Dossier

Exodus der Palästinenser Umkämpfter Staat Israel

Nur zweimal in seiner Geschichte konnte Israel einen eigenen Staat gründen: Um 1000 v. Chr. unter König David und 1948 unter der Führung des ersten Ministerpräsidenten David Ben Gurion. Seither musste sich der Staat der Juden in drei Kriegen (1948/49, 1967 und 1973) gegen Angriffe arabischer Staaten verteidigen und dehnte zugleich sein Staatsgebiet weit über die ursprünglichen Grenzen aus. Traditionell sind die USA der wichtigste Verbündete; von den arabischen Nachbarländern nahmen nur Ägypten und Jordanien volle diplomatische Beziehungen auf.

Staatenlose Palästinenser

Gleichzeitig sorgte der Exodus der Palästinenser – der Arabisch sprechenden Bewohner des ehemaligen britischen Mandatsgebiets Palästina und ihrer Nachkommen – in die Nachbarstaaten für ein ungelöstes Flüchtlingsproblem. Viele von ihnen leben in Lagern, die von einer Sonderorganisation der Vereinten Nationen unterhalten werden. Als einziger arabischer Staat gewährte das Königreich Jordanien den dort lebenden Palästinensern staatsbürgerliche Rechte.

Als Sprecherin der Palästinenser und Dachverband der verschiedenen militanten Gruppen etablierte sich ab 1964 die Palästinensische Befreiungsorganisation PLO. Unter Führung von Jassir Arafat und seiner Untergrundorganisation Fatah erreichte die PLO, nachdem sie auf das Ziel einer Zerschlagung Israels verzichtet hatte, ihre internationale Anerkennung. Arafat wurde daraufhin 1996 zum Präsidenten des im Gazastreifen und großen Teilen des Westjordanlands begründeten palästinensischen Autonomiegebiets gewählt. Beim palästinensischen Aufstand, der sogenannten Intifada, die 1987 in den besetzten Gebieten ausbrach, spielte die PLO keine führende Rolle. Stattdessen etablierte sich die radikalislamische Hamas als Kämpferin für die Errichtung eines palästinensischen Staates. Nach Arafats Tod im November 2004 eroberte die Hamas die Vorherrschaft in dem von Israel geräumten Gazastreifen, während die Fatah die Kontrolle über das Westjordanland behauptete.

Umkämpfte Grenzen

Die wichtigsten Streitpunkte zwischen Israel und den Palästinensern sind der künftige Grenzverlauf, das Rückkehrrecht der Flüchtlinge und der künftige Status Jerusalems. Die Palästinenser fordern einen Rückzug Israels in die Grenzen von 1967. Dann könnten das Westjordanland und der Gazastreifen zum Staatsgebiet des unabhängigen Palästina werden. Israel sperrt sich jedoch gegen eine vollständige Räumung des Westjordanlands und der dortigen jüdischen Siedlungen. Eine Rückkehr der Palästinenser in das israelische Kernland lehnt Israel ab und schlägt eine Wiederansiedlung im künftigen Staat Palästina vor. Die Forderung der Palästinenser, Ost-Jerusalem zur Hauptstadt ihres Staates zu erklären und den gesamten Tempelberg zu kontrollieren, ist gleichfalls höchst umstritten.

Quelle: ntv.de

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