US-Wahl

Romneys wertlose Siege Gong zur nächsten Runde

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Eine Nonne auf der Wahlparty des Katholiken Rick Santorum. Der Aufkleber ruft zur Teilnahme an den Vorwahlen auf.

(Foto: REUTERS)

Sechs von zehn Vorwahlen und die Mehrheit der Delegierten hat Mitt Romney am "Super Tuesday" gewonnen. Als Sieger kann er sich dennoch nicht fühlen: Zu knapp ist das Ergebnis in Ohio, zu schwach sein Abschneiden bei den konservativen Wählern. Rick Santorum hat gute Argumente, weiterzumachen.

Aus den republikanischen Vorwahlen ist ein Boxkampf geworden - rein sprachlich zumindest. Denn am Tag 1 nach dem "Super-Dienstag" macht in den US-Medien vor allem die Geschichte vom "verpassten Knock-out" die Runde: Mitt Romney, der designierte Champion, sitzt lächelnd, aber ermattet in der Ringecke, während sich sein Kontrahent Rick Santorum vom Publikum in der rechten Hallenhälfte feiern lässt. Die zehn Abstimmungen am Dienstag boten Romney die Chance, sich deutlich von seinem Verfolger abzusetzen. Stattdessen hätte er im wichtigen Staat Ohio beinahe verloren.

Denn hierhin schaute ganz Amerika am Dienstagabend: Ohio, ein demografisch-politischer Mix aus wenigen moderaten Metropolen in einem Meer konservativer Kleinstädte, die politische "Wetterfahne" vieler Präsidentschaftswahlen. Kein Republikaner hat je die Nominierung seiner Partei gewonnen, ohne zuvor bei den Vorwahlen im "Buckeye State" gesiegt zu haben. Pünktlich um halb eins mitteleuropäischer Zeit schlossen die Wahllokale, da sah es noch gut aus für den Ex-Gouverneur von Massachusetts. In den Umfragen vom Wahltag - dem Schattenboxen zum Aufwärmen - lag Romney noch vor Santorum. Doch dann schlugen die echten Treffer ein.

Schlagabtausch bis zum Schluss

Ein Wahlkreis nach dem anderen in Ohio fiel Santorum zu. Drei Stunden später lag er vorn und blieb es zunächst auch, zeitweise mit rund 20.000 Stimmen. Erst als am Ende auch die letzten Wahllokale rund um die Großstädte Cleveland und Cincinnati ihre Ergebnisse übermittelten, holte Romney auf. Am Ende gewann er mit knapp 12.000 Stimmen, 38 Prozent zu 37 Prozent. Santorum war geschlagen, das geschwollene Gesicht aber hatte Romney.

Denn echte Stärke hat er wieder nicht nachweisen können. Erneut ist Romney ein wichtiger Teil der republikanischen Basis von der Fahne gegangen; seine Partei ist tief gespalten.

Santorum war der klare Favorit der Konservativen und Menschen mit niedrigem Einkommen. Er lebe ja selbst gerade von seinen Ersparnissen, sagte der Katholik aus Pennsylvania bei seiner Rede am Wahlabend. Eingerahmt von gefühlt zwei Dutzend Mitgliedern seiner Familie (den Überblick hatte er da schon verloren) rief Santorum seinen Anhängern mit missionarischem Eifer zu: "Wir haben Opfer gebracht für ein großes Ziel: Den Präsidenten zu ersetzen."

Und so versprach der christliche Fundamentalist auch gleich, weiterzumachen. Grund für Optimismus hat er ja: 60 Prozent der Santorum-Wähler halten Romney für zu wenig konservativ, mehr als die Hälfte würde ihn als Kandidat nicht akzeptieren.

Romney punktet bei höheren Einkommen

Menschen mit mittleren oder hohen Einkommen und Universitätsabschluss stimmten hingegen mehrheitlich für Romney, den Mormonen aus Massachusetts. Vor allem auf eine Gruppe konnte sich der Multimillionär verlassen: Amerikaner mit einem Jahreseinkommen von mehr als 200.000 Dollar. "Danke Männer, gutes Rennen", sagte Romney am späten Abend in Richtung Konkurrenz. Seine merklich zerfahrene Rede wurde immer wieder von "Bis zum Schluss"-Rufen seiner Fans unterbrochen.

Der Rest der "Super Tuesday"-Wahlen hielt keine Überraschungen bereit. Santorum gewann problemlos in den konservativen Hochburgen Tennessee und Oklahoma, dazu den Caucus in North Dakota. Romney dominierte an der eher liberalen Ostküste in Vermont und gewann mit über 70 Prozent überzeugend in seinem Heimatstaat Massachusetts.

Auch Idaho im Nordwesten fiel, wie erwartet, an Romney, wobei hier der Unterschied nach Bildungsgrenzen noch deutlicher war als in Ohio. In Alaska, der Heimat von Tea-Party-Ikone Sarah Palin (die am Wahlabend mit einer Kandidatur auf dem Nominierungsparteitag kokettierte), lagen Romney und Santorum bereits wieder so knapp beieinander, dass sie am Ende fast gleich viele Delegierte mitnehmen: acht für Romney, sieben für Santorum, praktisch Gleichstand.

Entscheidung vertagt

So hat der "Super Tuesday" das Gegenteil einer Vorentscheidung gebracht. Die Möglichkeit, dass sich bis zum Nominierungsparteitag im Sommer keiner der Kandidaten durchsetzen kann, ist eher wahrscheinlicher geworden. Romneys Vorsprung bei den Delegierten ist mit 407 zu 164 nicht annähernd groß genug. Hätte sich das Santorum-Team keine gravierenden Fehler in Virginia (nicht auf dem Wahlzettel) und Ohio (in drei Wahlkreisen nicht qualifiziert) geleistet, wäre das Rennen sogar noch enger.

Und die nächsten Termine spielen Romneys Verfolgern in die Karten. Bis Ende März stimmen drei große Südstaaten ab: Alabama, Mississippi und Louisiana. Hier geht Romney nicht als Favorit ins Rennen, und während Santorum nur auf weitere Delegierte schaut, hat Newt Gingrich, der Gewinner von Georgia, realistische Chancen auf weitere Siege. Ein Ende dieses republikanischen "Battle Royal" ist nicht in Sicht.

Quelle: n-tv.de

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