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Beitragssatz, Zusatzbeitrag, Mehrkosten Wissenswertes für Kassenpatienten

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(Foto: dpa)

Die schwarz-gelbe Koalition hat nach langen Debatten die zur Finanzierung der gesetzlichen Krankenversicherung auf den Weg gebracht. Für die gesetzlich Versicherten steigen damit ab kommendem Jahr die Beitragssätze. Auch beim Zusatzbeitrag wird es Änderungen geben. Versicherte sollten aber nicht überstürzt die Kasse wechseln.

Welche Mehrkosten kommen auf die Versicherten zu?

Der einheitliche Beitragssatz für die rund 160 gesetzlichen Krankenkassen soll im nächsten Jahr von derzeit 14,9 Prozent auf dann 15,5 Prozent steigen. Die Mehrbelastung von 0,6 Prozentpunkten müssen Arbeitnehmer und Arbeitgeber jeweils zur Hälfte tragen. Für Arbeitnehmer bedeutet das: Wer etwa 1000 Euro Brutto im Monat verdient, müsste damit künftig 82 Euro für seine Krankenversicherung zahlen und damit drei Euro mehr als bisher. Für Angestellte mit einem Bruttoeinkommen von 2000 Euro stiege der Beitrag um sechs auf 164 Euro und für Versicherte mit einem Brutto von 3750 Euro auf 307,50 Euro, das wären 11,25 Euro mehr als bisher. Die Erhöhung betrifft auch Millionen Senioren, die staatliche Rente und Betriebsrenten erhalten.

Wie hoch wird der Zusatzbeitrag künftig ausfallen?

Derzeit ist der Zusatzbeitrag, den die Versicherten allein zahlen müssen, auf ein Prozent des beitragspflichtigen Einkommens begrenzt, das sind maximal 37,50 Euro im Monat. Diese Deckelung entfällt. Die Kassen sollen den Zusatzbeitrag künftig selbst festlegen und zwar anders als bisher grundsätzlich als einkommensunabhängigen Pauschalbetrag. Das Gesundheitsministerium geht davon aus, dass der durchschnittliche Zusatzbeitrag bis 2014 nicht höher ausfällt als 16 Euro im Monat. Ist der Zusatzbeitrag höher als zwei Prozent des beitragspflichtigen Einkommens, dann wird dies aus Steuermitteln ausgeglichen. Der Sozialausgleich soll über die Arbeitgeber und die Rentenversicherungsträger abgewickelt werden.

Gilt der Zusatzbeitrag auch für mitversicherte Familienmitglieder?

Nein, es zahlt nur das Kassenmitglied, nicht aber der mitversicherte Partner oder Kinder.

Können Versicherte bei einer Beitragserhöhung die Kasse wechseln?

Mit der Anhebung des allgemeinen Beitragssatzes, was per Rechtsverordnung geschieht, besteht Verbraucherschützern zufolge kein Sonderkündigungsrecht. Es gilt die gesetzliche Kündigungsfrist von zwei vollen Kalendermonaten. Eine uneingeschränkter Wechsel ist nach 18-monatiger Mitgliedschaft in der bisherigen Kasse möglich. Diese Bindungsfrist entfällt laut Verbraucherexperten, wenn die Kasse einen Zusatzbeitrag erhebt oder erhöht. Dann haben die Versicherten ein Sonderkündigungsrecht. Achtung: Für Versicherte mit einem freiwilligen Wahltarif etwa mit Selbstbehalt gilt das Sonderkündigungsrecht nicht. Sie bleiben drei Jahre an ihre Kasse gebunden.

Ist ein Kassenwechsel sinnvoll?

Verbraucherschützer warnen vor überstürzten Entscheidungen. Denn auch die neue Kasse kann jederzeit einen Zusatzbeitrag erheben. Zudem sind auch die Leistungen, etwa die Kostenübernahme für Impfungen oder alternative Heilmethoden, ausschlaggebend bei der Kassenwahl. Freiwillig gesetzlich Versicherte, die den Wechsel zur privaten Krankenversicherung (PKV) erwägen, sollten bedenken, dass dort zum Beispiel Partner und Kinder nicht mitversichert sind. Zudem sind auch viele PKV-Beiträge zuletzt gestiegen.

Quelle: ntv.de, AFP

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