Pressestimmen

Rating-Agentur nimmt Deutschland ins Visier "Danke, Standard & Poor's"

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(Foto: picture alliance / dpa)

"Was eine Ratingagentur macht, das ist in der Verantwortung der Ratingagentur", kommentierte Bundeskanzlerin Merkel die Nachricht von der . Alles andere als gelassen reagiert die Presse. Ob Zustimmung oder Ablehnung - die politischen Beobachter schreiben mit erhöhter Drehzahl.

Die Stimme der Empörten erklingt erwartungsgemäß aus der Redaktion der Bild-Zeitung. Ausgerechnet kurz vor dem EU-Gipfel zur Eurokrise "gibt es massives Störfeuer aus den USA". Damit bringe Standard & Poor's die Euro-Rettung in Gefahr, kritisiert das Blatt und bezeichnet das Verhalten der Agentur als "töricht und verantwortungslos". Niemand brauche in der derzeitigen Lage Übereifer: "Warum konnten die Agentur-Experten nicht wenigstens 72 Stunden warten, bis die EU-Staaten bei ihrem Gipfel gezeigt habe, ob sie der Krise Herr werden?"

Dafür hatten die Euro-Länder schon genug Zeit, schreibt die Leipziger Volkszeitung. "Seit mehr als einem Jahr wursteln sich nun die europäischen Staats- und Regierungschefs von einem Krisengipfel zum anderen", bemängelt das Blatt und urteilt: "Das Krisenmanagement wirkt unkoordiniert." Deswegen sei "eigentlich Lob angebracht", statt "über die bösen Ratingagenturen und die ungerechtfertigte Kollektivschuld zu lamentieren".

"Bei aller Empörung sollten die Deutschen die Mahnung ernst nehmen", empfiehlt die Berliner Zeitung. Schließlich würde ein Zusammenbruch des Euros Deutschland lange Jahre wirtschaftlich belasten. Die Empfehlung der Agentur klinge da wie "der Aufruf zur Solidarität", meint die Hauptstadt-Zeitung. "Ausnahmsweise einmal Danke, Standard & Poor's!"

In diese Lobeshymne will die Süddeutsche Zeitung nicht einstimmen: "Warum kommt die Warnung so kurz vor dem Gipfel? Warum stecken die begleitenden Papiere voller Politikempfehlungen?", fragt die Münchner Zeitung und zieht eine Parallele: "Diese aktivistische Herangehensweise erinnert an den vergangenen Sommer, als S&P mitten in der Debatte um die US-Schuldengrenze die Kreditwürdigkeit der Vereinigten Staaten herabstufte." Letztlich könne das Unternehmen dadurch selbst Schaden nehmen: "Man wird sehen, ob die Agentur sich auf diese Weise nicht überhebt."

Das Hamburger Abendblatt fordert Konsequenzen: "Europas Politik hat neben der Aufgabe, die Schuldenkrise zu lösen, inzwischen die Pflicht, das Monopol der Rating-Agenturen zu brechen." Bei aller berechtigten Kritik an der Schuldenpolitik der Staaten sei nicht zu verantworten, dass Rating-Agenturen "mit Regierungen, Währungen, ja ganzen Vokswirtschaften Schlitten fahren".

Die Reaktion von Angela Merkel beeindruckt die Augsburger Allgemeine. Sie habe sich "nicht aus der Ruhe bringen" lassen, obwohl die Bonitätsprüfer vor dem EU-Gipfel "provokante Pfeile abschießen". Die Lässigkeit der Kanzlerin wirke "wohltuend (...) in den Wochen der Unruhe". Merkel sei der "Ruhe- und Kraftpol eines unter der Schuldenkrise nervös wirkenden Europas".

Quelle: ntv.de, zusammengestellt von Christian Bartlau