Dossier

Überraschender Rücktritt Was will Sanader?

Er strotzt vor Gesundheit und wirkt aufgeräumt. Daher wollen die Kroaten den Rücktritt ihres Premierministers Ivo Sanader glauben. Plant er ein gewagtes politisches Manöver?

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Ivo Sanader führt keine Gründe für seinen Rücktritt an.

(Foto: picture-alliance/ dpa)

Der Schritt des kroatischen Regierungschefs Ivo Sanader kam aus heiterem Himmel und wurde im Vorfeld von seinen Leuten schon als "Bombe" angekündigt. Doch den überraschenden Rückzug von der Kabinett- und Parteispitze will ihm kaum einer in Kroatien glauben. Dafür präsentierte sich der mit Abstand wichtigste Spitzenpolitiker des Landes im Fernsehen zu aufgeräumt, in bester Stimmung und mit lachendem Gesicht. Sieht so jemand aus, der freiwillig auf dem Höhepunkt seiner politischen Macht abtritt?

Da der 56-Jährige keine handfesten Gründe für seinen Schritt anführte, erhielten diese Zweifel weitere Nahrung. Und dass er seine bisherige Stellvertreterin Jadranka Kosor als Nachfolgerin bestimmte, wird von Medien als weiteres Indiz für eigentlich ganz andere Absichten genannt. Die politisch blasse und bis zur Selbstverleugnung loyale Kosor sehen viele nur als "Marionette" in der Hand Sanaders. Die Opposition verlangt Neuwahlen, aber das wird Kroatiens starker Mann nach dem äußerst knappen Sieg seiner HDZ-Partei im November 2007 und der gegenwärtigen schweren Wirtschaftskrise vermutlich nicht riskieren.

Folgt ein gewagtes politische Manöver?

Was also will Sanader wirklich? Die ersten Reaktionen tippen auf die Position des Staatspräsidenten, der im kommenden Jahr neu gewählt wird. Und der äußerst populäre Linke Stjepan Mesic darf nach zwei Amtsperioden nicht mehr antreten. Doch auch das hatte Sanader zuletzt ausgeschlossen und beteuert: "Ich ziehe mich aus der aktiven Politik zurück". Eine Krankheit als Rückzugsgrund schloss der augenscheinlich vor Gesundheit strotzende Politiker ebenfalls aus.

Sollte sich Sanader wirklich nicht wie angekündigt ins Privatleben zurückziehen, sondern ein gewagtes politisches Manöver eingeleitet haben, spielt er mit hohem Einsatz. Denn ein entscheidendes Wörtchen bei der jetzt verkündeten Regierungsumbildung hat noch der amtierende Staatspräsident Mesic mitzureden. Die Verfassung hat dem Staatschef weitreichende Vollmachten eingeräumt. Und der linke Mesic ist ein politischer Intimfeind des erzkonservativen Sanader.

Quelle: ntv.de, Boris Raseta, dpa

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