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Diplomatischer Rüffel für die Türkei Israel erniedrigt Botschafter

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Der türkische Botschafter Ahmet Oguz Celikkol (rechts) sitzt während des Termins auf einem niedrigen Sofa.

AP

Bis ins letzte Detail geplant war der diplomatische Rüffel, den Israel der Türkei erteilt hat. "Achten Sie bitte darauf, dass der Botschafter auf einem niedrigen Sofa sitzt, während wir auf ihn von hohen Stühlen herabschauen", erklärte der stellvertretende Außenminister Dany Ayalon bei dem Termin anwesenden Fotografen. Nicht nur das. Zwischen den israelischen Beamten, "die nicht lächeln" sollten, wie Ayalon weiter sagte, stand auf einem Tischchen nur ein israelisches Fähnchen und kein türkisches. Dem türkischen Gast wurde nicht einmal ein Glas Wasser angeboten.

Die üblichen Symbole der Gastfreundschaft, Getränke und Knabbergebäck, mussten von Bediensteten der Knesset wieder abgeräumt werden, der Botschafter musste aus diesem Grund mehrere Minuten lang vor der verschlossenen Tür des Büros warten. Die mit "ernster Miene" dreinschauenden israelischen Beamten schüttelten dem Botschafter nicht einmal die Hand zur Begrüßung die Hand.

Ayalon gibt Anweisungen

Israels Außenminister Avigdor Lieberman wollte eigentlich den israelischen Botschafter aus Ankara abrufen. Das ist in der Sprache der Diplomaten die schärfste Form des Protestes. Doch Ministerpräsident Benjamin Netanjahu widersprach. Daraufhin wurde der türkische Botschafter kurzfristig in das Büro Ayalons in der Knesset vorgeladen.

Fotografen und Kameraleute wurden gerufen, die Szene zu dokumentieren. Ayalon gab persönlich die Regieanweisungen. Seine Worte, worauf die Fotografen achten sollten - die niedrige Bank für den Gast, hohe Stühle für die Israelis, die fehlenden Getränke und das einsame Fähnchen -, wurden mitgeschnitten. Sie dienten am Folgetag im Rundfunk als Vorlage für Kontroversen, bei denen Türkeiexperten, Diplomaten und Geschäftsleute diskutierten, ob das die "feine Art" sei. Zeitungen setzten ein entsprechendes Bild des peinlichen Treffens auf ihre Titelseiten.

Türkei verstimmt Israel

Der aktuelle Anlass für den Rüffel war das Ausstrahlen einer alten Fernsehserie mit antiisraelischen Elementen auf einem privaten türkischen Fernsehsender, ein weiterer Grund die beleidigenden Verbalattacken des türkischen Premierministers Erdogan auf gegen Israel. Dessen Kampagne gegen Israel begann mit einer öffentlichen Beleidigung des israelischen Staatspräsidenten Schimon Peres bei einem Wirtschaftsgipfel in Davos vor einem Jahr. Dieser Tage behauptete Erdogan bei einem offiziellen Besuch im Libanon, dass Israel "gezielt palästinensische Kinder ermordet". Auf diese "zügellose Kritik" des türkischen Premiers erwiderte das israelische Außenministerium: "Die Türken sind die Letzten, die dem Staat Israel und seiner Armee moralische Lektionen erteilen können, zumal Israel die moralischste Armee der Welt hat."

In den israelischen Medien wurde das Verhalten des stellvertretenden Außenministers Ayalon als "geschmacklos" und "schädlich für Israel" kritisiert. Verschiedene Zeitungen berichteten, dass hinter der Erniedrigung des türkischen Botschafters eine ganz andere Absicht steckte: Außenminister Liberman sei wütend über Verteidigungsminister Ehud Barak, weil der sich weigere, einer Hochschule in Ariel im besetzten Westjordanland den Status einer Universität zu verleihen. Durch das undiplomatische Vorgehen gegen den türkischen Botschafter wollte Liebermann angeblich einen geplanten Türkei-Besuch Baraks schon im Voraus zum Scheitern bringen.

Ulrich W. Sahm

Der Nahe Osten ist sein Metier. Ulrich W. Sahm berichtet seit Mitte der 1970er Jahre aus der Region. Er ist immer auf der Suche nach der Geschichte hinter der Nachricht.

Quelle: n-tv.de

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