Dossier

Entscheidung aus politischen Gründen Steinsalz - sicher oder nicht?

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Spezialfahrzeuge machen den Weg für Atommüll frei und schlagen Salzbrocken von der Wand.

(Foto: picture alliance / dpa)

1983 bestimmte die schwarz-gelbe Regierung Gorleben als Endlager für hochradioaktiven Atommüll. Seitdem streiten Experten darüber, ob sich der Salzstock dafür eignet.

Seit Jahrzehnten ist Gorleben als Endlager für hochradioaktiven Atommüll im Gespräch. Ebenso lange erhitzt die Diskussion um die Eignung des Salzstocks im niedersächsischen Wendland die Gemüter. Auch die Umstände, unter denen der Standort zwischen Ende der 70er und Anfang der 80er Jahre als mögliches Endlager für eine genauere Erkundung ausgewählt wurde, sind umstritten. Die Entscheidungswege von damals werden nun in einem Untersuchungsausschuss beleuchtet. Er wurde mit den Stimmen von SPD, Linken und Grünen eingesetzt.

1977 hatte der damalige niedersächsische Ministerpräsident Ernst Albrecht (CDU) die Entscheidung für Gorleben als möglichen Standort für ein geplantes Atommüll-Endlager bekanntgegeben. Die Erkundungsarbeiten in dem hunderte Meter tiefen Salzstock im Landkreis Lüchow-Dannenberg begannen 1983, nachdem die damalige schwarz-gelbe Bundesregierung unter Kanzler Helmut Kohl (CDU) ihre Zustimmung erteilt hatte. Sie berief sich dabei auf einen Zwischenbericht der Physikalisch-Technischen Bundesanstalt (PTB), einer Vorläuferbehörde des heutigen Bundesamts für Strahlenschutz (BfS). Dieser kam zu dem Ergebnis, dass die geplanten Tests eine Eignung Gorlebens als Endlager bestätigen würden und empfahl die Erkundung. Alternative Standorte wurden nicht ernsthaft erwogen.

Andere Materialien nicht erwogen

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Derzeit wird unter Tage geprüft, ob sich der Salzstock in Gorleben nahe der Elbe zum Endlager für radioaktive Stoffe eignet.

(Foto: picture alliance / dpa)

Schon 1982 wurde an dem möglichen Endlager-Standort mit dem Bau eines oberirdischen Zwischenlagers für hochradioaktiven Atommüll begonnen. Dieses ist seitdem als Ziel für die regelmäßig von Protesten begleiteten Castor-Transporte bekannt. 1986 und 1987 begannen dann die Erkundungsarbeiten an zwei Schächten. Im November 2000 ließ die damalige rot-grüne Bundesregierung die Arbeiten vor dem Hintergrund des Atomausstiegs stoppen. Bundesumweltminister Norbert Röttgen gab kürzlich bekannt, dass die schwarz-gelbe Bundesregierung sie wieder aufnehmen und bis 2017 abschließen will.

Die Wahl auf Gorleben als Endlager fiel, weil Steinsalz von vielen Experten als eine äußerst sichere und stabile Umhüllung eingestuft wird. Andere Geologen bezweifeln dies indes. Selbst das für die Atomaufsicht und auch für Gorleben zuständige BfS bemängelte bereits, dass nur eine Einlagerung in Salz geprüft und niemals Vergleichsuntersuchungen mit anderen Materialien erwogen wurden. Laut Einschätzung der BfS-Experten kommen auch Granitgestein oder Ton infrage.

Diskussion um geschönte Berichte

Die Zweifel an der grundsätzlichen Tauglichkeit von Salzstöcken wie Gorleben verstärkten sich insbesondere, als das Ausmaß der Schäden im maroden Atommülllager Asse bei Wolfenbüttel bekannt wurde. Seit den 80er Jahren läuft Wasser in das niedersächsische Bergwerk, in das bis 1978 rund 126.000 Fässer mit schwach- und mittelradioaktivem Abfall eingelagert wurden. Es gilt inzwischen sogar als einsturzgefährdet. Vor wenigen Wochen empfahl das BfS, das unterirdische Lager zu räumen.

Weiter angeheizt wurde die Gorleben-Diskussion, als im vergangenen September Berichte darüber auftauchten, dass die damalige Bundesregierung unter Kohl den für die Gorleben-Vorfestlegung entscheidenden Bericht der PTB von 1983 geschönt haben könnte. Demnach sollen das Forschungs- und Innenministerium die Behörde gedrängt haben, ihren Bericht teils umzuschreiben. Die Gefahr eines Einsickerns von radioaktiven Substanzen ins Grundwasser solle "etwas weiter vom Zentrum der Betrachtung" weggerückt werden, zitierten Medien aus dem Schriftverkehr.

Die Umweltschutzorganisation Greenpeace veröffentlicht auf ihrer Internetseite Originaldokumente, die belegen sollen, dass die Entscheidung für den Salzstock Gorleben als möglicher Standort 1977 "aus politischen Gründen innerhalb weniger Wochen" erfolgte.

Quelle: ntv.de, Sebatsian Bronst, AFP

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