Politik

Nach Tod des NPD-Vizechefs Wichtige Rieger-Akten fehlen

Die NPD steht möglicherweise vor einem Spendenskandal, nach dem Tod ihres Vize-Chefs Rieger fehlt ihnen nun auch ein wichtiger Geldgeber. Der Verfassungsschutz bestätigte, dass Rechtsextremisten Schlüsseldokumente Riegers gestohlen haben. Juristische Streitigkeiten mit der Partei werden so erschwert.

Nach dem Tod des Vize-Parteichefs der NPD, Jürgen Rieger, sind Berichten zufolge wichtige Akten über eine Stiftung des Rechtsextremisten verschwunden. Die Akten enthalten wichtige Informationen über dessen Immobiliengeflecht.

2n9n3333.jpg4037993924161943199.jpg

Rieger erlag Ende Oktober den Folgen eines Schlaganfalls.

(Foto: dpa)

Nach Angaben von NDR Info holten Rechtsextremisten in Riegers Hamburger Villa unmittelbar nach Feststellung seines Hirntods Akten der sogenannten Wilhelm-Tietjen-Stiftung ab, einer in London registrierten Firma, deren Inhaber der Ende Oktober gestorbene NPD-Bundesvizevorsitzende war. Rieger, der als einer der wichtigsten Financiers der Partei gilt, hatte im Namen der Stiftung unter anderem Grundstücke im niedersächsischen Landkreis Verden und im thüringischen Pössneck gekauft.

Noch keine Anzeige wegen fehlender Akten

Ohne die Dokumente der Tietjen-Stiftung stünden die Behörden vor erheblichen Problemen, die verworrene Eigentumslage der Rieger-Grundstücke zu klären und damit dem Einflussbereich der rechten Szene endgültig zu entziehen, berichtete der NDR. Rieger, eine Schlüsselfigur der Neonazi-Szene, erlag.  Ende Oktober den Folgen eines Schlaganfalls. Mit spektakulären Immobiliengeschäften hatte er immer wieder für Aufsehen gesorgt. Der niedersächsische Verfassungsschutz hat inzwischen bestätigt, dass Firmenakten verschwunden sind. "Wir können aber nicht sagen welche Akten", sagte die Sprecherin des Amtes, Maren Brandenburger.

Nach Auskunft der Hamburger Polizei hat es keinen Einbruch bei Rieger gegeben. Richtig sei, dass kurz nach seinem Tod Familienmitglieder in seinem Haus in Hamburg-Blankenese gewesen seien. Deren Identität habe die Polizei überprüft. Die Familie hat nach eigenen Angaben aber nichts mit der rechten Szene zu tun. Ein NPD-Sprecher sagte auf Anfrage, man könne nicht einschätzen, was in und um die Villa von Rieger passiert sei.

Akten waren Schlüsseldokumente

In einem Gastbeitrag für den "Weserkurier" berichtete der als Kenner der rechtsextremen Szene geltende NDR-Redakteur Stefan Schölermann, dass die Akten als Schlüsseldokument für alle weiteren juristischen Auseinandersetzungen um die Stiftung gelten würden. Sie sei im Jahr 2001 von Rieger gegründet worden; das Kapital stamme aus der Hinterlassenschaft eines Bremer Altnazis, der Rieger als Erben eingesetzt hatte.

Die NPD, die bereits finanziell angeschlagen ist, steht laut einem Medienbericht darüber hinaus möglicherweise vor dem größten Spendenskandal ihrer Geschichte. Der "Spiegel" hatte jüngst berichtet, dass die Partei über mehrere Jahre hinweg offensichtlich ihre Einnahmen geschönt habe.

Quelle: ntv.de, kkl/dpa

ntv.de Dienste
Software
Social Networks
Newsletter
Ich möchte gerne Nachrichten und redaktionelle Artikel von der n-tv Nachrichtenfernsehen GmbH per E-Mail erhalten.
Nicht mehr anzeigen