Politik

Gesundheitsministerin? Nicht mit mir! Wie sich von der Leyen ins Amt taktierte

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Von der Leyen hat wenig Erfahrung mit Verteidigungspolitik, sie muss die Truppe nun kennenlernen.

(Foto: imago/Metodi Popow)

Ursula von der Leyen als Verteidigungsministerin? Diese Personalie überraschte dann doch. Offenbar hat sie selbst sehr dafür geworben - und sogar einem Medienbericht zufolge gedroht, sich völlig aus der Regierung zu verabschieden. Denn ihr war ein ungeliebtes Amt zugedacht.

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Klare Kante: Von der Leyen machte Merkel deutlich, dass sie nicht für jedes Ministeramt zur Verfügung steht.

(Foto: imago/Xinhua)

Drohungen, Überraschungen, Geheimgespräche: Die Bildung des neuen Bundeskabinetts glich offenbar einem Taktik-Brettspiel. Beim Würfeln gewonnen hat Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen. Sie drohte offenbar damit, alle Spielfiguren umzuwerfen, falls die Spielregeln nicht zu ihren Gunsten geändert werden. Davon wiederum war Mitspieler Thomas de Maizière ganz schön überrascht, denn Spielerin von der Leyen hatte niemanden in ihre Strategie eingeweiht.

Aber der Reihe nach: Wie der "Spiegel" erfahren haben will, setzte von der Leyen die alte und neue Regierungschefin Angela Merkel unter Druck. Schon kurz nach der Wahl soll sie ihr in einem Vier-Augen-Gespräch klargemacht haben, dass sie keine zehn Pferde in das Gesundheitsministerium bekommen. Dies vermittelte sie dem Vernehmen nach so vehement, dass Merkel von einem drohenden kompletten Rückzug von der Leyens ausging.

Die Kanzlerin geriet unter Zugzwang und wusste: Es führt kein Weg vorbei an einem umfassenden Umbau des Kabinetts. Noch bevor der Koalitionsvertrag ausverhandelt war, soll sie der CSU das Innenministerium genommen haben. Im Haus, das bislang vom CSU-Politiker Hans-Peter Friedrich geführt wurde, brachte sie de Maizière unter. Für Inneres war dieser schon zwischen 2009 und 2011 tätig, bis er das Verteidigungsressort von Karl-Theodor zu Guttenberg übernahm.

Handtaschen-Tipp aus Holland

Theoretisch war der Weg also frei, nur de Maizière musste sein Wechsel noch schonend beigebracht werden. Zunächst soll er nach "Spiegel"-Informationen überhaupt nicht einverstanden gewesen sein. Schließlich willigte er aber ein. Und der Weg für eine Regierungszukunft mit von der Leyen war frei.

Eine Frau auf dieser Position - das ist für deutsche Verhältnisse Neuland. In den Niederlanden gibt es aber längst eine amtierende Verteidigungsministerin, Jeanine Hennis-Plasschaert. Die blonde Amtskollegin empfiehlt der deutschen Quereinsteigerin via "Spiegel" einige Umgangsformen mit Soldaten. Ihr Adjutant, der ein Marineinfanterist sei, habe es seltsam gefunden, in der Öffentlichkeit ihre Handtasche zu tragen. Deshalb habe sie einen kleinen Rucksack gekauft. "Damit kommen wir beide gut zurecht", sagte Hennis-Plasschaert.

Quelle: n-tv.de, jtw

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