Dossier

Papier, Rüttgers, Guttenberg Wer folgt auf Horst Köhler?

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Ein Bundespräsident braucht einen Nachfolger.

(Foto: AP)

Angela Merkel muss in Kürze einen Nachfolger für Horst Köhler finden. Dabei kann sie nicht alleine entscheiden – FDP und CSU werden ein gewichtiges Wörtchen mitzureden haben.

Wir haben uns umgesehen in der politischen Landschaft und die aussichtsreichsten Kandidatinnen und Kandidaten gecastet. Eine höchst spekulative Vorstellung:

Hans-Jürgen Papier

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(Foto: picture alliance / dpa)

Der 67-Jährige hat sich als Präsident des Bundesverfassungsgerichts einen Ruf als unbequemer Mahner erworben, der in der Öffentlichkeit auch zu aktuellen politischen Themen immer wieder Stellung bezog. So schrieb er bei seinem Abschied im März dieses Jahres den Parteien noch einmal deutlich ins Gewissen, bei ihrer Gesetzgebung den Geist der Verfassung stärker zu berücksichtigen. Vor allem beim Datenschutz hatte das höchste deutsche Gericht unter seiner Leitung immer wieder Gesetze aus Datenschutzgründen verworfen, zuletzt bei der Vorratsdatenspeicherung.

Papiers Makel könnte allerdings sein recht hohes Alter sein. Dass er der CSU angehört, dürfte im schwarz-gelben Koalitionsgeflecht einiges einfacher machen: Ein CSU-Mitglied mit liberalen politischen Ansichten wäre durchaus mehrheitsfähig.

Wahrscheinlichkeit: 30 Prozent

Jürgen Rüttgers

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(Foto: dpa)

Wie auch immer der Koalitionspoker in Nordrhein-Westfalen ausgehen mag: Am Ende wird Jürgen Rüttgers aller Wahrscheinlichkeit nach nicht mehr Ministerpräsident sein. Eine Große Koalition mit der SPD unter seine Führung ist nicht vorstellbar, alle anderen Optionen ausgeschlossen. Zeit, sich nach einer neuen Beschäftigung umzusehen. Durch die Berufung Rüttgers könnte Merkel zudem die Koalitionsverhandlungen noch beschleunigen, weil mit ihm ein wichtiges Hindernis für eine schwarz-rote Koalition in Düsseldorf beseitigt wäre.

Gegen Rüttgers sprechen allerdings die Spendenaffären um die CDU in NRW – wer sich als Politiker in die gesetzliche Grauzone begibt kommt wohl kaum als Staatsoberhaupt infrage.

Wahrscheinlichkeit: 10 Prozent

Joschka Fischer

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(Foto: picture alliance / dpa)

Es wäre Merkels Überraschungscoup: Sie ernennt den vormals äußerst beliebten Außenminister der Grünen zum Kandidaten für das höchste Amt im Staate. Vom Steinewerfer zum Bundespräsidenten – das müsste selbst den Konservativen in der Union das Wasser in die Augen treiben. Dass Fischer sich lautstark und unbequem äußern kann, hat er zudem oft genug bewiesen. Merkel könnte mit Fischers Kandidatur zudem ihren Brückenschlag zu den Grünen vollends vollziehen und sich als überparteiliche Kanzlerin etablieren.

Allerdings müsste Fischer für eine Kandidatur wohl seine Beratertätigkeit für die Nabucco-Pipeline aufgeben und auch seine bezahlten Vorträge einstellen. Ob zudem sein früherer Erzrivale und Nach-Nachfolger Westerwelle einer Kandidatur zustimmen würde, ist mehr als fraglich.

Wahrscheinlichkeit: 2 Prozent

Karl-Theodor zu Guttenberg

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(Foto: AP)

Die Show kann weitergehen: Der kometenhafte Aufstieg des adeligen Politikstars könnte im Amt des Bundespräsidenten sein finales Feuerwerk finden. Rhetorisch begabt, schneidiges Auftreten, klare Worte – wo sonst sind die Begabungen für das Amt des Präsidenten so zahlreich vorhanden. Und Merkel und Seehofer wären auch noch ihren ärgsten Konkurrenten los.

Gegen das Politik-Sternchen Guttenberg spricht eigentlich nur eins: sein Alter. Wer Bundespräsident werden will muss mindestens 40 Jahre alt sein. Sorry, Greenhorn!

Wahrscheinlichkeit: Null

Roland Koch

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(Foto: dpa)

Der Rücktritt vom Rücktritt: Roland Koch kehrt zurück in die Politik. Der scheidende hessische Ministerpräsident wird von seinem Land gebraucht, und dafür lässt er die aussichtsreichen Posten in der Wirtschaft sausen. Ein höheres Amt ist zudem nicht in der Politik zu haben, Koch könnte seine Karriere also doch noch politisch krönen.

Dass Koch allerdings seinen Rücktritt widerrufen würde, ist schwer vorstellbar. Zudem kann man sich den hessischen Polarisierer kaum als überparteilichen Bundespräsidenten denken. Was sollte sein Motto sein: Spalten statt Versöhnen? Und ob Merkels Not so groß ist, dass sie ihren innerparteilichen Konkurrenten aufs höchste Amt der Republik loben will, ist noch eine ganz andere Frage.

Wahrscheinlichkeit: 1 Prozent.

Gesine Schwan

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(Foto: picture-alliance/ dpa)

Alle guten Dinge sind drei: Am Ende kommt Gesine Schwan doch noch zum Zug und kann beweisen, dass sie die bessere Bundespräsidentin gewesen wäre. Schwan ist zwar eine SPD-Politikerin, doch mit ihrer Wahl gewinnt Merkel die Zustimmung der Sozialdemokraten für das Sparpaket der schwarz-gelben Bundesregierung. Die ganz Große Koalition regiert nun endgültig in Bundesrat und Bundestag.

Schwan wird allerdings nur noch einmal zur Wahl vor der Bundesversammlung antreten, wenn ihr Sieg wirklich sicher ist.

Wahrscheinlichkeit: 2 Prozent

Christian Wulff

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(Foto: dpa)

Der niedersächsische Ministerpräsident ist bereits jetzt der Präsidialste unter allen Landeschefs. Christian Wulff ist der brave Enkel von Johannes Rau, der zu versöhnen weiß und auch nachdenkliche Töne anschlagen kann. Als Landesvater ist er beliebt, mit seinen Reden stößt er eigentlich nie jemanden vor den Kopf und er weiß, wo seine Grenzen liegen.

Dass er einst eine Absage an die Bundespolitik formulierte, könnte Wulff zum Verhängnis werden. Zudem müsste sich Merkel fragen, ob sie nicht doch einen inspirierenderen Politiker finden könnte, der auch mal ein unbequemes Wort an die Parteien richten kann.

Wahrscheinlichkeit: 5 Prozent

Edmund Stoiber

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(Foto: picture alliance / dpa)

Der ehemalige bayerische Ministerpräsident wäre der perfekte Kandidat: An seine Reden könnte man sich immer erinnern – auch, wenn vielleicht dafür Stefan Raab mehr Verantwortung tragen würde als der Inhalt. Doch Stoiber kann die ganz großen Dinge in Zusammenhang bringen und gerne auch erklären, wie man mit dem Zug schneller zum Flughafen kommt. Ein Präsident wie ein Maskottchen.

Stoibers Problem: Die EU ist immer noch viel zu bürokratisch, sein Job in Brüssel noch lange nicht beendet. Außerdem hat er Merkel mal als Kanzlerkandidatin verhindert und dann als Kanzlerin ohne Super-Wirtschaftsminister sitzen lassen. So baut man kein Vertrauen zwischen Verfassungsorganen auf.

Wahrscheinlichkeit: 5 Prozent

Klaus Töpfer

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(Foto: picture-alliance/ dpa)

Der frühere Umweltminister hat sich als Direktor des UN-Umweltprogramms und nun als Leiter des Instituts für Klimaforschung in Potsdam parteiübergreifend einen Namen gemacht. Wie kein anderer könnte Klaus Töpfer für Merkel das Projekt Klimaschutz besetzen – und als Bundespräsident im Tagesgeschäft immer wieder auf die Agenda setzen.

Allerdings ist Töpfer mit fast 72 Jahren nicht mehr der Jüngste – und bislang ist er auch nicht als rhetorisches Talent aufgefallen.

Wahrscheinlichkeit: 5 Prozent

Der oder die große Unbekannte

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(Foto: picture-alliance/ dpa)

Der Schattenmann oder der, den wieder keiner auf der Rechnung hatte: Merkel überrascht uns alle mit einem Kandidaten aus dem Hintergrund. Keine Politikerin oder Politiker, vielleicht einer Person aus der Wissenschaft oder dem Kulturbetrieb. Der große Vorteil: Ohne politische Vorgeschichte sind Kandidaten besser durchsetzbar und werden von den Medien mehr neugierig denn kritisch betrachtet.

Wahrscheinlichkeit: 40 Prozent

Quelle: ntv.de