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Heikle Mission im Bombenhagel Waffenexperten durchstöbern Syrien

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Im August gingen Bilder von Leichen um die Welt. Verantwortlich für den Nervengas-Angriff soll Diktator Assad sein.

(Foto: AP)

Während nicht weit entfernt Bomben einschlagen, nehmen Fachleute in Syrien Fährte auf: Sie besuchen nach und nach alle Lager von Chemiewaffen. Ihre Aufgabe ist wohl die gefährlichste ihres Lebens - die Experten können selbst schnell Opfer des Konflikts werden.

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Die Waffenexperten begannen ihre schwierige Mission inmitten des Bürgerkrieges.

(Foto: dpa)

Trotz heftiger Gefechte haben Experten mit ersten Vorarbeiten begonnen, um Syriens Chemiewaffen zu vernichten. Inmitten des Bürgerkriegs machten sich 19 Fachleute der Organisation für das Verbot von Chemiewaffen (OVCW) an die Arbeit. Sie waren Dienstag begleitet von 14 Mitarbeitern der Vereinten Nationen in Syrien eingetroffen.

Regierungstreue Truppen bombardierten währenddessen Hochburgen der syrischen Rebellen in der nördlich gelegenen Provinz Aleppo, um eine neue Versorgungsroute zu schaffen. Zudem wurden Gefechte zwischen Kämpfern der Rebellen und radikalen Islamisten in der Nähe der türkischen Grenze gemeldet. Dort marschierten hunderte der Al-Kaida nahe stehenden Kämpfer in Richtung eines Grenzpostens, der von der oppositionellen Freien Syrischen Armee gehalten wird.

Tausend Tonnen C-Waffen

Die Aufgabe der OVCW-Inspekteure ist es, das syrische Chemiewaffen-Arsenal zu erfassen und Vorbereitungen zu dessen Zerstörung zu treffen. Es handelt sich um eines der ehrgeizigsten Projekte zur Abrüstung in der Geschichte der Organisation. Da die Experten inmitten des Bürgerkriegs arbeiten müssen, gilt ihre Mission als besonders gefährlich.

Der syrische Bestand an chemischen Kampfstoffen wird auf tausend Tonnen geschätzt, verteilt auf landesweit 45 Standorte. Den OVCW-Inspekteuren liegt eine Liste mit Produktions- und Lagerstätten vor, welche die Führung in Damaskus erstellt hat. Bis spätestens Ende Oktober müssen die internationalen Inspekteure alle Anlagen erstmals besichtigt haben. Grundlage ihrer Arbeit ist eine Resolution des UN-Sicherheitsrats.

Staaten verlangen Zugang für Helfer

Der Sicherheitsrat übt mit einem neuen Beschluss Druck auf die syrische Führung aus und verlangt einen besseren Zugang für humanitäre Helfer. Das Gremium zeigte sich "erschüttert über die inakzeptable und eskalierende Gewalt" in dem arabischen Land. Die Regierung von Machthaber Baschar al-Assad wurde aufgerufen, "sofortige Schritte" zu unternehmen, um eine Ausweitung der Hilfsaktionen für die syrische Bevölkerung zu ermöglichen. Dazu zähle die Aufhebung von "bürokratischen Hürden und anderer Hindernisse". Die Erklärung ist im Gegensatz zur Chemiewaffen-Resolution nur eine Bekundung und nicht rechtlich bindend.

Assads Regierung lehnt Hilfsmissionen aus dem Ausland mit der Begründung ab, dass die Rebellen dadurch Nachschub erhalten könnten. Allerdings herrschen auch Zweifel, ob die Rebellen ihrerseits Hilfen für die Menschen in von der Führung kontrollierten Gebieten passieren lassen. Der Sicherheitsrat rief alle Konfliktparteien auf, "die Bemühungen der UNO, ihrer Sonderorganisationen und anderer humanitärer Akteure" zu unterstützen.

Nach UN-Angaben sind seit Beginn des Syrien-Konflikts weit mehr als 100.000 Menschen getötet worden. Mehr als 2,1 Millionen Syrer flohen in Nachbarstaaten, fast sechs Millionen Menschen wurden innerhalb des Landes vertrieben.

Quelle: n-tv.de, jtw/AFP

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