Wagenknechts BSW kollabiertDie schönste Form der Niedertracht
Ein Kommentar von Sebastian Huld
In zwei Landeskoalitionen hat es das BSW geschafft. Doch nach Brandenburg besorgt Namensgeberin Wagenknecht auch in Thüringen das Ende der Regierungsbeteiligung und prominente Austritte. Die hochtalentierte Ex-Kommunistin steht wieder vor einem Scherbenhaufen - zum hoffentlich letzten Mal.
"Mach kaputt, was dich kaputt macht", grölten einst Linke, Punks und Anarchos. Die frühere Linken-Politikerin Sahra Wagenknecht macht lieber alles kaputt, was sie anfasst: Mit der Linken wäre es ihr fast gelungen, mit dem BSW steht sie kurz davor, mit ihrem Lebenswerk ist sie praktisch schon fertig. Die über so viele Jahre spannendste Linkspolitikerin des Landes steht vor dem Scherbenhaufen ihres Wirkens. Ein vergleichbar talentierter und ebenfalls gescheiterter Politiker findet sich eigentlich nur in Oskar Lafontaine. Ein tragisches Ehepaar, und von der Tragik ist es bekanntlich stets nur einen halben Schritt hin zur Komik.
Wegen ihrer gnadenlos pointierten Rhetorik und ihres telegenen Auftretens war die inzwischen 57-Jährige über Jahrzehnte Stammgast aller Polit-Talkshows. Sie zog Wähler an, die im Leben nicht die Linke gewählt hätten, geschweige denn deren Vorgänger-Partei PDS. Wagenknechts Auftritte gerieten zuweilen zu regelrechten Medienereignissen. Über ihren Werdegang zur gefeierten Galionsfigur der Linken, Bestseller-Autorin und Gastrednerin ist viel geschrieben worden. Wagenknecht hat im Laufe der Zeit auch viel Kluges und Richtiges gesagt, den Finger zielsicher in die Wunden der Widersprüche im Politikbetrieb gelegt. Wie grundlegend Wagenknecht die Republik umkrempeln wollte! Aber wo immer sie in Verantwortung kam, blieb nichts als verbrannte Erde.
Die eigene Partei: verprellt
Die Linke, deren Bundestagsfraktion sie vorsaß, hat sie über die von ihr forcierte Spaltung beinahe zerstört - und mit ihrem Ausscheiden ungewollt neues Leben eingehaucht. Das BSW dürfte sich vom Wirken seiner Namensgeberin dagegen nicht mehr erholen. Das beinahe geschlossene Austreten der BSW-Abgeordneten, Regierungsmitglieder und Funktionäre in Thüringen ist das vorweggenommene Fanal von Wagenknechts Abstieg. Kommt die Partei weder in Sachsen-Anhalt noch zwei Wochen darauf in Berlin und Mecklenburg-Vorpommern über die Fünf-Prozent-Hürde, dürfte aus dem BSW das letzte Leben weichen. 2027 und 2028 wird nur in West-Bundesländern gewählt. Da ist die Nachfrage nach den Putin-Verteidigern des BSW noch einmal spürbar geringer.
Nie duldete Wagenknecht den autonomen Kurs des Thüringer BSW um Katja Wolf. Schon die Regierungsbildung hatte sie verhindern wollen, weil dem Thüringer BSW die Landes- und Kommunalpolitik wichtiger war als die Russlandpolitik der Bundesregierung. Nun wollte sie aus dem Saarland heraus die Abwahl von Thüringens Ministerpräsident Mario Voigt erzwingen, weil der CDU-Politiker eine Affäre um seine Promotion am Hals hat. Wolf konnte darin keinen Vorteil fürs Land erkennen. In Brandenburg war das mitregierende BSW schon zum Jahreswechsel kollabiert, weil die BSW-Bundesführung ein Nein zum Rundfunkstaatsvertrag verlangt hatte. In beiden Ländern kamen die maßgeblichen BSW-Politiker jeweils zu dem Schluss, sich Wagenknechts autoritäre Einmischungen nicht länger bieten zu lassen.
Nichts an Wagenknechts Scheitern ist schade
Nichts am Scheitern dieser Politikerin ist schade. Wer gesehen hat, mit welcher Gehässigkeit Wagenknecht während der Corona-Pandemie alle Verantwortungsträger im Land verächtlich gemacht und obskure Wirrköpfe groß gemacht hat; wer beobachtet, wie tief Wagenknecht den politischen Kompromiss verachtet, ohne selbst je politische Verantwortung getragen zu haben; wer verfolgt, wie sich Wagenknecht und ihre Getreuen im BSW seit Wochen bei der AfD als Mehrheitsbeschaffer anbiedern und Hilfen für die Menschen in der Ukraine pauschal durch den Dreck ziehen: Der kann nur zu dem Schluss kommen, dass es dieser Frau immer und zuerst um sich selbst geht.
Zum Wohl ihrer finanziell einträglichen Politprominenz hat Wagenknecht über Jahre alles verhöhnt, was ihren politischen Mitbewerbern und deren so viel zahlreicheren Anhängern wichtig ist, wofür diese sich engagiert und eingebracht haben. Das ist niederträchtig. Anders als jene, die sich nun von ihr abgewendet haben, hat die so intelligente Ich-AG Wagenknecht etwas Entscheidendes übersehen: Niedertracht als politisches Angebot steht bereits auf dem Wahlzettel. Und da halten die AfD-Wähler am kommenden Sonntag, wie auch danach, zum Original.