Politik

Bayern wählt Seehofer zieht in "Mutter aller Schlachten"

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(Foto: picture alliance / dpa)

Bringt die Landtagswahl in Bayern die große Wende? Leitet sie den Siegeszug von Rot-Grün auch im Bund ein? Wohl kaum. Die Wirkung der Wahl wird in Bayern wie in Berlin wahrscheinlich sehr begrenzt sein. Für einen Mann allerdings ist sie der größte Kampf seines Lebens.

Auf einem Parteitag im vergangenen Jahr nannte Horst Seehofer die Landtagswahl in Bayern die "Mutter aller Schlachten". Damit trug der Ministerpräsident ziemlich dick auf. Die Wahl ist zwar eine bedeutsame Schlacht - allerdings vor allem für Seehofers Ego.

Mit einem Machtwechsel in Bayern ist am 15. September nicht zu rechnen. In Umfragen liegt die CSU bei 48 Prozent. Dass Seehofer Ministerpräsident bleibt und die Christsozialen das Land weiterhin regieren, ist sicher - selbst wenn der FDP der Sprung über die Fünf-Prozent-Hürde misslingt. SPD und Grüne sind einfach zu schwach. Selbst mit den Freien Wählern, die auch eine Koalition mit der CSU nicht ausgeschlossen haben, liegt Rot-Grün weit hinter der Seehofer-Partei. Laut aktuellen Umfragen kommt die SPD auf höchstens 21, die Grünen auf 10 und die Freien Wähler auf 8 Prozent.

Bestenfalls ein Schub für Peer Steinbrück

Zudem hat der Hoffnungsträger der Sozialdemokraten, Christian Ude, deutlich an Strahlkraft verloren. Als der langjährige Oberbürgermeister von München noch kein Kandidat für das Amt des Ministerpräsidenten war, sagten viele über den 65-Jährigen: Wenn einer die CSU schlagen kann, dann er. Heute geht es für Ude nur noch darum, ob er das desaströse Ergebnis der Sozialdemokraten von der Landtagswahl 2008 verbessern kann. Damals holte die SPD 18,6 Prozent der Stimmen.

Schafft Ude 20 oder gar 22 Prozent, könnte das dem SPD-Kanzlerkandidaten Peer Steinbrück ein wenig Rückenwind für die Schlussphase vor der Bundestagswahl am 22. September geben. Viel größer als dieser mögliche Schub ist die Wirkung der Landtagswahl in Bayern auf den Bund aber wohl kaum.

Ein Gratmesser für Seehofer

Wie also kommt Seehofer auf die Idee, von einer "Mutter aller Schlachten" zu sprechen? Jahrelang regierte die CSU mit absoluter Mehrheit im Freistaat. Dass sie die bei der Landtagswahl 2008 einbüßte, galt in der Partei als Schmach und kostete Seehofers Vorgänger-Duo Erwin Huber und Günter Beckstein die Ämter. Mit einem Abgang Seehofers bei einem Ergebnis unterhalb der 50-Prozent-Marke ist 2013 zwar nicht zu rechnen. Doch die Wahl ist seine erste echte politische Bewährungsprobe. Und vielleicht auch die letzte.

Die absolute Mehrheit ist für den 64-Jährigen ein Gradmesser. Sollte er sie der CSU nicht bringen, käme das einer weiteren Schmach gleich. Und nicht nur das: Es ist fraglich, ob Seehofer im Alter von fast 70 Jahren bei der nächsten Landtagswahl wieder antreten will. Mit einer absoluten Mehrheit im Rücken könnte der Mann, der seit mehr als 40 Jahren eine Rolle in der deutschen Politik spielt, mit einem Erfolg und ruhigem Gewissen in den Ruhestand gehen. Es wäre der perfekte Abschluss einer langen politischen Karriere.

Quelle: ntv.de, mit dpa