US-Wahl

Hoffnung auf Debatten und schattenhafte Super Pacs Romneys letzte Chance

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Noch ist nichts verloren, aber laut den meisten Umfragen liegt Mitt Romney derzeit hinter Amtsinhaber Obama.

(Foto: REUTERS)

Den September wird Präsidentschaftskandidat Romney wohl schnell abhaken: Eine Reihe katastrophaler Auftritte haben seine Chancen nicht eben gesteigert. Doch das Rennen um das Weiße Haus ist noch lange nicht vorbei: Schon Anfang Oktober kann der Republikaner zurückschlagen.

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Das Bad in der Menge gehört nicht zu Romneys Stärken.

(Foto: REUTERS)

Würden die US-Amerikaner schon heute wählen, Präsident Barack Obama wäre eine zweite Amtszeit wohl sicher. In den landesweiten Umfragen liegt der Demokrat deutlich genug vor seinem Herausforderer Mitt Romney - und der hat eine Wahlkampfwoche hinter sich, die schlimmer kaum hätte sein können. Doch die USA wählen erst am 6. November, genug Zeit für Romney, das Ruder noch herumzureißen.

Sein Riesenpatzer von Florida, als er bei einer Spendenveranstaltung fast die Hälfte der US-Wähler als Sozialstaatsschmarotzer beschimpfte, hat das Rennen nämlich nicht dramatisch verändert. In den aktuellen Umfragen liegt Obama nur knapp vor Romney, der Abstand zwischen beiden Kandidaten hat sich im Vergleich zum Sommer nicht erheblich vergrößert. "Kein Amtsinhaber hat je eine Wiederwahl gewonnen, wenn er zu diesem Zeitpunkt mit weniger als 5 Prozent vorne lag", schreibt Sean Trende von "RealClearPolitics". Obama liegt derzeit knapp unter dieser Schwelle, ein Hoffnungsschimmer für Romney - wenn auch nur ein kleiner.

Die neuesten Umfragen (in Prozent)

Landesweit
Obama: 50
Romney: 47

Quelle: Politico/GWU

Florida
Obama: 48
Romney: 46

Ohio
Obama: 49
Romney: 45

Iowa
Obama: 47
Romney: 45

Virginia
Obama: 50
Romney: 45

North Carolina
Obama: 47
Romney: 46

Colorado
Obama: 48
Romney: 46

Nevada
Obama: 48
Romney: 46

New Hampshire
Obama: 46
Romney: 45

Quelle: RCP

Vor allem drei Termine im kommenden Monat werden für Romney von entscheidender Bedeutung sein. Am 3., 16. und 22. Oktober finden die Präsidentschaftsdebatten statt. Dreimal 90 Minuten zur besten Sendezeit, in denen sich beide Kandidaten den Fragen der Moderatoren stellen müssen. Für Romney die Chance, Obama direkt anzugreifen, sein eigenes Profil zu schärfen und bisher unentschiedene Wähler zu überzeugen. "Die Menschen werden eine Chance bekommen, unsere beiden Standpunkte zu sehen", sagte Romney am vergangenen Wochenende, das er mit Beratern für die Debattenvorbereitung nutzte. Obama werde dann "keine Chance haben, meinen Aufstieg falsch darzustellen", so Romney.

Im Obama-Lager scheinen sie sich der Möglichkeit eines späten Romney-Comebacks durchaus bewusst zu sein. Schon jetzt versuchen die Berater des Präsidenten, Romney die Favoritenrolle zuzuschieben. Die Logik: Je höher die Erwartungen, desto eher werden sie enttäuscht.

Zweischneidiges Lob für Romney

Romney habe "einen Vorteil", sagte Obamas Wahlkampfberater und ehemaliger Sprecher Robert Gibbs nun dem Sender Fox News. Schließlich habe Romney bereits zwanzig Debatten im Vorwahlkampf der Republikaner mitgemacht, "und er hat ja selbst damit angegeben, 16 davon gewonnen zu haben". Obamas Wahlkampfstratege David Axelrod schien sich sogar ein wenig Sorgen zu machen um die Debattentauglichkeit seines Chefs. Der Super-Redner von 2008 lerne gerade, "kürzere Antworten" zu geben, so Axelrod. "Das musste er in den vergangenen vier Jahren nicht tun, also gehört das jetzt zur Vorbereitung dazu." Obamas Wahlkampfmanager Jim Messina lobte Romney unterdessen als "gedankenschnell, aalglatt und immer bereit für einen Schlag gegen den Präsidenten".

Huldigungen mit Hintergedanken: Obamas Strategen bereiten schon das Feld für vernichtende Kritik an Romneys Debattenleistung vor. Falls der smarte Geschäftsmann schon beim ersten Rededuell Schwächen zeigt, werden Messina, Axelrod und Gibbs wieder vor die Kameras treten - dann freilich mit der Ansicht, der zuvor hochgelobte Romney habe versagt.

Der aber könnte aus den Debatten durchaus auch für sich nutzen. Zum Beispiel dafür, endlich Details über seine politischen Pläne zu nennen. Die nämlich sind bisher recht vage: Allein die Senkung der Steuern und die Abschaffung von Obamas Gesundheitsreform stehen fest. Wie Romney mit weniger Geld vom Fiskus den Staatshaushalt sanieren will, hat er bisher allerdings offen gelassen. In den Debatten könnte er Obama nun mit konkreten Vorschlägen entgegentreten - und der Präsident wäre gezwungen, seine erste Amtszeit im Angesicht der immer noch schwachen Konjunkturdaten zu verteidigen. Vorteil Romney: Solche Momente hatte er dutzendfach als Manager beim Finanzinvestor Bain Capital, als er glücklosen Firmenchefs das Ruder aus der Hand nahm.

Hoffen auf die Geldschwemme

Einen weiteren großen Vorteil kann Romney nur indirekt für sich geltend machen: die gut gefüllten Kassen der ihn unterstützenden Super Pacs und politischen Non-Profit-Organisationen. Mit ihnen hat der Herausforderer die Chance, Obama und die Demokraten im Herbst unter einer Lawine von Werbung zu begraben.

Zwar konnte Obamas wichtigster Super Pac "Priorities USA" im August mit 10 Millionen US-Dollar erstmals mehr Spenden einsammeln als der direkte Konkurrent "Restore our Future", der Romney unterstützt. Und auch der Präsident holte mit rund 84 Millionen Dollar ein besseres Ergebnis als sein Herausforderer - der zuvor allerdings zwei Monate in Folge deutlich mehr Spenden erhielt.

Der finanzielle Vorteil liegt eindeutig bei Romney, obwohl der den August mit nur knapp 50 Millionen in der Wahlkampfkasse beendete, 30 Millionen weniger als Obama. Denn die Konten von konservativen Polit-Gruppen wie "American Crossroads" oder "Americans for Prosperity" sind deutlich besser gefüllt als die ihrer demokratischen Gegner. Und um Obama zu besiegen, haben Milliardäre wie die Gebrüder Koch oder der Kasino-Mogul Sheldon Adelson angekündigt, hunderte Millionen in die Hand nehmen zu wollen. Allein "Crossraods," geführt vom ehemaligen Bush-Berater Karl Rove, verfügt laut "Open Secrets" über 32 Millionen Dollar. Dazu kommen die von anonymen Spendern finanzierten Non-Profits wie "Crossroads GPS", die ebenfalls Werbung gegen Obama und die Demokraten schalten.

Der große konservative Ansturm könnte also noch bevorstehen. Bisher haben die mit den Republikanern assoziierten Super Pacs mehr als doppelt so viel Geld ausgegeben wie die der Demokraten: 270 Millionen US-Dollar. Es bleibt also spannend, auch wenn es sich die Romney-Kampagne mit der "Höllenwoche" im September wohl nicht gerade leichter gemacht haben dürfte. Schon am 3. Oktober, bei der Debatte in Denver, wird sich zeigen, mit welcher Strategie Romney in den heißen Herbst geht.

Quelle: ntv.de