Pressestimmen

Pressestimmen "Atom-Klo erregt die Bürger"

Die Castoren rollen wieder durch das Land, umlagert von Polizisten und Demonstranten, die sich gegenseitig das Leben schwer machen. Die Kosten werden in die Millionen gehen, doch die Atommüll-Frage ist eben auch eine Zukunftsfrage, die viele Menschen bewegt. Und was meinen die deutschen Zeitungen?

Die Rhein-Neckar-Zeitung schreibt: "Der Anti-Atom-Protest ist nicht zielgerichtet, sondern blind: Aktionen wie 'Castor schottern', Blockaden oder das Festketten an Gleisen sind letzten Endes ein unverantwortbares Spektakel mit dem Ziel, die Castor-Transporte megateuer werden zu lassen. Gleichwohl entlässt dieser emotional fehlgeleitete Protest keine Regierung aus irgendeiner Verantwortung. Die Nutzung der Atomenergie ist riskant, ist ökonomischer Wahnsinn und auf der Lüge aufgebaut, es gäbe einen atomaren Kreislauf."

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Die Demonstranten wollen eindeutige Signale setzen.

(Foto: dapd)

Die Nürnberger Zeitung meint: "Seit nunmehr 30 Jahren toben die Auseinandersetzungen um das geplante Endlager in Gorleben bereits. Neues Öl ins Feuer hat die Bundesregierung mit ihrer Entscheidung gegossen, den Salzstock weiter zu erkunden. Die Fronten im Wendland sind inzwischen so verhärtet, dass eine sachliche Diskussion über die Kernkraft nicht einmal mehr unter Nachbarn möglich ist."

Die Badischen Neuesten Nachrichten sind folgender Ansicht: "Je näher der Castor-Transport dem Zwischenlager in Gorleben kommt, desto heftiger wird der Widerstand. Einen Vorgeschmack gibt der Grenzübertritt in der Nähe von Berg in der Pfalz. Die Anti-Atom-Bewegung hat nach der Entscheidung der Bundesregierung für eine Laufzeit-Verlängerung der Atomkraftwerke neuen Zulauf bekommen. Das Koalitionsvotum wirkt wie ein Jungbrunnen für die Bürgerinitiativen ent- lang der Wegstrecke."

Der Kommentator der Leipziger Volkszeitung schreibt: "Gorleben als Deutschlands Atom-Klo erregt die Bürger vor Ort. Sympathie für friedlich protestierende Bauern ist garantiert. Wer es auf die kriminelle Tour versucht, sollte auf besonnene Polizisten treffen, dann aber auch die Härte des Strafapparates spüren. Und die Grünen, die Trittbrettfahrer der momentanen Gemengelage, die Edel Demonstranten aus der feinen Wohngegend? Sie tun das, was sie schon immer am besten konnten: Sie sind dagegen, sie verantworten derzeit nicht viel. Das mindert aber noch lange nicht ihr Recht auf Demonstration. Aber das sollte sie beim nächsten Regierungsversuch dazu bringen, nicht nur den AKW-Ausstieg zu beschließen, sondern auch einen gangbaren Weg in eine sichere alternative Energiezukunft unwiderruflich einzuleiten."

Die Badische Zeitung kritisiert in dem Zusammenhang den jüngsten Atom-Beschluss der Regierung: " Gewiss kann man den Atomgegnern, die versuchen dürften, den Castoren-Zug aufzuhalten, eine Art naiven Egoismus vorhalten. Der in La Hague aufbereitete Strahlenmüll stammt nun einmal von uns Deutschen. Da ist es nur recht und billig, wenn wir ihn zurücknehmen. Solange jedoch der Ausstiegsbeschluss galt, stand wenigstens die Menge des bis zum Abschalten der letzten Mailer anfallenden Mülls halbwegs fest. Davon kann jetzt keine Rede mehr sein. Das verschärft das Problem mit dem Atommüll dramatisch."

Quelle: ntv.de

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