Kommentare

Unterhalb der Gürtellinie Murdochs verdientes Fiasko

2011-07-13T100826Z_01_AWI04_RTRMDNP_3_NEWSCORP.JPG6807626395696953994.jpg

Schwere Niederlage für den Tycoon.

(Foto: REUTERS)

Der Abhörskandal in Großbritannien erschüttert das Fundament des Medienimperiums von Rupert Murdoch. Die Übernahme der Pay-TV-Gruppe BSkyB muss der 80-Jährige in den Rauch schreiben.

Es ist ein Desaster, und Rupert Murdoch steht vor einem Scherbenhaufen. Die Forderung der britischen Parteien an den Medientycoon, die Pay-TV-Gruppe BSkyB vorerst nicht zu übernehmen, ist mehr als eine normale Niederlage für den 80-Jährigen. Um sein Gesicht wenigstens etwas zu wahren, begrub Murdoch seine Pläne vor der Abstimmung im Unterhaus. Die Ereignisse in Großbritannien bringen sein Imperium News Corporation nun sogar ins Wanken, denn auch in den USA ist man hellhörig geworden.

2011-07-13T103153Z_01_AWI06_RTRMDNP_3_NEWSCORP.JPG4762435293924084146.jpg

Protest in London: Puppen von Rupert Murdoch und David Cameron.

(Foto: REUTERS)

Viel zu spät, erst als das Kind schon in den Brunnen gefallen, reagierte die britische Politik auf die unlauteren Machenschaften der Journalisten aus dem Murdoch-Reich, die unter die Gürtellinie gingen. Schon seit Jahren bedienten sich Zeitungen wie oder "The Sun" Methoden, die illegal waren beziehungsweise die Schamgrenze deutlich überschritten. Das Anzapfen von Telefonen von Prominenten, Angehörigen von Verbrechensopfern - allen voran der 13-jährigen Milly Dowler - sowie Hinterbliebenen gefallener Soldaten war kein Kavaliersdelikt, sondern ein Angriff auf die Persönlichkeitsrechte.

Das Fass endgültig zum Überlaufen brachte die Attacke der Murdochschen Krawallblätter auf . Dabei war den "Reportern" nichts heilig: Sie bedienten sich Krimineller, um Zugang zu Steuerpapieren oder Krankenakten seiner Familie zu verschaffen. Das hat mit freiem Journalismus nichts mehr zu tun; solche Methoden sind einfach nur eine riesengroße Schweinerei. Da half es auch nicht, dass Murdoch in einer Nacht-und-Nebel-Aktion "News of the World" einstampfte; der Ungeist war aus der Flasche und kann auch von ihm nicht mehr eingefangen werden. Des Verlegers Plan, mit Hilfe dieser Aktion den BSkyB-Deal zu retten, war zu durchsichtig und damit zum Scheitern verurteilt. Nun erwägt er sogar, sich vollständig von seiner britischen Zeitungsgruppe News International zu trennen. In Großbritannien hat sich Murdoch den Status einer Persona non grata "erarbeitet".

DAB1183-20110713.jpg8512510496296824310.jpg

Für David Cameron geht es auch um das Amt des Premierministers.

(Foto: AP)

Denn glücklicherweise spielt die Politik nicht mehr mit. Premierminister David Cameron erkannte die Gefahr dieses riesigen Skandals für den Bestand seiner konservativ-liberalen Koalitionsregierung. Die Liberaldemokraten von Vizepremier Nick Clegg drohten offen mit Koalitionsbruch, sollte der langjährige Murdoch-Freund Cameron dem Deal zustimmen. Der Premier - er schickte wegen des Skandals seinen Kommunikationschef und ehemaligen "News of the World"-Chefredakteur in die Wüste - erkannte die Gefahr, ruderte zurück und stellte sich an die Spitze der Anti-Murdoch-Bewegung. Nun will Cameron sogar die Bestimmungen für die entfesselte UK-Presse reformieren. Das bedeutet eine Wendung um 180 Grad, denn gerade die Murdoch-Journaille hatte Cameron und seine Tories beim Wahlkampf 2010 kräftig unterstützt.

gelang mit seiner klaren Haltung endlich ein Punktgewinn gegen Cameron. Geschickt agierte auch der neue Chef der oppositionellen Labour Party, Ed Miliband. Er war die treibende Kraft dafür, dass der BSkyB-Fall überhaupt ins Unterhaus kam. Cameron musste einem Zusammengehen von Koalition und Opposition in diesem Skandal zustimmen, sonst hätte er auch seinen Verbleib in der Downing Street gefährdet.  

Leider mussten die fürchterlichen Machenschaften erst an die Öffentlichkeit geraten, ehe endlich dagegen vorgegangen wird. Geschmacklosen Journalismus wird es auch im Vereinigten Königreich weiter geben. Einem gesetzwidrigen muss dagegen mit aller Entschiedenheit der Riegel vorgeschoben werden.

Quelle: ntv.de

ntv.de Dienste
Software
Social Networks
Newsletter
Ich möchte gerne Nachrichten und redaktionelle Artikel von der n-tv Nachrichtenfernsehen GmbH per E-Mail erhalten.
Nicht mehr anzeigen