Politik

"Guttenberg hat vorsätzlich getäuscht" Uni Bayreuth legt Ergebnis vor

In der Plagiatsaffäre um Ex-Verteidigungsminister Guttenberg findet die Universität Bayreuth deutliche Worte: "Herr Freiherr zu Guttenberg hat die Standards guter wissenschaftlicher Praxis evident grob verletzt und hierbei vorsätzlich getäuscht". Damit widerspricht die Uni Guttenbergs Erklärungen, der bis zuletzt von einem Missverständnis gesprochen hatte.

Ex-Verteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg hat beim Verfassen seiner Doktorarbeit nach Einschätzung der Universität Bayreuth absichtlich getäuscht. "Nach eingehender Würdigung der gegen seine Dissertationsschrift erhobenen Vorwürfe stellt die Kommission fest, dass Herr Freiherr zu Guttenberg die Standards guter wissenschaftlicher Praxis evident grob verletzt und hierbei vorsätzlich getäuscht hat", teilte die Universität mit, nachdem die Untersuchungskommission ihre Arbeit abgeschlossen hatte. Guttenberg selbst war wegen der Affäre im März zurückgetreten, hatte den Vorwurf der bewussten Täuschung jedoch stets zurückgewiesen.

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Titel bereits aberkannt: Universitätspräsident Bormann mit der Dissertation Guttenbergs.

(Foto: dpa)

Die Universität erklärte, über Guttenbergs gesamte Doktorarbeit verteilt fänden sich Stellen, die als Plagiat zu werten seien. Besonders deutlich werde dies bei den verwendeten Ausarbeitungen des Wissenschaftlichen Dienstes des Bundestags. Guttenberg habe sich auch hier immer wieder bewusst die Autorenschaft angemaßt, was ein bewusstes Vorgehen voraussetze. Dafür sprächen eine Vielzahl von Indizien wie Umformulierungen der Originaltexte, Veränderungen in der Satzstellung sowie die Verwendung von Synonymen und einzelne Auslassungen.

"Summa cum laude" nicht ersichtlich

Eine Mitverantwortung von Guttenbergs Doktorvater, der die Arbeit mit der Bestnote "summa cum laude" bewertet hatte, verneinte die Universität. Die Benotung hätte allerdings einer ausführlicheren Begründung bedurft, erklärte die Universität. So sei nicht zu erkennen, weswegen die Vergabe der Höchstnote gerechtfertigt schien. Am Mittwoch will sich die Universität in einer Pressekonferenz ausführlich zu dem Fall äußern. Dann wollen Hochschulpräsident Rüdiger Bormann und der Kommissionsvorsitzende Stephan Rixen auch den kompletten mehr als 40-seitigen Bericht der Selbstkontroll-Kommission vorlegen.

Den Doktortitel hatte die Hochschule bereits am 23. Februar aberkannt. Guttenberg war Anfang März von allen Ämtern zurückgetreten. In den Wochen zuvor war bekanntgeworden, dass seine Doktorarbeit zahlreiche Passagen enthält, die von anderen Autoren übernommen, aber nicht als Zitate gekennzeichnet worden waren. Vor allem die Plagiatsjäger im Internet hatten dabei das Ausmaß der kopierten Textstellen offen gelegt.

"Missverständnis"

Guttenberg selbst sprach von handwerklichen Fehlern. In seiner Stellungnahme an die Universität hatte er noch von einem "Missverständnis" gesprochen. Die Arbeiten der Wissenschaftlichen Dienste des Bundestags habe er nur für seine Abgeordnetentätigkeit verwendet.

In ihrem Bericht gibt die Kommission der Uni Bayreuth auch Empfehlungen, wie die Betreuung von Doktoranden verbessert werden kann. Einzelhalten sollen ebenfalls am Mittwoch bekanntgegeben werden. Dann soll der komplette Bericht auch im Internet veröffentlicht werden. Nach längerem Zögern hatte Guttenberg der Veröffentlichung zugestimmt. Dies sei im Interesse der Aufklärung des Sachverhalts und zum Schutze des Ansehens der Universität Bayreuth geschehen.

Staatsanwalt ermittelt

Welche Folgen der Abschlussbericht der Bayreuther Kommission für das in Hof laufende Ermittlungsverfahren gegen Guttenberg hat, steht noch nicht fest. Allerdings hatten die Ermittler bereits vergangenen Monat erklärt, dass der Bericht zwar in das wegen Vorwurfs der Urheberrechtsverletzung eingeleitete Verfahren einfließen werde. Die Plagiatsvorwürfe müssten aber dennoch im Einzelnen geprüft werden. Mit einem Abschluss der Ermittlungen ist erst im Herbst zu rechnen.

Die hochschulpolitische Sprecherin der bayerischen Grünen, Ulrike Grote, erklärte, Guttenbergs Versuche, alles als Missverständnis hinzustellen, würden nun "besonders erbärmlich" erscheinen. "Das zeigt, dass Guttenberg bis zuletzt keinerlei Einsicht oder Schuldbewusstsein entwickelt hat. Das diskreditiert ihn auch künftig für politische Ämter."

Der CSU-Rechtsexperte Norbert Geis schließt trotzdem eine Rückkehr Guttenbergs in die Politik nicht aus. "Ich sehe darin kein Hindernis, in die Politik zurückzukehren", sagte er der "Mitteldeutschen Zeitung". Das Urteil der Universität Bayreuth habe zwar Gewicht, es sei aber nicht so gewichtig, dass eine Rückkehr nicht mehr möglich wäre. Allerdings werde zunächst "ein gewisser Abstand nötig sein".

Quelle: ntv.de, tis/dpa/rts/AFP

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