RTL/ntv-TrendbarometerUnion ist wieder stärkste Kraft, AfD verliert an Zustimmung
Lange Zeit gibt es wenige Veränderungen im RTL/ntv-Trendbarometer, bis jetzt: Erstmals seit Juli liegen CDU und CSU wieder vor der AfD - weil die Union an Zustimmung gewinnt und die AfD verliert. Etwas zulegen kann die Linke.
Es war ein außenpolitisch denkbar turbulenter Start ins Jahr: Spätestens mit dem drohenden Griff von US-Präsident Donald Trump nach Grönland lief die Nato Gefahr, sich endgültig zu zerlegen. Doch Europa hielt zusammen, immer mittendrin: Bundeskanzler Friedrich Merz. Der scheint für seine unaufgeregte, aber klare Handhabung der Außenpolitik belohnt zu werden. Erstmals seit Ende Juli führt die Kanzlerpartei CDU zusammen mit ihrer Schwesterpartei CSU wieder das RTL/ntv-Trendbarometer an. Zusammen legen sie im Vergleich zur Vorwoche zwei Prozentpunkte zu.
Die AfD hingegen verliert im Wochenvergleich zwei Prozentpunkte in der von Forsa erhobenen Umfrage. Einen solchen Einbruch hat die Partei im Trendbarometer seit Januar 2024 nicht hinnehmen müssen. Allerdings bewegt sich auch diese Veränderung innerhalb der statistischen Fehlertoleranz von 2,5 Prozent. Seit Anfang Oktober führte sie die Sonntagsfrage ("Wenn heute Bundestagswahl wäre ... ?") konstant mit 26 Prozent an.
Die Ursachen für den Verlust der AfD sind nicht eindeutig, allerdings könnte die bislang demonstrative Nähe der Partei zu Donald Trump und dessen MAGA-Bewegung auch bei Sympathisanten zunehmend schlecht ankommen. Trump hatte zuletzt nicht nur Dänemark im Grönland-Streit bedroht, sondern den europäischen Soldaten auch Feigheit während des Afghanistan-Einsatzes vorgeworfen. Letzteres kritisiert nun auch AfD-Chefin Alice Weidel scharf.
Würde der Bundestag in dieser Woche gewählt, könnten die Parteien dem RTL/ntv-Trendbarometer zufolge mit folgendem Ergebnis rechnen: CDU/CSU 26 Prozent (Bundestagswahl 2025: 28,5 Prozent), AfD 24 Prozent (20,8 Prozent). Unverändert bleiben die SPD bei 14 Prozent (16,4 Prozent) und die Grünen bei 12 Prozent (11,6 Prozent). Die Linke gewinnt einen Punkt hinzu auf 11 Prozent (8,8 Prozent).
Die FDP (4,3 Prozent) und das BSW (4,981 Prozent) kommen auf jeweils 3 Prozent und würden damit erneut nicht in den Bundestag einziehen. Der Anteil der Nichtwähler und Unentschlossenen liegt mit 28 Prozent weiterhin deutlich über dem Anteil der Nichtwähler bei der vergangenen Bundestagswahl (17,9 Prozent).
Der Aufwärtstrend für die Union spiegelt sich auch in den Zuspruchswerten für den Bundeskanzler: Der Anteil der Befragten, die mit der Arbeit des Regierungschefs zufrieden sind, steigt erneut um einen Prozentpunkt auf nunmehr 25 Prozent. Im Vergleich zum Tiefstwert von 22 Prozent Anfang Dezember hat Merz damit schon drei Punkte gutgemacht. Der Anteil der unzufriedenen Befragten sank im gleichen Zeitraum von 76 auf 73 Prozent. Ungeachtet des Aufwärtstrends bewegt sich Merz damit aber weiter auf dem schwachen Niveau seines Vorgängers Olaf Scholz zum Ende von dessen Amtszeit.
Von den CDU/CSU-Anhängern zeigen sich 65 Prozent zufrieden mit Merz und 22 Prozent unzufrieden. Bei den SPD-Anhängern sind noch 30 Prozent zufrieden und 70 Prozent unzufrieden mit dem Kanzler. Unter den befragten Grünen-Anhängern äußern sich 18 Prozent zufrieden und 82 Prozent unzufrieden. Linken-Anhänger sind nur zu 7 Prozent mit Merz zufrieden, 93 Prozent sind unzufrieden. Am schlechtesten kommt Merz bei AfD-Anhängern an: 3 Prozent geben an, mit dem CDU-Vorsitzenden als Kanzler zufrieden zu sein, 97 Prozent sind unzufrieden.
Auch bei der Frage nach der politischen Kompetenz der Parteien geht es für CDU und CSU nach oben. Bei der Frage, wer mit den Problemen in Deutschland am besten fertig werde, nennen 29 Prozent die Union - zwei Prozentpunkte mehr als in der Vorwoche. Die AfD fällt von 13 auf 11 Prozent. Die SPD wird unverändert von 6 Prozent genannt, die Grünen von 5 Prozent (minus ein Punkt) und die Linke kann um zwei Punkte auf 6 Prozent zulegen. 2 Prozent nennen sonstige Parteien, während unverändert 50 Prozent der Befragten keiner Partei eine Problemlösungskompetenz zutrauen.
Die Wirtschaftserwartungen bleiben weitgehend unverändert. Wie in der Vorwoche erwarten 20 Prozent eine Verbesserung der wirtschaftlichen Verhältnisse in Deutschland in den kommenden Jahren. Der Anteil derjenigen, die eine Verschlechterung erwarten, sinkt um einen Prozentpunkt auf 56 Prozent. Von keiner Veränderung gehen 23 Prozent aus, ein Punkt mehr als zuletzt.
Als wichtigste Themen nennen 40 Prozent den Konflikt um Grönland, 24 Prozent die ökonomische Lage und 23 Prozent der Befragten den Krieg in der Ukraine. Die (politische) Situation in den USA nennen 21 Prozent und 27 Prozent die Lage der Bundesregierung und schwarz-roten Koalition. Die allgemeine Außenpolitik der USA nennen 10 Prozent, gefolgt vom Weltwirtschaftsforum in Davos und dem Nahen Osten mit je 6 Prozent sowie die Situation im Iran und der Reform des deutschen Sozialstaats mit jeweils 5 Prozent.
Die Daten zum RTL/ntv-Trendbarometer wurden vom Markt- und Meinungsforschungsinstitut Forsa im Auftrag von RTL Deutschland zwischen dem 20. und 26. Januar erhoben. Datenbasis: 2501 Befragte. Statistische Fehlertoleranz: plus/minus 2,5 Prozentpunkte.
