Politik

Der Kriegstag im Überblick Ukraine meldet Stopp der Ost-Offensive - Scholz will weiter nicht nach Kiew reisen

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Ukrainische Soldaten und Freiwillige wehren russische Angriffe an der östlichen Frontlinie ab.

(Foto: REUTERS)

Die russische Donbass-Offensive kommt laut dem ukrainischen Militär fast komplett zum Erliegen. Die angebliche Rettung verletzter Soldaten aus dem Asow-Stahlwerk durch Kreml-Truppen bestätigt die Ukraine bislang nicht. Derweil droht Putin Finnland und Schweden nach deren Entscheidung zum NATO-Beitritt, Erdogan kündigt ein Veto an. Bundeskanzler Scholz will erst nach Kiew reisen, wenn er etwas zu verkünden hat. Der 82. Kriegstag im Überblick.

Vormarsch im Osten abgewehrt

Das ukrainische Militär hat nach eigenen Angaben russische Angriffsversuche im Osten des Landes weitgehend gestoppt und mehrere Munitionslager zerstört. "Durch den Beschuss feindlicher Depots, die in der Stadt Isjum stationiert waren, haben die Verteidigungskräfte große Munitionsbestände vernichtet", teilte der ukrainische Generalstab in seinem Lagebericht am Abend mit. Den Angaben der Kiewer Militärs zufolge wurden russische Angriffe in der ostukrainischen Donbass-Region überall abgewehrt. So seien Vorstöße Richtung Sjewjerodonezk, Lyman, Bachmut, Kurachowe und Awdijiwka zurückgeschlagen worden.

Nördlich von Charkiw seien die russischen Truppen zur Verteidigung übergegangen und versuchten, den Vormarsch der ukrainischen Streitkräfte Richtung Grenze zu stoppen. Bei der Kleinstadt Isjum, südlich von Charkiw bereiteten die Russen eine neue Offensive vor. Ein Sprecher des US-Verteidigungsministeriums bestätigte die Angaben. Die ukrainischen Verbände seien bis auf eine Entfernung von drei bis vier Kilometern an die russische Landesgrenze im Nordosten der Ukraine herangerückt, hieß es in Washington.

Moskau will Kämpfer aus Stahlwerk gerettet haben

Mariupol wird dem Bericht des ukrainischen Generalstabs nach weiter schwer von Artillerie und Luftwaffe beschossen. "Die Hauptanstrengungen des Feindes in Mariupol zielen auf die Blockade und Vernichtung unserer Einheiten im Werk Asowstal ab", heißt es in dem Bericht. Das russische Verteidigungsministerium hatte zuvor vom Beginn der Evakuierung des Stahlwerks berichtet. Demnach seien schwer verletzte ukrainische Kämpfer aus der Fabrik geholt und auf russisch kontrolliertes Gebiet zur medizinischen Behandlung gebracht worden. Kiew kommentierte diese Meldungen bislang nicht, doch Mitarbeiter der Nachrichtenagentur Reuters berichtenten von vor Ort, dass ein Dutzend Busse mit ukrainischen Militärangehörigen das Asowstal-Stahlwerk verlassen hätten.

Schweden beschließt NATO-Beitritt

Nach Finnland hat sich auch Schweden entschieden, einen NATO-Beitritt zu beantragen. "Wir verlassen eine Ära und treten in eine neue ein", sagte die schwedische Ministerpräsidentin Magdalena Andersson in Stockholm. Geplant sei, den Antrag in den kommenden Tagen gemeinsam mit Finnland einzureichen. Zuvor hatte sich am Vormittag bei einer Diskussion im Parlament eine Mehrheit der Parteien für eine Mitgliedschaft in dem westlichen Verteidigungsbündnis ausgesprochen.

Putin droht den Nordländern

Russlands Präsident Wladimir Putin erklärte, sein Land werde auf die geplante Erweiterung der NATO um die Länder Schweden und Finnland reagieren. Die Ausweitung der NATO sei ein Problem, sagte Putin in Moskau. Dabei habe Russland mit den beiden nordischen Ländern keine Probleme. Er werde aber auf den Ausbau der militärischen Infrastruktur dort reagieren. Zudem müsse Russland zusätzlich im Blick haben, dass die NATO ihren globalen Einfluss ausbauen wolle.

Erdogan kündigt Veto an

Der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan kündigte an, die Türkei werde die geplanten NATO-Beitritte von Schweden und Finnland nicht billigen. Delegationen aus beiden Ländern sollten sich nicht die Mühe machen, in die Türkei zu reisen, um die türkische Regierung von ihren Beitrittsgesuchen zu überzeugen.

Ungarn stellt Milliardenforderung

Unterdessen machte Ungarn milliardenschwere Hilfen der Europäischen Union zur Voraussetzung für seine Zustimmung zu dem geplanten Öl-Embargo gegen Russland. Der ungarische Außenminister Peter Szijjarto sprach in einer auf Facebook veröffentlichten Videobotschaft von Investitionen in Höhe von 15 bis 18 Milliarden Euro, die für die Abkehr seines Landes vom russischen Öl nötig seien.

"Mehr als nur Fototermin": Scholz will nicht ohne Mitbringsel nach Kiew reisen

Bundeskanzler Olaf Scholz macht sich auch nach dem Telefonat mit Putin weiter große Sorgen über eine Ausweitung des Krieges in der Ukraine. "Wir müssen uns Sorgen machen, dass es eine Eskalation des Krieges gibt, aber das darf uns ja nicht lähmen", sagt er in der Sendung "RTL Direkt" und fügte hinzu: "Wir müssen in der Lage sein, vernünftige, sehr bewusste und auch sehr mutige Entscheidungen zu treffen." Putin dürfe den Krieg nicht gewinnen, das sei das Ziel. Aber die Ziele würden nicht darüber hinausgehen: Das wäre angesichts der Tatsache, dass es sich um eine Nuklearmacht handelt, ganz falsch.

Mit Blick auf einen Besuch in Kiew sagte der SPD-Politiker, dass er nicht nur reisen wolle, um dort für Fototermine bereitzustehen. Er habe bereits viele Stunden mit dem ukrainischen Präsidenten telefoniert. Es müsse bei einem Besuch vor Ort aber "darauf ankommen, dass konkret was vorangebracht wird". Er wolle sich "nicht einreihen in eine Gruppe von Leuten, die für ein kurzes rein und raus mit einem Fototermin was machen. Sondern wenn, dann geht es immer um ganz konkrete Dinge."

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Quelle: ntv.de, mau/dpa

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