Pressestimmen

Atomgipfel in Washington "Eine Mogelpackung"

Der Atomgipfel in Washington ist beendet. Mit Erfolg, wie Obama findet. Die Medien teilen seinen Optimismus nicht. Es sei bei reinen Absichtserklärungen geblieben. Auch die Sorgenkinder Iran und Nordkorea hätten keine eindeutigen Signale von den Teilnehmern der Konferenz erhalten, erklärt Ottfried Nassauer gegenüber n-tv.de. Sie könnten sich vielmehr ermutigt fühlen, "so weiterzumachen wie bisher". Denn die Atombombe bleibe leider noch immer die Abschreckungsmethode Nummer eins.

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(Foto: REUTERS)

Die Zeitung Neues Deutschland bemängelt die Unverbindlichkeit der Ergebnisse: "In gewisser Weise ist das Ergebnis des Washingtoner Gipfels auch eine Mogelpackung. Selbst wenn sich Gastgeber Barack Obama oder Angela Merkel überaus zufrieden mit dieser 'sehr  erfolgreichen' Veranstaltung zeigen - unter dem Strich stehen nur wohlklingende Absichtserklärungen und keine verbindlichen  Maßnahmen, um den beschworenen Gefahren von hochangereichertem Uran oder Plutonium in den Händen von Terroristen wie Kriminellen  international koordiniert zu begegnen. Das Prinzip einzelstaatlicher Freiwilligkeit wird dem an die Wand geworfenen  Menetekel einer verstrahlten Welt durch 'hochreine' Atom- oder  'schmutzige', sprich radioaktiv verseuchte konventionelle Bomben  nicht gerecht. Und jedes neue Atomkraftwerk erhöht die Menge an nuklearem Material, das transportiert, gelagert und gehandelt wird."

Die Mahnungen des US-Präsidenten seien vergeblich. Es werde weitergehen wie bisher, glaubt der Wiesbadener Kurier: "Auch Obama weiß, dass die Verabredungen von Washington für die Gipfelteilnehmer nicht verbindlich sind. Die Formulierung seiner Appelle nach dem Treffen entlarvt seine Unsicherheit. Realistischer scheint die Sichtweise Moskaus: Wenn Israel einen Atomschlag gegen den Iran führen sollte, sei eine entsprechende russische Antwort nicht auszuschließen. Das sind die alten Muster: Atomwaffen werden leider als Abschreckung noch lange gebraucht."

Laut Frankfurter Rundschau haben sich die Teilnehmer des Treffens um die wirklich wesentlichen Fragen gedrückt: "Die Bilder der Eintracht waren nur möglich, weil jedes strittige Thema ausgeblendet wurde. Aber in der Dramaturgie Obamas war der Atomgipfel der Auftakt für eine neue, weitaus schwierigere Phase der Atomdiplomatie. In Phase eins mit Start-Vertrag und neuer US-Atomdoktrin hatten die USA ihre Hausaufgaben erledigt. In Phase zwei lenkt Obama nun den Blick auf andere."

Auch die ausländischen Zeitungen kommentieren den Nukleargipfel. Das Blatt Ouest-France aus Rennes schreibt zum Tauziehen um mögliche Sanktionen wegen des iranischen Atomprogramms: "Teheran arbeitet an der Bombe und will die zehnte Atommacht  werden. (...) Nach Ansicht zahlreicher Experten würde ein nuklearer  Iran einen Wettlauf um die Bombe im Nahen Osten auslösen. Die  Geschichte zeigt, dass man einen Dominoeffekt bei der Verbreitung  von Atomwaffen fürchten muss. 1964 hatte China seinen ersten  Atomtest gemacht und damit (...) das Programm Indiens ausgelöst,  das zehn Jahre später auch seinen ersten Test vornahm. Pakistan (...) trat in die Fußstapfen von Neu Delhi und wurde sogar zum  Schwarzmarkt für die Bombe. Es spielte dann eine entscheidende  Rolle bei den Atomprogrammen Nordkoreas und des Irans. (....) Ist es noch möglich, Teheran zu stoppen? Russen und Chinesen, deren  Unterstützung in der UNO entscheidend ist, sind endlich bereit,  über Sanktionen zu sprechen - aber noch mit zu vielen Vorbehalten, als dass man auf ein schnelles gemeinsames Handeln hoffen könnte."

Quelle: n-tv.de, Zusammengestellt von Katja Sembritzki

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