Politik
Sonntag, 17. Juni 2007

Öffnen statt abschotten: Moschee wird 50

Selbst die Koranverse im Innern der Moschee sind zweisprachig gehalten. Neben den arabischen Inschriften sind Sätze wie "Islam heißt Frieden" und "Kein Zwang im Glauben" zu lesen. An diesem Montag wird das 50-jährige Bestehen der Fazle-Omar-Moschee in Hamburg gefeiert. Sie ist die älteste Moschee der Nachkriegszeit in Deutschland und gilt als Beispiel für gelungene Integration und friedliches Miteinander. Während heute in Köln und anderen Städten erbittert über Moschee-Neubauten gestritten wird, war die Eröffnung der Fazle-Omar-Moschee am 22. Juni 1957 ein gesellschaftliches Großereignis, Banken und honorige Bürger finanzierten den Bau mit.

"Das war etwas Exotisches, ein Aushängeschild für die ganze Stadt", sagt Salim Abdullah, Leiter des Zentralinstituts Islam-Archiv in Soest (Nordrhein-Westfalen). Während heute 3,3 Millionen Muslime in Deutschland leben, waren es 1957 lediglich 8000. Der Bau löste Euphorie aus -auch unter deutschen Mitbürgern. Hans-Joachim Köhler betreute als Arzt die Kinder des ersten Imams, Abdul Latif. "Latif war der Motor von allem, er suchte den Kontakt zu Politikern und Bürgern. Damals gab es keine Proteste gegen die Moschee", erinnert sich der 88-Jährige. Mehr als 30 zum Islam konvertierte Hamburger wirkten bei dem Bau mit, ein deutscher Architekt entwarf die Pläne für das Bauwerk, das mitten in einem Wohnviertel liegt.

Zwei rote Klinkersäulen, auf denen grüne Türmchen thronen, zieren die Eingangsfassade. "Liebe für alle, Hass für keinen" ist neben dem Eingang zu lesen. Innen befindet sich ein schlichter achteckiger Raum mit eingelassenen Oberlichtern. Nur der rote Teppich und die Koranverse erinnern daran, dass es sich um eine Moschee handelt. Eigentümer ist die Ahmadiyya Muslim Jamat, eine 1889 in Indien gegründete islamische Reformgemeinschaft. Heute hat die Organisation ihren Sitz in London, die 40 000 Mitglieder in Deutschland sind überwiegend pakistanischer Herkunft. Jeden Freitag wird aus London die Ansprache des Kalifen, des Oberhaupts der Ahmadiyya Muslim Jamat, per Fernseher in die Fazle-Omar-Moschee übertragen.

"Für uns stand immer der ursprüngliche Glaube im Vordergrund, wir lehnen eine politische Instrumentalisierung des Islams ab", sagt Gemeindemitglied Daud Ata. Statt sich abzuschotten, stehe die Begegnung im Vordergrund. "Auch Hochzeiten anderer Konfessionen fanden in unserer Moschee statt", berichtet das 51 Jahre alte Vorstandsmitglied Fazlur Rehman Anwar. Vor Afghanistan-Einsätzen kommen regelmäßig Soldaten und Mitglieder der Bundeswehr-Führungsakademie vorbei, um sich über die Verhaltensformen in einem islamischen Land zu informieren.

Seit dem 11. September 2001 wurde das Klima schwieriger. Durch die Namensähnlichkeit mit dem Todespiloten Mohammed Atta wurde auch Daud Ata oft in Misskredit gebracht, die Moschee stand unter stärkerer Beobachtung. "Mein Motto ist immer, dass du über alles reden musst, Vorurteile lassen sich nur im Dialog widerlegen", sagt der 26 Jahre alte Student. Nachbarn, die 40 Jahre lang nicht die Fazle-Omar-Moschee betreten haben, wurden eingeladen, ebenso zahlreiche Schulklassen.

Zur Feier des 50-jährigen Bestehens soll der Charakter der Fazle-Omar-Moschee als Begegnungsstätte und Bindeglied zwischen den Kulturen auf besondere Weise unterstrichen werden. Sowohl der iranische, als auch der amerikanische Konsul wurden eingeladen -beide sagten zu.

Von Georg Ismar, dpa

Quelle: n-tv.de