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Althaus' Rücktritt Unkultur bis zum Schluss

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Abgespannt: Dieter Althaus bei der Pressekonferenz am 31. August.

(Foto: picture-alliance/ dpa)

Der Rücktritt war überfällig. Schon im Wahlkampf war offensichtlich, dass Dieter Althaus den Strapazen seines Amtes nicht mehr gewachsen war. Sein Auftritt in der Berliner CDU-Zentrale am Montag nach der Landtagswahl zeigte erneut, wie abgespannt, unkonzentriert und müde Althaus ist.

Dass Althaus im Wahlkampf versuchte, seinen Ski-Unfall zu instrumentalisieren, war peinlich, stil- und pietätlos. Ob er persönlich dafür verantwortlich gemacht werden kann, ist nicht nur eine politische, sondern auch eine medizinische Frage. Zu den Symptomen von Schädel-Hirn-Traumata gehören emotionale Störungen, bleibende Schäden sind in schweren Fällen wahrscheinlich. Natürlich: "Die Ärzte" hatten Althaus grünes Licht gegeben. Und doch hätte seine CDU nie zulassen dürfen, dass er sich dem Stress eines Wahlkampfes aussetzt.

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Abgeschirmt: Althaus-Bilder von der Beisetzung seines Vaters gab es nicht.

(Foto: picture-alliance/ dpa)

Denn den Verantwortlichen muss bewusst gewesen sein, dass Althaus gesundheitlich nicht in der Lage war, wieder als Ministerpräsident zu arbeiten. Mitte Februar war Althaus zur Beisetzung seines Vaters gefahren, Fotos von ihm wurden dabei verhindert. Geradezu verlogen war die Art, wie seine Rückkehr nach Thüringen zwei Monate später inszeniert wurde: Die CDU bat um Schonung für ihren Spitzenmann, sparte selbst jedoch nicht mit Attacken auf die Opposition.

Doch die CDU brauchte Althaus noch, zu groß war die Angst vor einem Wahlkampf auf Augenhöhe, vor einem Wahlkampf, der nicht vom Amtsinhaber dominiert werden kann. Umsonst - die Wähler haben das Spiel nicht mitgemacht.

Die Frage ist, warum Althaus nach der Wahl noch vier weitere Tage warten musste. Ein Rücktritt gleich am Wahlabend wäre ehrlicher gewesen. Stattdessen betete die CDU wertlose Solidaritätsadressen herunter: Ohne Althaus werde es keine Koalition mit der SPD geben, sagte Mike Mohring, CDU-Fraktionschef im Erfurter Landtag, noch am Mittwoch. Der Fall Althaus war ein Höhepunkt politischer Unkultur - bis zum Schluss.

Quelle: n-tv.de