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Zwischenruf Feigenblatt Islamkonferenz?

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Imam Abdelmalik Hibaoui (v.l.), Bildungsministerin Annette Schavan, Bundesinnenminister Hans-Peter Friedrich und der Präsident des Verbands der Islamischen Kulturzentren, Mustafa Imal, bei der Islamkonferenz.

(Foto: dapd)

Die jüngste Runde der Islamkonferenz wirkte mehr wie ein wissenschaftlicher Runder Tisch zum Thema "Islam und Gesellschaft". Dabei reicht es nicht, von Einwanderern nur eine perfekte Beherrschung der deutschen Sprache einzufordern. Das Grundproblem ist vielmehr sozialer Natur.

Es ist gut, dass es ein Forum gibt, auf dem das Verhältnis der Bürger muslimischen Glaubens zu Deutschland diskutiert wird. Wenn Staaten mit mehrheitlich muslimischer Bevölkerung ähnliche Institutionen schaffen würden, gäbe es weltweit ganz sicher weniger Christenverfolgungen. Ganz verhindern könnte man sie wohl nicht. Wie sich das Problem einer besseren Integration von Muslimen nicht durch einen flächendeckenden Islamunterricht, in Deutschland ausgebildete Imame und eine gründlichere Islamforschung lösen lässt. Stellenweise hatte man deshalb den Eindruck, die jüngste Runde der Is Friedrich provoziert Eklat sei ein wissenschaftlicher Runder Tisch zum Thema "Islam und Gesellschaft" gewesen. Auch ist die perfekte Beherrschung der deutschen Sprache nicht der alleinige Ausweg: In den französischen Vorstädten, den Banlieus, spricht man manchmal ein ebenso gutes, wenn nicht besseres, weil akzentfreies Französisch als auf Korsika oder in der Bretagne.

Das Grundproblem ist sozialer Natur. Der erfolgreiche türkische Unternehmer, Arbeiter oder Angestellte hat kein Problem mit Deutschland und den Deutschen. Das Gleiche gilt umgekehrt. Beim arbeitslosen Jugendlichen, dessen Eltern aus der Türkei stammen, ist das schon sehr viel anders. Im Jahre 2009 waren in der Bundesrepublik etwa 40 Prozent mehr junge Leute ohne festen Erwerb als zu Beginn des Jahrzehnts. Ein hoher Anteil davon entstammt Familien mit Migrationshintergrund. Insgesamt sind doppelt so viele Migranten von Arbeitslosigkeit betroffen wie im Rest der Gesellschaft.

Richtig ist, dass bessere Deutschkenntnisse bei der Erlangung einer Arbeitsstelle hilfreich sind. Auch wer als Angehöriger der Generation Praktikum deutsche Eltern hat und die Frage nach dem Namen unserer Verfassung mit Grundgesetz richtig beantwortet, hat nicht a priori ein Recht auf Arbeit. Das ist nämlich, erfährt der Einbürgerungswillige beim Test, im Grundgesetz nicht verankert. Verankert dagegen sind die Glaubens- und Gewissensfreiheit, mit denen sich die Islamkonferenz vorrangig beschäftigt. Allerdings wird die Islamkonferenz nur in dem Maße Erfolg haben, wie die sozialen Probleme der Muslime einer Lösung zugeführt werden.

Ob der gegenwärtige Innenminister dafür der geeignete Schirmherr ist, scheint fraglich. Erst fand Hans-Peter Friedrich im Gegensatz zu Bundespräsident Christian Wulff nur schwabbelige Formulierungen, um die Rolle des Islam in Deutschland zu beschreiben. Heute musste er sich gegen Vorwürfe verteidigen, er rufe Muslime zur Denunziation von Glaubensbrüdern und  -schwestern auf, die des Islamismus verdächtig scheinen. Auf diese Weise wird es schwer, die vielen muslimischen Verbände zurückzugewinnen, die in der Islamkonferenz eine Feigenblattveranstaltung sehen.

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Manfred Bleskin kommentiert seit 1993 für n-tv das politische Geschehen. Er war zudem Gastgeber und Moderator verschiedener Sendungen. Seit 2008 ist Bleskin Redaktionsmitglied in unserem Hauptstadtstudio in Berlin.

Quelle: n-tv.de

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