Politik

Ölbohrungen vor US-Küste USA lockern Moratorium

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Der Ölteppich wächst und wächst.

(Foto: dpa)

Der Unmut über die US-Regierung wächst, nun reagiert Washington. Bei Verstößen gegen die Sicherheitsvorschriften sollen Bohranlagen geschlossen werden, Ölbohrungen vor der Küste werden aber prinzipiell wieder erlaubt.

Die US-Regierung erlaubt schneller als geplant neue Öl-Bohrungen im Golf von Mexiko - allerdings unter deutlich verschärften Regeln. In Gewässern, die flacher als 150 Meter sind, dürften wieder Quellen erschlossen werden, berichteten US-Medien. Damit werde der von Präsident Barack Obama verhängte, sechsmonatige Stopp für alle Bohrungen gelockert. Er reagiere damit auf Forderungen von Politikern in der Region, die wegen des Moratoriums wirtschaftliche Einbußen und den Verlust vieler Arbeitsplätze in der lokalen Ölindustrie befürchteten.

Die Öl-Unternehmen müssen jedoch Bedingungen erfüllen, die das US- Innenministerium jetzt öffentlich machte. Demnach dürfen nur noch unabhängige Gutachter das Sicherheitssystem am Bohrloch - den Blowout Preventer - freigeben. Dieses Ventil soll das Öl nach einem Unfall in der Quelle festhalten. Nach dem Untergang der Bohrinsel "Deepwater Horizon" vor sieben Wochen versagte es. Bislang verließ sich die zuständige Kontrollbehörde MMS laut US-Medien oft auf Aussagen der Ölunternehmen über den Zustand des Systems.

Rechtlich eindeutige Papiere

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Das Öl strömt seit April aus dem Bohrloch. Schon jetzt ist die Ölpest im Golf von Mexiko die schlimmst Öl-Katastrophe in der Geschichte der USA.

(Foto: REUTERS)

Zudem müssen Öl-Manager künftig unterschreiben, dass die Dokumente über das bei Bohrungen eingesetzte Material korrekt sind. Bei fehlerhaften Papieren können sie so besser rechtlich belangt werden, schreibt die "Washington Post". Diese Regel geht auf Berichte zurück, nach denen Öl-Unternehmen bei dem Material oft geschummelt hätten, um zu sparen. So sei bei den Arbeiten auf der gesunkenen BP-Plattform billiger Zement verwendet und nur eine Schutzschicht statt zwei um das Bohrloch gelegt worden, berichteten US-Zeitungen.

Innenminister Ken Salazar legte dennoch ein Bekenntnis zur Öl- und Gasforderung ab und hob zugleich die Notwendigkeit hoher Sicherheitsstandards hervor. "Öl und Gas von außerhalb der Kontinentalplatte bleiben ein wichtiger Bestandteil unserer Energiesicherheit, während wir zur sauberen Energiewirtschaft übergehen, aber wir müssen sicherstellen, dass Offshore-Bohrungen sicher und gesetzeskonform sind", erklärte Salazar. Für den Fall von Verstößen gegen die Sicherheitsvorschriften drohte sein Ministerium mit der Schließung von Bohranlagen. Der Leiter der Behörde für Raumnutzung, Bob Abbey, kündigte für die kommenden Tage zusätzliche neue Regeln an.

Obama reist zum vierten Mal

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Ein ölverschmierter Pelikan warten in Fort Jackson, Louisiana, darauf, gereinigt zu werden.

(Foto: REUTERS)

US-Präsident Barack Obama hatte zuvor angekündigt,  erneut in die von der Ölpest betroffenen Gebiete zu reisen. Der Präsident wolle Anfang kommender Woche vor Ort überprüfen, inwieweit die vom britischen BP-Konzern ergriffenen Maßnahmen wirken, kündigte das Weiße Haus in Washington an. Damit reagiert Obama offensichtlich auf die anhaltende Kritik an seinem Krisenmanagement.

Einer Umfrage von ABC News und der "Washington Post" zufolge sind 69 Prozent der US-Bürger mit dem Krisenmanagement Obamas nicht einverstanden. Damit steht der Präsident noch schlechter da als sein Vorgänger George W. Bush bei der Bewältigung der Folgen von Hurrikan "Katrina" im August 2005. Damals beurteilten 62 Prozent der US-Bürger den Umgang als negativ.

Mehr Druck auf Konzerne

Ein Ausschuss des Repräsentantenhaus lud führende Manager fünf großer Unternehmen für eine Befragung in der kommenden Woche vor. Am 15. Juni sollen Vertreter von BP sowie Exxon Mobil, Chevron, ConocoPhillips und Shell vor dem Kongress zu dem Unglück aussagen. Salazar sagte bei einer Senatsanhörung, durch den jüngsten BP-Versuch, die schwerste Umweltkatastrophe dieser Art in der US-Geschichte zumindest einzudämmen, habe sich die Menge des täglich ausströmenden Öls um vier bis fünf Prozent erhöht.


Die US-Küstenwache sieht jedoch die Möglichkeit, dass BP in Kürze erhebliche Fortschritte bei der Bekämpfung der Ölpest machen könnte. Der Energie-Konzern habe Anfang kommender Woche vor, eine zweite Auffangvorrichtung in Betrieb zu nehmen. Statt bisher 15.000 Barrel könnten dadurch bis zu 28.000 Barrel pro Tag (etwa 4,45 Millionen Liter) aufgenommen werden, sagte Admiral Thad Allen. Der Konzern versucht, durch ein provisorisches Absaugsystem das weiter austretende Öl einzufangen.

Wieviel Öl läuft aus?

Derweil äußern Experten erneut Zweifel über die tatsächliche Menge Öl, das seit Wochen aus der BP-Quelle sprudelt. Die aktuelle Schätzung, nach der bis zu 3400 Tonnen Öl pro Tag aus dem Bohrloch kommen, sei zu gering, sagte Steve Wereley von der Purdue University (US-Bundesstaat Indiana) dem Sender msnbc. Der Forscher verwies auf Livevideos vom Bohrloch in 1500 Metern Tiefe und sagte, dass neue Messungen gemacht werden müssten. Die Bilder zeigen, dass immer noch viel Öl ins Meer fließt, obwohl BP nach eigenen Angaben mittlerweile 2000 Tonnen pro Tag auffängt und auf ein Schiff leitet.

Wereley ist Mitglied einer Expertenrunde, die im Auftrag der US- Regierung die Ölmenge misst. Der Einsatzleiter im Kampf gegen die Ölpest, Küstenwachen-Admiral Thad Allen, beauftragte die Gruppe, aufgrund der neuen Daten weitere Schätzungen anzustellen. BP hat dazu auch hochauflösende Videos öffentlich zugänglich gemacht. Kritiker werfen BP vor, eigene Schätzungen nicht publik zu machen. Nach der tatsächlichen Menge des Öls im Wasser bemisst sich auch die Strafzahlung für die Wasserverschmutzung nach dem US-Umweltrecht. Das Bußgeld kann mehrere tausend Dollar pro Tonne ausmachen.

BP gab mittlerweile bekannt, das aufgefangene Öl verkaufen zu wollen, die Erlöse aber in einem neuen Naturschutzfonds anzulegen. Er soll helfen, die nachhaltigen Schäden für den natürlichen Lebensraum an der Golfküste zu beseitigen.

Quelle: ntv.de, AFP/dpa