US-Wahl

Endspurt mit F-Wort Satte Demokraten rütteln sich wach

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Samuel L. Jackson will Obama-Wähler aufrütteln.

(Foto: screenshot)

In den Umfragen liegt Barack Obama recht deutlich vorne. Doch gerade deswegen könnten viele Anhänger der Demokraten ihre Stimme verfallen lassen. Obamas Unterstützer geben darum noch einmal Gas und schicken einen lautstarken Actionhelden vor. Was der zu sagen hat, ist nicht gerade jugendfrei.

"Wake the fuck up", schreit Schauspieler Samuel L. Jackson in einem neuen Wahlkampfvideo. Aufwachen sollen sie, die Obama-Wähler von 2008. "Realitätsfremde Millionäre haben gerade den Krieg erklärt." Als Märchenonkel mit Barett und nicht gerade jugendfreier Wortwahl will Jackson die demokratische Parteibasis aufrütteln. Die hat nach dem historischen Erfolg von vor vier Jahren nämlich ihren Antrieb verloren, ist satt und lethargisch geworden. Das jedenfalls glauben die Macher des Videos vom "Jewish Council for Education & Research", einem den Demokraten und Obama zugeneigten Super Pac.

Dabei haben auf den ersten Blick weder Jackson noch die Demokraten Grund, mit schlotternden Knien in den Endspurt der US-Wahl zu gehen. In 39 Tagen, am 6. November, fällt die Entscheidung – und in den aktuellen Umfragen liegt Obama inzwischen deutlich vor seinem Herausforderer Mitt Romney. Vor allem in den kritischen "Swing States", wo die Wahl entschieden wird, sieht es gut aus für den Präsidenten.

Beim renommierten Umfrageinstitut Gallup kommt Obama derzeit auf 50 Prozent der Wählerstimmen, Romney auf 44 Prozent. Der Bonus, den Romney nach dem Parteitag der Republikaner genossen hat, ist wieder aufgebraucht, nicht zuletzt wegen einer ganzen Reihe von selbst verschuldeten Fehltritten. Romneys Aussage, 47 Prozent der Wähler seien für ihn uninteressante "Opfer" und Sozialschmarotzer, tat besonders weh – und die Kampagne des Präsidenten sorgt gerade mit einem neuen Spot dafür, dass sich möglichst viele US-Amerikaner daran erinnern, wenn sie im November in der Wahlkabine stehen.

Romney braucht Ohio und Florida

Auch aus den hart umkämpften "Swing States", in denen sich das Wahlergebnis noch nicht voraussagen lässt, führt Obama zurzeit. In Florida beträgt der Abstand rund drei Prozentpunkte, in Ohio sogar mehr als fünf. Jeder Staat entsendet entsprechend seiner Einwohnerzahl Wahlmänner, die dann mit einfacher Mehrheit den Präsidenten wählen. 270 Wahlmännerstimmen braucht ein Kandidat mindestens, und addiert man Florida und Ohio zu den Staaten, die Obama mit großer Wahrscheinlichkeit gewinnen wird, käme er auf 283 – genug, um im Amt zu bleiben.

Romneys Pfad zur Präsidentschaft gestaltet sich hingegen deutlich schwieriger. Ohne Ohio oder Florida wird sich sein Traum, das Land zu regieren, nicht erfüllen: Selbst wenn der Ex-Gouverneur in allen anderen "Swing States" siegen sollte, käme er nicht auf die Mindestanzahl von 270 Wahlmännerstimmen.

Doch in Stein gemeißelt sind die Zahlen der Umfrageinstitute freilich nicht. Wie Gallup nun ermittelt hat, könnte sich jeder fünfte Wähler in einem "Swing State" vorstellen, seine Meinung noch zu ändern.

"Geht wählen!"

Und noch ein Faktor wird die beiden Kampagne bis zum Tag der Abstimmung beschäftigen: die Wahlbeteiligung. Besonders bei konservativen Gruppen, die den Republikanern nahe stehen, ist mit hoher Disziplin zu rechnen, auch wenn Romney ihre Herzen nicht gerade im Sturm erobert hat. Die Demokraten müssen hingegen sehr viel härter arbeiten, um ihre Basis zu motivieren – auch weil republikanische Politiker in einigen Bundesstaaten die Wahlgesetze verschärft haben, was vor allem Minoritäten abschrecken könnte. Die wählen traditionell eher die Demokraten.

Entsprechend aufwendig sind auch in diesem Jahr die demokratischen "Get out the vote"-Initiativen, mit denen die US-Amerikaner an ihre Bürgerpflicht erinnert werden. Stars wie Miley Cyrus, Jane Lynch ("Glee") und Neil Patrick Harris ("How I met your mother") versuchen das mit sanftem Humor. Andere machen es auf die harte Tour. Wie Samuel L. Jackson eben. Und der ist spätestens seit "Pulp Fiction" kein Freund der leisen Töne.

Quelle: n-tv.de