Politik
Dienstag, 24. Juli 2007

Tiere im US-Wahlkampf: Partner mit kalter Schnauze

Den bissigen Rat des einstigen US-Präsidenten Harry S. Truman (1884-1972) haben bislang alle seine Nachfolger beherzigt: "Wenn du einen Freund in Washington willst, lege dir einen Hund zu." Doch ist der Vierbeiner im Weißen Haus mehr als nur verlässlicher Freund im einsamen politischen Geschäft - denn Tiere garantieren auch Sympathien des Volkes. Die Amerikaner gelten als verrückt nach ihnen, in fast zwei Drittel der US-Haushalte lebt eines. Die allermeisten der mehr als 20 Kandidaten für die Präsidentenwahl 2008 sind entsprechend schon Herrchen oder Frauchen. Zwei der bislang tierlosen Bewerber wollen sich nun ebenfalls Haustiere zulegen.

Die Chancen, dass auch nach dem Abgang von Präsident George W. Bush das Weiße Haus weiter von Bellen erfüllt sein wird, stehen gut. Denn Hunde sind die beliebtesten Haustiere der Kandidaten, ganz wie bei den US-Wählern. Spitzenkandidaten wie Hillary Clinton und John Edwards von den Demokraten und der Republikaner John McCain haben einen. Würde der Sieg bei der Wahl allein vom Faktor Haustier bestimmt, hätte letzterer die allerbesten Aussichten: Der Senator aus Arizona beherbergt neben zwei Hunden noch eine Katze, zwei Schildkröten, ein Frettchen, drei Wellensittiche sowie 13 Zierfische.

Demokrat Barack Obama, Umfragen zufolge ebenfalls ein Favorit, zählt zwar nicht zur Riege der Tierbesitzer unter den Kandidaten, doch hat er seinen beiden kleinen Töchtern ein Hundebaby versprochen, sollte er das Weiße Haus erobern. Auch Chris Dodd, demokratischer Senator aus Connecticut, sehnt sich nach einer kalten Schnauze. War er bislang wegen Allergien seiner Familie tierlos, sucht er nun nach einer Hunderasse, die seine Lieben nicht zum Niesen bringt. Bleiben nur New Yorks Ex-Bürgermeister Rudolph Giuliani und der republikanische Abgeordnete Tom Tancredo als einzige Kandidaten, die weder ein Haustier noch die Absicht haben, sich eines zuzulegen.

Für das Weiße Haus keine gute Voraussetzung: Vom ersten US- Präsidenten George Washington bis hin zu George W. Bush hatten ausschließlich Tierfreunde das Amt inne, wie das "Presidential Pet Museum" (Museum der Präsidenten-Haustiere) in Annapolis im Bundesstaat Maryland dokumentiert. Dessen Sammlung reicht vom Pfoten-Autogramm von Ronald Reagans Hund "Lucky" über die Glocke der Kuh "Pauline Wayne" von William Howard Taft bis hin zur lebensgroßen Bronzestatue von "Barney", dem Hund des aktuellen Präsidenten. Kaum jemand kennt die Geschichten um die 400 Tiere, die im Laufe der Jahre im Weißen Haus kamen und gingen, besser als Museumsleiterin Claire McLean (73). 1985 war die Hundefriseurin selbst dorthin gebeten worden, um Reagans Vierbeiner "Lucky" das Fell zu scheren.

"Ich habe das Museum eröffnet, damit die Leute sehen, wie tierlieb unsere Präsidenten sind, und sich ein Beispiel an ihnen nehmen", sagt McLean, die ihre zwei Katzen nach Fords Ehefrau Betty und Clintons Tochter Chelsea benannt hat. So hätten Tiere von je her eine große symbolische Rolle in der Politik gespielt, weiß die Museumschefin.

Während des ersten Weltkriegs ließ Woodrow Wilson den Rasen des Weißen Hauses von seinen Schafen "mähen", um Sparwillen in klammen Kriegszeiten zu demonstrieren. Sowjetchef Nikita Chruschtschow schenkte Kennedys Tochter Caroline nach der Kubakrise ein Hundebaby - als Friedensangebot. Und wenn Gerald Ford seinen Golden Retriever "Liberty" zum Spielen ins Oval Office bringen ließen, war dies ein sicheres Zeichen, dass er seiner Besucher überdrüssig war.

Der einzige Präsident, dem das Haustierbesitzen zum Nachteil wurde, war Lyndon B. Johnson, erzählt Claire McLean. Der wegen des Vietnamkriegs ohnehin unbeliebte Präsident geriet zusätzlich in die Kritik, als er seinem Beagle vor laufender Kamera die Ohren lang zog.

Wie wichtig tierischer Beistand in der Zentrale der Weltmacht USA gerade in Kriegszeiten sein kann, demonstrierte vor einiger Zeit George W. Bush, um den es wegen des Irak-Desasters immer einsamer wird. Und wenn sein Scottish Terrier "Barney" und Frau Laura seine letzten Unterstützer seien, scherzte er bitter - die USA würden sich nicht voreilig aus dem Irak zurückziehen.

Katharina Motyl, dpa

Quelle: n-tv.de