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Königsmörder und Lebensretter Kubicki "Die tote FDP benötigt solche Leute"

Welche Partei in Schleswig-Holstein gewonnen und welche verloren hat, ist irgendwie egal. Was zählt, ist der Zustand der FDP. Der ist denkbar schlecht - nach wie vor. Auch wenn da nun einer gekommen ist und ihr neues Leben eingehaucht hat: Wolfgang Kubicki ist der egomanische Held von Kiel. Er hat die Liberalen aufgeblasen wie ein "Gummitier". Sie schwimmen wieder. Ob die Luft hält?

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Der Mann des Tages in Schleswig-Holstein: Wolfgang Kubicki.

(Foto: dapd)

"Totgesagte leben offenbar doch länger. Die FDP lag schon halb im Grab - und hat sich nun in Schleswig-Holstein erstaunlich vital zurückgemeldet auf der politischen Bühne. Aber welche FDP ist das denn, die da gewonnen hat?", fragen sich die Nürnberger Nachrichten. Und kommen zu einer klaren Antwort: "Sicherlich nicht die FDP von Philipp Rösler: Wolfgang Kubicki führte einen Wahlkampf vor allem gegen seinen Berliner Parteivorsitzenden. Bei Christian Lindner ist das ähnlich: Die Sieger-FDP dürfte daher alles tun, um ihr Verlierer-Image möglichst rasch loszuwerden. Und das ist aufs engste mit Rösler verknüpft. Dass da Putschgerüchte kursieren, kann nicht überraschen. In ruhigeres Fahrwasser kehren diese Liberale nicht zurück: Sie werden streiten über ihr Spitzenpersonal und über ihre Ausrichtung."

"Aber für welche FDP steht eigentlich der FDP-Spitzenkandidat von der Waterkant, Wolfgang Kubicki? Jedenfalls nicht für die von Philipp Rösler geführte Partei gleichen Namens", ist die Würzburger Main-Post sicher. "Selten hat ein Spitzenkandidat sein Heil so ausschließlich in der Abgrenzung von der Bundespolitik der eigenen Partei gesucht und gefunden, wie Wolfgang Kubicki. Selten wurde eine Partei so sehr wegen ihres Spitzenkandidaten und so wenig wegen ihres Programms gewählt. Wenn jetzt noch Christian Lindner in NRW die Fünf-Prozent-Hürde knackt - und danach sieht es aus -, haben zwei der größten innerparteilichen Kritiker von Philipp Rösler die Trendwende der Liberalen geschafft."

"Man kann sich die real existierende FDP vorstellen als ein Gummitier, wie es Kinder dabei haben, wenn sie im See schwimmen gehen. Wenn einer viel  Puste hat, kann er viel Luft hinein pumpen. Das Ding wird wieder schwimmfähig. Es lebt aber dann nicht die FDP, sondern nur der, der sie aufpumpt. In Schleswig-Holstein ist das Wolfgang Kubicki", kommentiert die Süddeutsche Zeitung den Wahlausgang und betrachtet die Person Kubickis mit Zwiespalt: "Er ist eine nordische Mischung aus Möllemann, Seehofer und Westerwelle: ein ungewöhnlicher, unberechenbarer, manchmal ausfallender, immer egomanischer Politiker von beachtlichen, aber oft destruktiven Talenten, einer, der das liberale Gummitier für seinen Geltungsdrang braucht. Die tote FDP benötigt solche Leute, weil sie sonst nicht einmal als Attrappe überlebt."

"Sollte Christian Lindner, der als FDP-Generalsekretär nicht länger die Entscheidungen des glücklos agierenden Bundesvorsitzenden verkünden wollte und deshalb zurücktrat, am kommenden Sonntag in Nordrhein-Westfalen ebenfalls den Abwärtstrend der Liberalen stoppen, dürften die Tage Röslers als Parteichef gezählt sein", mutmaßt der Mannheimer Morgen. Es sei kein Zufall gewesen, dass bereits erste Putschgerüchte in der Partei kursierten. "Sicher, der strahlende Held von Kiel, Wolfgang Kubicki, will zwar kein 'Königsmörder' sein, aber er hat Lindner wohl den Weg an die Spitze der FDP geebnet. Insofern könnte Schleswig-Holstein ein Stück Parteigeschichte schreiben."

"Der Erfolg ist eng an den Namen Kubicki verknüpft; der Spitzenkandidat hatte mit einem Wahlkampf gegen die Berliner Partei durchschlagenden Erfolg. Die Partei wird in der kommenden Woche keine weitere Personaldebatten führen. Aber es rumort in der FDP", schreibt der Bonner General-Anzeiger.

Quelle: n-tv.de

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