Politik
Gesprächsbedarf: Richard Grenell (l), US-amerikanischer Botschafter in Deutschland, kommt zum Antrittsbesuch ins Auswärtige Amt.
Gesprächsbedarf: Richard Grenell (l), US-amerikanischer Botschafter in Deutschland, kommt zum Antrittsbesuch ins Auswärtige Amt.(Foto: dpa)
Mittwoch, 06. Juni 2018

Kritik in Deutschland: US-Botschafter gibt sich unglücklich

Kein Rapport, aber ein klärendes Gespräch im Auswärtigen Amt: Der US-Botschafter hat einen schlechten Start in Deutschland hingelegt. Der Trump-Vertraute versucht nun, die Wogen zu glätten.

Nach teils harscher Kritik in Deutschland hat sich der neue US-Botschafter Richard Grenell nach Angaben aus deutschen Regierungskreisen um Entspannung bemüht. Er habe sich unglücklich über die Reaktionen gezeigt, die sein Interview ausgelöst habe, hieß es nach einem Treffen Grenells mit dem Staatssekretär im Auswärtigen Amt, Andres Michaelis. Er wolle "nicht als Parteigänger rechtsgerichteter Kräfte in Deutschland wahrgenommen werden". Grenell wolle auch atmosphärisch dafür sorgen, dass "eine enge und vertrauensvolle Zusammenarbeit mit den deutschen Partnern" möglich werde.

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Grenell hatte sich im Interview mit dem US-Nachrichtenportal "Breitbart", einem führenden Sprachrohr ultrarechter, nationalistischer und fremdenfeindlicher Kreise, begeistert von der derzeit zu beobachtenden "Wiederauferstehung konservativer Kräfte in Europa" gezeigt. Seit seinem Amtsantritt hätten ihn bereits viele Vertreter dieser Strömung kontaktiert. "Es ist eine spannende Zeit für mich", sagte Grenell. "Ich möchte andere Konservative überall in Europa stärken." Das "Anschwellen konservativer Politik" sei darauf zurückzuführen, fügte er hinzu, dass "die Politik der Linken gescheitert" sei.

Besonders den österreichischen Kanzler Sebastian Kurz, der einer der prominentesten Kritiker von Angela Merkels Flüchtlingspolitik ist, hob Grenell dabei hervor. "Ich denke, Sebastian Kurz ist ein Rockstar. Ich bin großer Fan." Die Familienzusammenführung von Flüchtlingen in Deutschland bezeichnete der US-Diplomat als "Kettenmigration".

Später hatte Grenell versichert, dass er nicht zur Unterstützung bestimmter Parteien oder Personen aufrufe, aber: "Ich stehe zu meinen Kommentaren, dass wir ein Erwachen von der schweigenden Mehrheit erleben - die die Eliten und ihre Blase ablehnt. Geführt von [US-Präsident Donald] Trump".

Grenell speist mit Kurz

Grenell ist seit einem Monat Botschafter in Berlin und ein Vertrauter Trumps. Traditionell bemühen sich Botschafter um diplomatische Zurückhaltung. Schon kurz nach seinem Amtsantritt hatte Grenell Irritationen ausgelöst, als er deutsche Unternehmen aufforderte, nach dem US-Ausstieg aus dem Atomabkommen auf weitere Geschäfte im Iran zu verzichten.

Trump hatte sich lobend zum Brexit geäußert und wiederholt Sympathien für rechtsgerichtete Parteien gezeigt. Statt mit den westlichen Partnern zusammenzuarbeiten, gibt es zunehmende Konfrontationen.

Für Irritation hatte auch eine ungewöhnliche Einladung an den österreichischen Bundeskanzler Kurz gesorgt: Grenell richtet während eines Berlin-Besuchs von Kurz am 13. Juni in seiner Berliner Residenz ein Mittagessen für den österreichischen Kanzler aus.

Michaelis erklärte nach dem Gespräch mit dem Botschafter, die Reaktionen auf das Interview zeigten deutlich, welch hohen Wert die deutsche Bevölkerung den Beziehungen zu den Vereinigten Staaten beimesse.

In der "Bunten" äußerte Grenell derweil Bewunderung für Merkels Politikstil. "Ich mag ihre Ernsthaftigkeit und ihre Herangehensweise an politische Dinge", sagte er. "Sie erwartet Resultate und nicht Prunk oder Glamour." Die Stimmung in Deutschland nehme er genau wahr, meinte der Diplomat und sagte mit Blick auf Trump: "Ich weiß, dass es viel Unterstützung für unseren Präsidenten gibt. Denn: Amerikaner und Deutsche spielen im selben Team".

Quelle: n-tv.de