Pressestimmen

Fazit des Wahlkampfs "Diese Art der Entpolitisierung ist gefährlich"

Pressestimmen.jpg

Die Kommentatoren der deutschen Zeitungen sind vor allem über die Banalität der Themen im Wahlkampf entsetzt. Handhaltungen, Halsschmuck, Weinvorlieben oder vegetarische Gerichte in Kantinen waren oft im Vordergrund - und nicht Themen wie Datenspionage oder die Energiewende.

3e2h2135.jpg5637025247533250887.jpg

Beim Wahlkampf der CDU in Hannover kommen die "Angie-Schilder" gut an.

(Foto: dpa)

Die Frankfurter Rundschau fragt: "Wie kann es sein, dass ein Skandal wie die Datenspionage, die Probleme der Energiewende, die Frage nach Deutschlands Risiken bei der Eurorettung oder die nach dem Engagement im Syrienkonflikt praktisch keine Rolle spielen?"

Die Heilbronner Stimme gesteht selbstkritisch ein, dass derlei Unwichtiges auch von den Medien viel zu oft in den Vordergrund geschoben würde, dass es aber auch die Parteien seien, die gerne Randthemen bedienten, um sich kritischen Auseinandersetzungen nicht stellen zu müssen. Die Zeitung mahnt: "Diese Art der Entpolitisierung ist gefährlich. Und sie wird den Aufgaben, vor denen die stärkste Wirtschaftsnation Europas steht, absolut nicht gerecht."

Die Volksstimme meint: "Lange Zeit war der Bundestagswahlkampf vor allem eines: langweilig. Doch jetzt ist er ausgeschaltet, der Schlummer-Modus. […] Sicher ist derzeit rein gar nichts. Möglich ist vieles. Der Nordwest-Zeitung riecht es sogar "nach Großer Koalition".

"Die Frage ist weniger, ob die Deutschen am Montag mit Angela Merkel als Kanzlerin aufwachen - sondern mit welcher Angela Merkel", orakelt der Münchner Merkur. "Einer schwarz-gelben? Einer schwarz-roten? Oder womöglich einer schwarz-grünen? Das weite Feld möglicher Bündnisoptionen macht diese Wahl so spannend, aber aus der Sicht taktisch denkender Wähler auch so schwierig. Das erklärt den bis zuletzt hohen Anteil Schwankender. Selten war der Souverän so mächtig wie diesmal - und selten so unentschlossen."

Für die Neue Osnabrücker Zeitung wird es immer deutlicher, dass es die kleinen Parteien sind, die diese Bundestagswahl entscheiden. "Selbst, falls sie am Ende nicht in den Bundestag einziehen: Die Stimmen, die beispielsweise die AfD auf sich vereint, könnten genau das entgegengesetzte Lager jubeln lassen, falls einem bürgerlichen Bündnis die AfD-Stimmen fehlen. Umgekehrt werden SPD und Grüne womöglich jene Stimmen missen, die die Piraten erhalten. Alles ist möglich. Deshalb kommt es auf jede Stimme an."

Die Nordwest-Zeitung schreibt: "Eine Woche vor der Bundestagswahl stehen die beiden politischen Lager wieder da, wo sie vor einem Jahr schon standen. Dem lange chancen- und glücklos agierenden Herausforderer scheint es gelungen, schmollende SPD-Stammwähler zu mobilisieren."

Zusammengestellt von Sarah Köhler

Quelle: ntv.de

ntv.de Dienste
Software
Newsletter
Ich möchte gerne Nachrichten und redaktionelle Artikel von der n-tv Nachrichtenfernsehen GmbH per E-Mail erhalten.