US-Wahl

Demokratie wie im 19. Jahrhundert Was ist der Iowa Caucus?

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(Foto: REUTERS)

In Deutschland hat die Piratenpartei das Thema Direkte Demokratie gerade neu belebt, in den USA gehört sie jedoch schon seit über 150 Jahren zu jeder Wahl dazu. Bestes Beispiel dafür ist der Iowa Caucus, wo US-Amerikaner zusammenkommen, über Kandidaten sprechen und abstimmen. Was dabei passiert und wie Kandidaten den Caucus gewinnen können: ein Überblick.

Nachbarn, Freunde, Familienmitglieder und natürlich Menschen, die man noch nie im Leben gesehen hat: Der Iowa Caucus ist so eine Art politische Gemeindeversammlung, mit der Einschränkung, dass nur Mitglieder einer bestimmten Partei eingeladen sind. In Iowa wird das System seit Mitte des 19. Jahrhunderts angewendet. Auch die Demokraten verwenden den Caucus, die Regeln dafür stellen die Parteien jedoch unabhängig voneinander auf. Nur in einer Sache ist man sich einig: Iowa ist der erste US-amerikanische Bundesstaat, der abstimmen darf. So hat man es sich in die eigene Verfassung geschrieben.

Bei der Wahl 2012 müssen nun also die Republikaner des kleinen Bundesstaates ermitteln, wen sie am liebsten gegen Barack Obama ins Feld schicken wollen. Abgestimmt wird in insgesamt 1774 Wahlkreisen.

Was ist ein Caucus?

Im Prinzip ist ein Caucus ein kleiner Parteitag, der sich auf sämtliche Gemeinden des Bundesstaates verteilt. Überall in Iowa kommen Republikaner zusammen, um über das Parteiprogramm zu sprechen, Änderungsvorschläge zu diskutieren und ihre Präferenz für den Präsidentschaftskandidaten abzugeben.

Die Versammlungen können in großen Gemeinden mehrere Hundert Menschen umfassen, in kleinen Gemeinden nicht mehr als eine Hand voll. Teilnehmen darf jeder als Republikaner registrierte Bürger ab 18. Wer bereits als Demokrat registriert ist, darf nicht teilnehmen – das soll Manipulationen verhindern.

Wie läuft der Iowa Caucus ab?

Pünktlich um 19 Uhr treffen sich die Caucus-Mitglieder an einem vorher festgelegten Ort. Jeder Kandidat versucht im Vorfeld mindestens einen Caucus-Teilnehmer zu überzeugen, ein gutes Wort für ihn einzulegen und seine Mitbürger zu überzeugen.

Dann erhält jeder Teilnehmer einen Wahlzettel, auf den er seinen Wunschkandidaten (oder Wunschkandidatin) schreibt. Alle Kandidaten sind automatisch qualifiziert – anders als bei der Primary, bei der zum Teil Beschränkungen gelten, was die Kandidaten Rick Perry und Newt Gingrich in Virgina gerade leidvoll erfahren mussten. Die Wahlzettel werden eingesammelt, ausgewertet und das Ergebnis an die Parteizentrale übermittelt.

Dann wird es kompliziert: Zunächst wird der Gewinner oder die Gewinnerin ermittelt. Dann entsendet jeder Wahlkreis Delegierte, die zu einem Bezirks-Parteitag im März fahren, um dort noch einmal für den Kandidaten zu stimmen, den ihr Wahlkreis mehrheitlich favorisiert.

Dann werden erneut Delegierte bestimmt, die wiederum an einem weiteren Parteitag teilnehmen, dieses Mal im April ... und dann noch einmal das ganze Prozedere, um schlussendlich die Delegierten für den Parteitag des gesamten Bundesstaates im Juni zu bestimmen. Dort wird dann offiziell entschieden, wen Iowa gewählt hat. Wichtig: Die Delegierten sind nicht an die jeweils vorher gefällten Entscheidungen gebunden. Die endgültige Entscheidung fällt also erst im Juni.

Beim Bundesparteitag im August wird dann schließlich der endgültige Kandidat für das Rennen gegen Barack Obama ernannt. Bis Mitte des 20. Jahrhunderts waren die Parteitage oft Schauplätze von Kampfabstimmungen zwischen Kandidaten, bei denen sich auch die Delegierten der einzelnen Staaten noch einmal umentschieden. Heute ist das anders: Obamas Gegner wird voraussichtlich lange vor August feststehen.

Wie gewinnt man einen Caucus?

"Ground Game" ist das Zauberwort der Wahlkampfstrategen: Wer gut organisiert ist und viele Helfer von Tür zu Tür schicken kann, hat beste Chancen auf ein starkes Ergebnis. Während bei den "Primaries", die wie reguläre Wahlen ablaufen, vor allem die Präsenz in den Medien zählt, ist beim Caucus der Kontakt zu einzelnen Wählern um ein Vielfaches wichtiger. Denn beim Caucus können einzelne Parteimitglieder für ihre Kandidaten sprechen – dafür müssen sie allerdings auch genau erklären, wofür diese stehen.

Ein gutes Beispiel für ein erfolgreiches "Ground Game" ist bei dieser Wahl Rick Santorum. Dem fehlte zwar das Geld, um viele Werbespots zu schalten. Dafür hatte er aber eine starke Mannschaft vor Ort, die wochenlang mit Wählern sprach. Zusätzlich war Santorum fast pausenlos durch den kleinen Bundesstaat getourt.

Völlig nebensächlich ist die Medienpräsenz allerdings nicht. Rick Perry hat von allen Kandidaten bisher das meiste Geld für Werbung in Iowa ausgegeben: rund vier Millionen Dollar. Dicht gefolgt von Mitt Romney mit 1,5 Millionen Dollar - allerdings hatte er noch kräftige Unterstützung von einer ihm gewogenen politischen Organisation, einem sogenannten "Super-PAC", der in den letzten Tagen noch einmal Werbung für fast drei Millionen Dollar spendierte. Auch Ron Paul war sehr aktiv und schaltete eigene Werbefilme, vor allem zwischen den Feiertagen.

Opfer dieser Last-Minute-Werbeflut in Iowa ist Newt Gingrich. Denn er war das häufigste Opfer negativer TV- und Radio-Spots seiner Konkurrenten. Seine Umfragewerte brachen seither um fast die Hälfte ein.

Quelle: ntv.de

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