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Katastrophen-Akw Fukushima Verseuchtes Wasser strömt ins Meer

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In den etwa tausend Behältern in Fukushima befinden sich bereits 335.000 Tonnen kontaminiertes Wasser.

(Foto: picture alliance / dpa)

Schon wieder eine Hiobsbotschaft aus dem Akw Fukushima: Die Eindämmung des kontaminierten Wassers gelingt nicht. Ein Loch gibt den Weg frei. Trotz des entdeckten Lecks spielt der Kraftwerksbetreiber Tepco das Risiko weiter runter.

Neue Panne im havarierten japanischen Atomkraftwerk Fukushima: Nach Angaben des Betreibers Tepco hat eine im Meer vor den Reaktoren fünf und sechs installierte Sperre für radioaktive Stoffe ein Loch. Ein Techniker eines Subunternehmens habe den Schaden gemeldet, teilte Tepco mit. Die Sperre soll verhindern, dass Radioaktivität aus dem Hafen der Anlage in den Pazifik gelangt. Laut Tepco wurden jedoch k eine nennenswert erhöhten Werte im Meerwasser gemessen. Die Reaktoren fünf und sechs sind nur leicht beschädigt. Die Radioaktivität in der Umgebung der Meiler sei "sehr schwach", teilte Tepco mit. Es sei "unwahrscheinlich", dass Radioaktivität ausgetreten sei. Das Loch werde bei ruhigerem Seegang gestopft.

Hinter den Lecks steckt laut Atomenergie-Experten ein schwerwiegenderes Problem: In den vergangenen Monaten sei deutlich geworden, dass Tepco die Kontrolle über den Wasserfluss am Atomkraftwerk verloren habe und sich das Problem verschärfe. Täglich müsse Tepco 400 Tonnen radioaktiv kontaminiertes Wasser, das aus den radioaktiv verstrahlten Reaktorgebäuden gepumpt wird, lagern. Die während der Haverie in aller Eile errichteten Lagertanks zeigten erste Risse und Tepco kommt mit dem Ersetzen durch widerstandsfähiger Tanks offenbar nicht nach. Zudem steige das Level der Grundwasserverseuchung an der zum Meer zugewandten Seite des Atomkraftwerks.

Panne um Panne

Erst Mitte September hatte Tepco bekannt gegeben, dass wegen fehlender Speicherkapazitäten mehr als tausend Tonnen leicht kontaminierten Wassers ins Meer geleitet wurden. Die Maßnahme wurde demnach notwendig, weil durch den von heftigen Regenfällen begleiteten Taifun "Man-yi" Teile der Atomanlage überschwemmt wurden und daher das Wasser in den Reservoirs "rapide" angestiegen war. Das Akw Fukushima war infolge eines schweren Erdbebens und eines Tsunamis im März 2011 schwer beschädigt worden. Seither reiht sich auf der Unglücksanlage Panne an Panne.

Das Ausmaß der bisherigen Meeresverseuchung ist unbekannt. Tepco rechnet laut eigenen Angaben damit, dass bisher 40 Billionen Becquerel (die Maßeinheit für Radioaktivität) an Tritium ins Meer gelangten. Dieser Stoff beeinflusst die menschliche DNA, ist aber laut Stand der Wissenschaft wesentlich ungefährlicher als etwa Cäsium. Erst Ende Juli musste Tepco jedoch bekannt geben, dass auch die im Grundwasser um die Atomruine gemessenen Werte für das hochgefährliche Cäsium-134 um das 90-fache angestiegen sind. Tepco sagt, die gesetzlichen Grenzwerte würden nicht erreicht. Die Angaben der Firma sind aber von unabhängigen Stellen kaum nachprüfbar.

Quelle: n-tv.de, dsi/AFP

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