Dossier

Berichte vom Nuklear-Gipfel "Plattitüden mit besten Absichten"

"Das sind nun einmal Gipfel: Viele Zusammenfassungen, meistens Plattitüden, alles nur mit besten Absichten", sagt ein BBC-Reporter auf dem Gipfel in Washington.

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Großraumbüro für 500 Journalisten: Flughafenatmosphäre in Washington.

(Foto: Lazar Backovic)

Der Nuklear-Gipfel in Washington war nicht nur weltpolitisch, sondern auch aus Mediensicht eines der größten Ereignisse des Jahres. Mehr als 3000 Journalisten aus über 50 Ländern kamen für das Treffen nach Washington. "Das Interesse war enorm. Allein nach diesem Treffen zu urteilen, sehe ich derzeit alles andere als einen Rückgang im Journalismus", sagt Gordon Duguid, der den Nuklear-Gipfel für das US-Außenministerium mit organisiert hat.

Für die Medienvertreter fand die Arbeit auf dem Nuklear-Gipfel unter erschwerten Bedingungen statt: Besonders die vielen Sicherheitschecks, klar definierte "No-Press-Zones" und weite Laufwege zwischen den Briefings machten die Berichterstattung auf dem Gipfel schwierig. Eine große Halle mit Flughafenatmosphäre tat ihr Übriges hinzu. Hier waren 500 Journalisten bei Schreibtischlicht an langen Tischreihen untergebracht. "Es ist ok, solange ich hier Internet habe", meinte Alf Ask, US-Korrespondent für die norwegische Tageszeitung "Aftenposten". Eine spanische Kollegin sah jedoch einen grundlegenden Mangel. "Mir macht es nichts aus dafür zu zahlen, aber normalerweise gibt es bei solchen Treffen kostenloses Essen für Journalisten." "Ich mag diesen Ort gar nicht", sagte auch Aleksander Grigoryev vom US-Auslandsradio Voice of America. "Alle rennen ständig zwischen Terminen hin und her. Es ist ein einziges Chaos."

Die Hektik entstand vor allem dadurch, dass die Journalisten nur zu sogenannten Briefings der Staatsoberhäupter zugelassen waren. Hier gaben die Politiker kurze Statements zu den bevorstehenden multilateralen Diskussionen ab. Die eigentlichen Gespräche fanden dann jedoch hinter verschlossenen Türen statt. "Die Veranstalter hätten den Medien ruhig einen kritischen Blick hinter die Kulissen erlauben sollen", sagte ein britischer Reporter der BBC. "Aber das sind nun einmal Gipfel: Viele Zusammenfassungen, meistens Plattitüden, alles nur mit besten Absichten."

Für viele Journalisten war der Nuklear-Gipfel natürlich nicht die erste politische Großveranstaltung. Alf Ask war zum Beispiel schon beim G20 Gipfel in Pittsburgh und NATO-Gipfeln auf der ganzen Welt als Reporter vor Ort. Er lobte, dass die Sicherheitsschranken für Journalisten in Washington vergleichsweise gering waren. So war es den Reportern beispielsweise möglich, während Obamas Abschlussrede ungewöhnlich nah an den Präsidenten heranzukommen. "Man sollte ab jetzt auch alle NATO-Gipfel in den USA abhalten", so Ask. So könnten Reporter in Zukunft den prominenten Staatsoberhäuptern auch bei noch besser geschützten internationalen Treffen näher sein als bisher, glaubt er.

Quelle: n-tv.de