Politik

Energiewende wird schlecht umgesetzt Unternehmen sorgen sich

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Hochspannungsmasten bei Ludwigsburg.

(Foto: dapd)

Die Industrie entwickelt eigene Ideen für eine professionellere Umsetzung der stockenden Energiewende. Gut ein Jahr nach dem Atomausstieg sollen Studien der Politik helfen, beim Großumbau der Stromversorgung Blackouts und eine Kostenexplosion zu vermeiden. Laut Dena fürchtet die Wirtschaft schon bald Verschlechterungen bei ihrer Versorgungssicherheit.

Die deutsche Wirtschaft bewertet die eingeleitete Energiewende deutlich schlechter als die Politik. Nach einer von der Deutschen Energie-Agentur (Dena) in Berlin veröffentlichten Umfrage haben die Unternehmen vor allem erhebliche Bedenken hinsichtlich der rechtlichen und regulatorischen Rahmenbedingungen für die Umstellung der Energieversorgung. Nach der Befragung sieht die Wirtschaft die Wettbewerbsfähigkeit des Wirtschaftsstandortes Deutschland als gefährdet an. Viele Unternehmen fürchten zudem eine Verschlechterung der Versorgungssicherheit in den kommenden zwölf Monaten.

Gut ein Jahr nach dem Atomausstieg forderte BDI-Chef Hans-Peter Keitel am Montag in Berlin: "Wir brauchen ein Navigationssystem." Die Studie soll der Politik helfen, beim Großumbau der Stromversorgung Blackouts und eine Kostenexplosion zu vermeiden. Der neue Umweltminister Peter Altmaier (CDU) betonte trotz aller Unwägbarkeiten, in der Energiewende liege für die deutsche Wirtschaft ein großes Potenzial.

Politik kommt nicht gut an

Nach einem Jahr Energiewende sitzt der Frust in der Wirtschaft tief, die auf verlässliche Rahmenbedingungen wartet. So sehen die Unternehmen in der Dena-Umfrage für einen neuen Energiewende-Index (Dex) bereits ihre Wettbewerbsfähigkeit in Gefahr. Mit 38,5 Punkten benoteten die Manager die von der Politik gesetzten Rahmenbedingungen besonders negativ. Die Dex-Bewertungsskala reicht von 0 (negativ) bis 200 (positiv). An der ersten Befragung für den DEX beteiligten sich 235 Unternehmen, Städte und Verbände in der Zeit von Ende April bis Anfang Mai.

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In der Nähe von Alfhausen im Landkreis Osnabrück.

(Foto: dapd)

"Die aktuellen Dex-Werte machen deutlich, dass vor allem bei den Rahmenbedingungen etwas getan werden muss", sagte Dena-Geschäftsführer Stephan Kohler. Der Ausbau der erneuerbaren Energien müsse besser mit dem Ausbau der Stromnetze koordiniert werden. Zudem müssten Marktbedingungen geschaffen werden, die den Bau neuer Gaskraftwerke und Speicher wirtschaftlich rentabel machten.

Je nach Branche fielen die Einschätzungen unterschiedlich aus. Die Energieverbraucher (Dex 95,9), Netzbetreiber (Dex 97,4) und Energieversorgungsunternehmen (Dex 100,6) waren eher negativ bis neutral gestimmt. Positiv beurteilten Politik und Interessensverbände - insbesondere aus der Erneuerbaren- Energien- und der Energieeffizienz-Branche - die Energiewende (Dex 121,3). Sie erwarteten eine günstige Entwicklung auf die Beschäftigtenzahl (Dex 122,7). Auch Firmen, die Produkte und Dienstleistungen für die Energiewende herstellen (Dex 105,7) sowie Investoren (Dex 108,3) vertraten eine positive Einschätzung. Alle Antworten zusammengenommen ergab sich ein weitgehend neutraler Dex-Durchschnittswert für das zweite Quartal des laufenden Jahres von 100,8.

Altmaier: Man muss miteinander reden

"Es muss jetzt endlich vorangehen", forderte Keitel. Es brauche ein intensives Monitoring der Energiewende, um etwa bei drohenden Engpässen schnell eingreifen zu können. Keitel erklärte, die Industrie wolle mit Partnern aus Wissenschaft und Praxis ihr Wissen einbringen. Wenn die Energiewende gelinge, könne sie zu einem echten Exportschlager werden. Der Politik bot er den Dialog an. Umweltminister Peter Altmaier begrüße dies als geeigneten Vorschlag auf dem Weg zu einem nationalen Konsens. "Die Energiewende kann nur gelingen, wenn wir miteinander reden", so der CDU-Politiker.

Altmaier hatte am Wochenende gesagt, er strebe bis zum Jahresende einen nationalen Konsens über die Energiewende an. In seiner ersten programmatischen Rede zu seinen Zielen sagte er am Montag, wenn Deutschland den Nachweis erbringe, dass man mit der Energiewende auch Geld verdienen könne, könne es international zum Vorreiter werden. Die deutsche Volkswirtschaft habe die Chance, mit den Umwelttechnologien Wertschöpfungspotentiale in einem Bereich zu realisieren, in dem sie führend sei.

An der ersten Befragung für den Dex beteiligten sich 235 Unternehmen, Städte und Verbände in der Zeit von Ende April bis Anfang Mai. Die Dena wird getragen von der Bundesregierung, der Deutschen Bank, dem Allianz-Konzern und der DZ Bank. Die GmbH versteht sich als Kompetenzzentrum für Energiefragen.

Quelle: ntv.de, dpa/AFP/rts

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