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Rebellen wählen Ministerpräsidenten US-Bürger wird Syriens Premier

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Die syrische Opposition trifft sich in einem Hotel in Istanbul.

(Foto: AP/dpa)

In Istanbul wird ein IT-Manager zum Chef einer syrischen Übergangsregierung gewählt. Die Regierung von Staatschef Assad sei eine "Besatzerregierung, die ihre Legitimität verloren hat", sagt ein Sprecher der Rebellen. Die Armee der Aufständischen bekräftigt ihre Forderung nach Waffen aus Europa.

Vertreter der syrischen Opposition haben sich bei einem Treffen in Istanbul auf einen Ministerpräsidenten für die Übergangsregierung geeinigt. Gewählt wurde der IT-Manager Ghassan Hitto, der sich in den vergangenen Monaten bei der Organisation von Hilfslieferungen Respekt erworben hatte. Der Regierungschef der Aufständischen soll ein  Kabinett bilden, das von der Oppositionsallianz Nationale Syrische  Koalition bestätigt werden muss.

Der aus Damaskus stammende Hitto ist Jahrgang 1963. Er hat eine Karriere als IT-Fachmann hinter sich. Hitto hatte in den vergangenen Jahren mit seiner Familie in den USA gelebt und war erst vor kurzem in die Türkei umgezogen, um sich der Hilfe für die syrischen Flüchtlinge und Vertriebenen zu widmen. Nach Angaben der "New York Times" ist Hitto US-Bürger. Insgesamt gab es 11 Kandidaten für das Amt des Ministerpräsidenten. Einer davon war der Deutsch-Syrer Jamal Karsli.

Für Hitto stimmten 35 von 49 Mitgliedern der Nationalen Koalition. An den Gesprächen nahmen rund 70 Mitglieder der Nationalen Koalition teil. Mehrere von ihnen verließen die Beratungen jedoch noch vor der Wahl, was auf Spaltungen innerhalb des größten Oppositionsbündnisses hinweisen könnte. Dennoch sprachen mehrere Vertreter anschließend von Hitto als einem "Konsens-Kandidaten", der auf Zustimmung beim islamistischen und liberalen Lager stoße.

Freie Syrische Armee fordert Waffen aus Europa

Die Oppositionellen erklärten, die von Hitto zu bildende Regierung werde ihren Sitz in den "befreiten Gebieten" von Syrien haben. Die Gegner des Regimes von Präsident Baschar al-Assad hatten lange darüber gestritten, ob jetzt schon der richtige Zeitpunkt für die Bildung einer eigenen Regierung gekommen sei. An der Abstimmung über den Regierungschef nahm die Führungsriege der Nationalen Syrischen Koalition unter Leitung von Muas al-Chatib teil. Die Mitglieder der oppositionellen Koalition durften sich nicht um den Posten bewerben.

Der Militärchef der Rebellentruppen, Selim Idriss, sagte, die Aufständischen könnten die Gebiete unter ihrer Kontrolle gegen "alle Angriffe der Armee außer gegen Luft- und Raketenangriffe verteidigen". Seine Botschaft sei daher klar: "Wir brauchen hier in Syrien Waffen und Munition, um zu kämpfen", sagte er an die Adresse Europas gewandt, wo derzeit über Waffenlieferungen an die Opposition diskutiert wird. Die Freie Syrische Armee garantiere, dass die Waffen nicht in die falschen Hände gerieten, sagte Idriss.

"Verrückt und verwirrt"

Die regierungsfreundliche syrische Zeitung "Al-Watan" kritisierte die Wahl eines Regierungschefs der Aufständischen als "verrückt und verwirrt". Damit zeige die Nationale Koalition, dass sie völlig realitätsfern sei und keine Ahnung von der Lage vor Ort in Syrien habe. Idriss seinerseits bezeichnete die Assad-Regierung als "Besatzerregierung, die ihre Legitimität verloren hat".

Nato-Generalsekretär Anders Fogh Rasmussen sagte, die Militärallianz wolle sich nicht in die Debatte um Waffenlieferungen einmischen. Die Diskussion über eine Aufhebung des EU-Waffenembargos betreffe die NATO nicht und die Allianz habe auch nicht die Absicht, in Syrien einzugreifen, sagte er in Brüssel.

Quelle: n-tv.de, hvo/dpa/AFP

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