Politik

"Hausfrauen"-Wehrreform Von der Leyen greift die Chauvis an

3ixo5701.jpg8617732918686832060.jpg

Von der Leyen: "Ich bin Frau genug, das alleine zu machen."

(Foto: dpa)

Nette Ausbilder, Teilzeit, Laptops für den Dienst im Wohnzimmer - Ursula von der Leyen verordnet der Bundeswehr eine Wohlfühlkür. Von Kritik, dass sie sich wie eine Soldaten-Mutter aufführe, lässt sich die CDU-Politikerin nicht beeindrucken.

Gleich eine der ersten Fragen hat das Potenzial, Ursula von der Leyen das Lächeln vom Gesicht zu fegen. Die Verteidigungsministerin sitzt in der Bundespressekonferenz und stellt ihre Attraktivitätsoffensive für die Bundeswehr vor. Ein Journalist stellt fest, dass sie auf dem Podium ja "ganz solo" sitze. "Ich hätte mir erwartet, dass Sie sich ein bisschen uniformierte Unterstützung für dieses Programm mitbringen", sagt er. Ob das eine bewusste Entscheidung gewesen sei? Ein gezielter Stich - das Lächeln lässt sich von der Leyen trotzdem nicht austreiben. Im Gegenteil. Sie schlägt zurück. Sie erfahre "fantastische Unterstützung" aus der Truppe, versichert sie. "Darüber hinaus bin ich Frau genug, das hier alleine zu machen."

6170592.jpg

Stehengeblieben? Der ehemalige Generalinspekteur der Bundeswehr Kujat im Jahr 2004.

(Foto: picture-alliance / dpa/dpaweb)

Seit die Pläne der CDU-Politikerin, die Attraktivität der Bundeswehr als Arbeitgeber zu verbessern, bekannt sind, ist sie chauvinistischen Vorbehalten ausgesetzt. Bei der offiziellen Präsentation ihrer Reformpläne geht die Verteidigungsministerin aber nicht in den Verteidigungsmodus über, sie greift an.

Die wohl schärfsten Vorwürfe gegen sie kamen von Harald Kujat. Der ehemalige Generalinspekteur der Bundeswehr nannte von der Leyens Pläne "grotesk". Die Ministerin komme ihm vor, "wie eine gute Hausfrau, die ihre Kinder versorgt", sagte er. "Von der Leyen hat ganz offensichtlich keine Ahnung von Militär." Um die Attraktivität der Bundeswehr zu steigern, brauchten die Soldaten vernünftige Ausrüstung, so der Ex-General.

Von der Leyen lässt sich von dieser Kritik nicht die Begeisterung für ihre Reformen nehmen. Sie erkennt in diesen Worten die Kritik eines Mannes, der aus der Zeit gefallen sein muss. "Ich glaube, daraus spricht vor allem die Angst", sagt sie, "die Angst vor Veränderung." Wiederholt weist die CDU-Politikerin darauf hin, dass für sie Investitionen in die Arbeitsbedingungen Investitionen in die Ausrüstung der Truppe nicht ausschlössen. "Was nutzt der beste Eurofighter ohne Piloten und Techniker?"

Flachbildschirme und verständnisvolle Drill-Sergeants

Von der Leyen hat sich zum Ziel gesetzt, die Truppe durch eine Reihe großangelegter Maßnahmen zu einem der attraktivsten Arbeitgeber Deutschlands zu entwickeln:

  • Unliebsame Versetzungen an andere Standorte will die Ministerin eindämmen.
  • An fast allen Kasernen soll es eine Kita geben.
  • Um darüber hinaus ein Familienleben pflegen zu können, sollen Soldaten die Möglichkeit erhalten, in Teilzeit zu arbeiten.
  • Soldaten sollen dank Laptops und neuer Dienstregeln künftig leichter von Zuhause arbeiten können.
  • In Kasernen sollen Flachbildfernseher und kostenlose WLAN-Zugänge zur Verfügung stehen.
  • Ausbilder sollen so trainiert werden, dass sie besser auf die Bedürfnisse der Soldaten eingehen können.

Hinzu kommen etliche andere Maßnahmen, wie die Möglichkeit, sich online für den Dienst zu bewerben. Insgesamt will von der Leyen 100 Millionen Euro aus dem Etat des Verteidigungsministeriums für ihre Attraktivitätsoffensive ausgeben.

Karg war gestern

Dass ihre Pläne in heftigem Kontrast zum Soldatendasein vergangener Tage stehen, ist der Ministerin durchaus bewusst. Manch einer mag sagen: Um Soldaten für die physischen und mentalen Herausforderungen im Einsatz vorzubereiten, braucht es Drill und Entsagung. Von der Leyen sagt: "Andersherum wird ein Schuh draus." Gerade weil die Anforderungen an Soldaten so hoch seien, müsse die Bundeswehr ihnen viel bieten. Die Ministerin verweist darauf, dass es angesichts des Endes der Wehrpflicht gar nicht anders gehe. Die Truppe brauche jedes Jahr 60.000 Bewerber, zehn Prozent eines Jahrgangs. "Wir haben keine Wehrpflicht mehr, wir werden auch nicht mehr zurückgehen." Die Attraktivität der Bundeswehr sei entscheidend für die Einsatzfähigkeit der Truppe.

Die Antwort auf die Frage, wie sich ein Wohlfühlklima auf die Leistungsfähigkeit des einzelnen Soldaten auswirken könnte, bleibt die Ministerin bei ihrem Auftritt in der Bundespressekonferenz allerdings schuldig. Sie macht lediglich deutlich, dass die Bundesrepublik in Sachen Wohlfühlklima alles andere als ein Vorreiter sei. Freiwilligenarmeen in anderen Staaten, das beste Beispiel sind wohl die USA, bieten ihren Soldaten im Vergleich zur Bundeswehr etliche Vorzüge - ohne als einsatzuntauglich zu gelten.

Quelle: ntv.de

ntv.de Dienste
Software
Newsletter
Ich möchte gerne Nachrichten und redaktionelle Artikel von der n-tv Nachrichtenfernsehen GmbH per E-Mail erhalten.