Dossier

Kurzbesuch in Ruanda Frankreich besiegelt Aussöhnung

Das

Eine Welle von Hass und Gewalt überrollt Ruanda 1994.

Seit dem Ende des Genozids ist das Verhältnis gespannt. Nun fährt Sarkozy erstmals nach Ruanda. Die eingeforderte Entschuldigung steht nicht auf dem Programm.

Eine Entschuldigung ist nicht zu erwarten, wenn Frankreichs Staatschef Nicolas Sarkozy nach Ruanda reist. Sarkozy ist der erste französische Staatschef, der das ostafrikanische Land seit dem Völkermord vor 16 Jahren besucht. Das Verhältnis der beiden Staaten war jahrelang gespannt, weil Ruanda der Regierung in Paris vorwarf, von den Vorbereitungen zum Genozid der Hutu und Tutsi gewusst und diesen sogar geschürt zu haben. Erst im November 2009 kündigten Paris und Kigali die Wiederaufnahme ihrer diplomatischen Beziehungen an. Sarkozys dreistündiger Besuch in der ruandischen Hauptstadt soll die Aussöhnung besiegeln.

Dass Sarkozy sich zum Mahnmal für den Völkermord begeben wolle, sei gut, sagt der ruandische Kulturminister, Joseph Habineza. "Wenn er sich entschuldigen würde, wäre es noch besser." Auch Alain Gauthier, der seit Jahren eine Hinterbliebenenvereinigung in Frankreich unterstützt, fordert die französische Regierung zu deutlichen Worten auf. Sarkozy müsse klarstellen, dass damalige Kämpfer der Hutu - die stärkere Volksgruppe in Ruanda - in Frankreich nicht aufgenommen würden, sagt Gauthier, dessen Frau seinerzeit ihre Familie verlor. Die Familie aus der Minderheitengruppe der Tutsi wurde von Hutus umgebracht. Außerdem müsse der Präsident zugeben, dass die französischen Soldaten, die damals in dem afrikanischen Land stationiert waren, sich mit den Tätern gemein gemacht hätten.

"Ständige Reumütigkeit grenzt ans Lächerliche"

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Besuch der Gedenkstätte ja, Entschuldigung nein: Nicolas Sarkozy.

(Foto: picture alliance / dpa)

Sarkozy habe in der Vergangenheit anerkannt, dass seinerzeit "Fehler gemacht" worden seien und diese Fehler eingestanden werden müssten, heißt es im Elysée-Palast. Dabei werde er bleiben. Entschuldigungen oder Reuebekenntnisse wird der Staatschef sich nicht abringen lassen - schon zu seiner Zeit als Innenminister vor fünf Jahren machte Sarkozy klar, dass er davon wenig hält. "Diese ständige Reumütigkeit, die dazu führt, dass man sich für Frankreichs Geschichte entschuldigen soll, grenzt bisweilen ans Lächerliche", sagte er damals.

Die ostafrikanische Republik hatte 2006 mit Frankreich gebrochen, nachdem die französische Justiz einen Haftbefehl gegen mehrere Vertraute des ruandischen Präsidenten, Paul Kagame, ausgestellt hatte. Nach Einschätzung der Pariser Ermittler waren die Vertrauten von Kagame, neun Angehörige der Volksgruppe der Tutsi, in die Ermordung seines Vorgängers Juvénal Habyarimana im April 1994 verwickelt.

800.000 Tote in 100 Tagen

Der Tod des damaligen Hutu-Staatschefs gilt als Auslöser für den Völkermord, dessen Opfer vor allem Mitglieder der Tutsi-Minderheit waren, aber auch gemäßigte Hutu. Nach Schätzungen der Vereinten Nationen wurden binnen drei Monaten rund 800.000 Menschen wegen ihrer ethnischen Zugehörigkeit oder politischen Ansicht umgebracht.

Sarkozys Besuch ist straff geplant. Der Präsident trifft aus Gabun kommend ein und nimmt sich eine halbe Stunde für das Gespräch mit Kagame; nach einer Pressekonferenz und einem gemeinsamen Mittagessen fahren die beiden Staatschefs zum Mahnmal für die Opfer des Völkermordes, um dort einen Kranz niederzulegen. Vom Eintreffen am Mahnmal bis zur Abschiedszeremonie am Flughafen sieht der Zeitplan exakt eine halbe Stunde vor. Trotzdem habe der Besuch des französischen Präsidenten auf diplomatischer Ebene einen hohen symbolischen Wert für die Region, betonten mehrere nichtstaatliche Hilfsorganisationenin in einer gemeinsamen Erklärung.

Quelle: n-tv.de, Kerstin Löffler, AFP