Dossier

Konflikt im Kongo Experten warnen vor Ausweitung

In Afrika wächst die Angst vor einem neuen großflächigen Krieg. Der Konflikt zwischen Regierungstruppen und Tutsi-Rebellen im heftig umkämpften Osten der Demokratischen Republik Kongo könnte sich nach Einschätzung von Experten zu einem neuen Regionalkonflikt ausweiten. Während die Rebellen offenbar vom Nachbarland Ruanda unterstützt werden, kämpfen nach UN-Angaben Soldaten aus Angola auf Seiten der Regierungstruppen. Weitere Soldaten könnten durch die Entsendung einer Friedenstruppe ins Land kommen. Ob das jedoch wirklich Beruhigung bringt, ist unklar.

Seit Wochen kämpfen Truppen der kongolesischen Regierung in Kinshasa und die Rebellen des desertierten Tutsi-Generals Laurent Nkunda um die Kontrolle der östlichen Provinz Nord-Kivu. Im Grenzgebiet zu Ruanda sind rund 250.000 Menschen auf der Flucht, Hilfsorganisationen melden immer wieder Massaker und Gräueltaten an Zivilisten. Die UN-Mission in Kongo (MONUC) berichtete von Misshandlungen, Plünderungen und Vergewaltigungen.

Konfliktpotenzial blieb bestehen

Experten der International Crisis Group (ICG) befürchten nun, dass der Zweite Kongokrieg wieder aufflammen könnte, in den zwischen 1998 und 2003 ein halbes Dutzend afrikanische Staaten verwickelt waren. In dem damals noch Zaire genannten Land standen sich Ruanda, Uganda und Burundi auf der einen sowie - als Unterstützer Kinshasas - Angola, Simbabwe, Namibia und der Tschad auf der anderen Seite gegenüber. Das Land wurde verwüstet, mehr als drei Millionen Menschen kamen ums Leben.

Mit der Unterzeichnung eines Friedensvertrags im Dezember 2002 und der Entsendung der UN-Friedenstruppe MONUC wurde dieser Krieg beendet, doch das Konfliktpotenzial blieb bestehen. Die Ostprovinzen des Kongo sind besonders rohstoffreich und deshalb immer wieder Schauplatz von Kämpfen. Die jüngsten Gefechte um die Stadt Goma seien bereits der dritte Vormarsch von Tutsi-Rebellen auf die Provinzhauptstadt in nur zwölf Jahren, schrieben die ICG-Experten im "Wall Street Journal".

Expertenteam soll Lage analysieren

Berichte über die Beteiligung angolanischer Soldaten sorgten für weitere Komplikationen. Angolanische Truppen hatten bereits Ende der 90er Jahre an der Seite kongolesischer Soldaten gekämpft, nach UN-Angaben sind auch im jüngsten Konflikt wieder Soldaten aus Angola im Einsatz. Rebellenführer Laurent Nkunda weist dies zurück. Er habe in Nord-Kivu keine angolanischen Soldaten gesehen, sagt er.

Der Kongo beschuldigt wiederum den Nachbarstaat Ruanda, die Tutsi-Rebellen zu unterstützen. Nach Angaben der ICG werden die Rebellen sowohl militärisch als auch medizinisch aus dem Nachbarland versorgt. Ihre Kämpfer rekrutieren sie demnach in Flüchtlingslagern, aber auch aus den Reihen ehemaliger ruandischer Soldaten. Damit sei bereits ein weiterer Schritt hin zu einer Ausweitung der Krise gemacht, sagte der Chef der Expertengruppe Bridging International, Pierre-Antoine Braud.

Mit der Entsendung weiterer afrikanischer Soldaten im Rahmen einer Friedenstruppe könnte sich der Konflikt weiter ausweiten. Die Südafrikanische Entwicklungsgemeinschaft (SADC) werde "wenn nötig" Friedenstruppen entsenden, hieß es am vergangenen Wochenende bei einem Krisengipfel in Johannesburg. Nun soll erst einmal ein Expertenteam die Lage in der Konfliktregion unter die Lupe nehmen. Unklar ist auch, ob eine afrikanische Friedenstruppe unter das Mandat der Vereinten Nationen gestellt werden soll. Eine unabhängig kämpfende Truppe könnte nach Ansicht der Experten Ruanda zu heftigen Reaktionen veranlassen - und damit die Gefahr eines neuen Krieges im Herzen Afrikas vergrößern.

Quelle: ntv.de, Herv Bar, AFP

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