Politik

US-Journalist Foley von IS hingerichtet Weißes Haus bestätigt Echtheit des Videos

Bislang waren die Gräueltaten der Islamisten im Irak für viele Bürger der westlichen Welt eine weit entfernte Tragödie. Die erste direkte Botschaft der IS an Präsident Obama wühlt jetzt nicht nur die USA auf. Obama kündigt umgehend weitere Luftschläge im Irak an.

Ein Video mit der Enthauptung eines US-Reporters durch islamistische Terroristen im Irak hat international Entsetzen ausgelöst. Weltweit wächst die Bereitschaft, die für zahlreiche Gräueltaten an Zivilisten berüchtigte Miliz Islamischer Staat (IS) militärisch zu stoppen. Auch Deutschland und Italien wollen deshalb Kurden im Nordirak sowie die irakische Armee mit Waffen beliefern. Die USA setzten ihre Luftangriffe fort und wollen weitere Soldaten in den Irak entsenden.

Der Tod von James Foley "schockiert das Bewusstsein der gesamten Welt", sagte US-Präsident Barack Obama an seinem Urlaubsort Martha's Vineyard in Neuengland. Er kündigte eine Fortsetzung der Militärschläge gegen die Extremisten an. Die USA würden weiterhin alles Nötige unternehmen, um ihre Bürger zu beschützen, sagte Obama in der Stellungnahme. Die IS habe mit ihrer barbarischen und menschenverachtenden Einstellung keinen Platz im 21. Jahrhundert, betonte Obama. Die Extremisten verfolgten keine religiösen Ziele. "Kein gerechter Gott würde für die Taten stehen, die der Islamische Staat begeht. Es muss eine gemeinsame Anstrengung geben, den Krebs zu entfernen, damit er sich nicht ausbreitet."

Das Weiße Haus in Washington hatte zuvor die Echtheit des Videos bestätigt, das die Hinrichtung des US-Journalisten durch Dschihadisten zeigt. Die Geheimdienste hätten das Video untersucht, in dem Foley und sein Kollege Steven Sotloff zu sehen sind, und seien zu dem Schluss gekommen, dass die Aufnahmen authentisch seien, erklärte die Sprecherin des Nationalen Sicherheitsrats, Caitlin Hayden.

Großbritannien startete eine Fahndung nach dem Mörder, der im Video mit einem Londoner Akzent spricht. Der IS droht in der Aufnahme mit weiteren Morden, sollten die USA weiterhin in den Kampf der IS-Milizen mit Kurden und irakischer Armee mit Luftschlägen eingreifen.

IS droht mit weiterer Enthauptung

Das am Dienstag veröffentlichte Video beginnt mit einer Stellungnahme Obamas, in der er Luftangriffe gegen IS-Stellungen im Nordirak ankündigt. Dann erscheint in arabischer und englischer Sprache die Warnung: "Obama genehmigt militärische Einsätze gegen den Islamischen Staat und bringt damit Amerika auf einen rutschigen Abhang in eine neue Kriegsfront gegen Muslime." Danach sind Schwarz-Weiß-Aufnahmen einer Bordkamera von einem US-Luftangriff zu sehen mit der Aufschrift "Amerikanische Aggression gegen den Islamischen Staat."

Dann ist Foley zu sehen. Er trägt einen orangen Anzug wie ihn die mutmaßlich islamistischen Gefangenen des US-Gefängnisses Guantánamo tragen. Der Kopf des 40-Jährigen ist rasiert. Er kniet in der Wüste. Neben ihm steht ein komplett schwarz gekleideter Mann, der ein Messer in der Hand hat. "Ich rufe meine Freunde, meine Familie und meine Nächsten an aufzustehen gegen meine wirklichen Mörder, die US-Regierung. Das, was mir passieren wird, ist nur das Ergebnis ihrer Selbstzufriedenheit und ihres Verbrechertums", sagt Foley.

Der schwarz gekleidete Mann sagt dann: "Dies ist James Wright Foley, ein amerikanischer Staatsbürger aus eurem Land." Die US-Regierung habe sich an die Spitze der Aggression gegen den IS gestellt. Dann wirft er den USA Luftangriffe auf IS-Kämpfer vor. Danach köpft er den knieenden Mann. Am Ende des Videos wird ein weiterer Gefangener gezeigt und der Name Steven Joel Sotloff eingeblendet. "Das Leben dieses Amerikanischen Staatsbürgers, Obama, hängt von deiner nächsten Entscheidung ab", sagt der schwarz maskierte Mann.

Briten starten Suche nach dem Mörder

Der britische Premierminister David Cameron sprach von einer "schockierenden und entarteten" Aufnahme. Außenminister Philip Hammond kündigte an, der Geheimdienst werde eng mit den USA bei der Fahndung nach dem Mörder zusammenarbeiten. Der Mörder auf dem Video spricht mit einem Londoner Akzent. Britische Sicherheitsbehörden gehen davon aus, dass rund 500 Briten sich den Islamisten in Syrien oder im Irak angeschlossen haben.

"Dieses Video ist ein abstoßendes Dokument und es zeigt, dass diese Terrororganisation außer Grausamkeit und Fanatismus nichts zu bieten hat", erklärte in Berlin Regierungssprecher Steffen Seibert. "Die Bundeskanzlerin ist erschüttert über das Schicksal des seit 2012 gewaltsam verschleppten amerikanischen Journalisten." US-Präsident Obama hatte am Montag IS als Bedrohung für die gesamte Region im Nahen und Mittleren Osten bezeichnet und erklärt, es sei im nationalen Interesse der USA, den Aufständischen Einhalt zu gebieten.

USA wollen weitere Soldaten entsenden

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Obama rief dazu auf, den "Krebs" des dschihadistischen Terrors im Irak und in Syrien gemeinsam auszumerzen.

(Foto: dpa)

Derweil setzten die USA ihre Luftangriffe auf Stellungen der IS im Nordirak fort. Kampfjets und Drohnen hätten erneut Stellungen in der Nähe des Mossul-Staudamms im Nordirak angegriffen, teilte das US-Zentralkommando in Tampa (Florida) mit. Mehrere Fahrzeuge seien zerstört oder beschädigt worden. Die Militärs sprachen von 14 Angriffen.

Zudem wollen die USA bis zu 300 weitere US-Soldaten zum Schutz eigener Einrichtungen in den Irak entsenden. Das Verteidigungsministerium erwäge, "etwas weniger als 300" zusätzliche Soldaten in das Land zu schicken, erklärte ein ranghoher US-Beamter. Zuvor hatte es eine entsprechende Anfrage vom US-Außenministerium an das Pentagon gegeben.

Mit der Entsendung von knapp 300 weiteren Soldaten in den Irak stiege die Zahl der US-Soldaten und -Militärberater auf 1150. Nach dem Abzug der US-Truppen vor etwas mehr als zweieinhalb Jahren befinden sich derzeit noch knapp 850 US-Soldaten und -Militärberater im Irak.

Überlegungen in Berlin

Nach den USA, Großbritannien und Frankreich kündigten weitere Verbündete Rüstungslieferungen an. "Wir sind im Grundsatz bereit, im Rahmen unserer Möglichkeiten Waffen und Munition bereit zu stellen", sagte Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen bei einem gemeinsamen Auftritt mit Außenminister Frank-Walter Steinmeier in Berlin. Die Terroristen des Islamischen Staates "müssen gestoppt werden".

Foley wurde nach Angaben der "Global Post" von Bewaffneten im Norden Syriens auf dem Weg zur türkischen Grenze im November 2012 verschleppt. Der 40-Jährige arbeitete für eine Bostoner Online-Nachrichtenseite. Er war fünf Jahre Korrespondent im Nahen Osten und wurde bereits früher einmal in Libyen entführt. Sotloff wird seit Juli 2013 vermisst. Er hatte für "Time", die Agentur AFP und andere Medien geschrieben. Foleys Mutter wandte sich über Facebook an die IS-Kämpfer: "Wir flehen die Entführer an, das Leben der übrigen Geiseln zu schonen. Wie Jim sind auch sie unschuldig."

Quelle: ntv.de, dpa/AFP

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