg war am Vortag zu politischen Gesprächen in Ankara. Dabei hatte die türkische Regierung deutlich gemacht, dass sie nicht bereit ist, alleine mit Bodentruppen gegen den IS in Syrien vorzugehen.

Quelle: n-tv.de