Dossier

Christian Klar Uneinsichtig, aber ungefährlich

Im "Deutschen Herbst" vor gut 30 Jahren gehörte er zu den zentralen Figuren der zweiten RAF-Generation: Christian Klar war zwischen 1977 und seiner Verhaftung im November 1982 an nahezu allen Aktionen der "Rote Armee Fraktion" (RAF) beteiligt - meist an vorderster Front. Nach 26 Jahren Haft soll er nun entlassen werden.

Den ersten Schritt zur Radikalisierung unternahm der 1952 in Freiburg geborene Sohn einer Physiklehrerin und eines Vizepräsidenten des Oberschulamts Nordbaden 1974 mit der Besetzung des Büros von Amnesty International in Hamburg. Am 5. Januar 1977 schoss Klar am Schweizer Grenzübergang Riehen zum ersten Mal auf einen Polizisten. Er verfehlte ihn, doch damit hatte er sich in die erste Reihe der RAF katapultiert.

Danach folgten die spektakulären Mordanschläge auf Generalbundesanwalt Siegfried Buback und Dresdner-Bank-Chef Jürgen Ponto sowie die Entführung und Ermordung von Arbeitgeberpräsident Hanns Martin Schleyer. Klar war immer dabei, ebenso wie beim fehlgeschlagenen Raketenwerferanschlag auf die Bundesanwaltschaft.

Mit der Waffe skrupellos

Seinen gescheiterten Antrag auf Wehrdienstverweigerung hatte er einst mit seiner "zutiefst lebensbejahenden Haltung" begründet - doch mit der Waffe war er skrupellos: Bei einem Banküberfall in Zürich im Jahr 1979 zerrte er auf der Flucht eine hilflose Frau aus dem Auto und schoss ihr in die Brust. Sie überlebte mit viel Glück.

1985 verhängte das Oberlandesgericht (OLG) Stuttgart unter anderem wegen neunfachen Mordes lebenslange Haft, 1992 folgte eine weitere Verurteilung. 1998 legte das OLG die Mindesthaftzeit auf 26 Jahre fest - wegen "besonderer Schwere der Schuld".

Klars Äußerungen aus dem Gefängnis im badischen Bruchsal nahm die Öffentlichkeit irritiert, mitunter auch empört zur Kenntnis. In einer Grußbotschaft ans linke Spektrum äußerte er Anfang 2007 die Hoffnung, "die Niederlage der Pläne des Kapitals zu vollenden". Schon 2001 hatte er in einem Fernseh-Interview mitgeteilt, er wolle den "Aufbruch, den auch eben die RAF dargestellt hat", weitertragen. Reuegefühle, sagte er damals, seien im "politischen Raum, vor dem Hintergrund von unserem Kampf", keine Begriffe.

Klars Gnadengesuch lehnte Bundespräsident Horst Köhler 2007 ab. Andererseits gilt der heute 56-Jährige nicht mehr als gefährlich - das haben ihm zwei Gutachter und selbst die Bundesanwaltschaft bescheinigt. Er selbst hatte 1997, ein Jahr vor der Auflösungserklärung der RAF, geschrieben: "An die Wiederbelebung einer Strategie des bewaffneten Kampfes denke ich nicht."

Quelle: ntv.de, Wolfgang Janisch, dpa

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