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Merkels Besuch in Athen "Nicht nur mutig, sondern ein Symbol"

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Merkel zu Besuch bei Samaras: Merkel äußerte sich in Athen zuversichtlich, dass das schwer angeschlagene Land die gemeinsame Währung behalten kann.

(Foto: dpa)

Erstmals seit Beginn der Euro-Krise wagt sich Kanzlerin Merkel nach Griechenland - dem Land, in dem sie vielen als Symbolfigur für die Sparauflagen gilt. Empfangen wird sie von Zehntausenden aufgebrachten Bürgern auf den Straßen, Steinwürfen, Tränengas und Schlagstockeinsatz der Polizei. Doch die deutsche Regierungschefin ist um Annäherung bemüht: Sie macht Griechenland Hoffnung, indem sie Fortschritte bei den griechischen Reformen lobt und den Griechen "Licht am Ende des Tunnels" verspricht. Dennoch reist sie ohne konkrete Hilfen nach Athen - Ministerpräsident Samars bekommt allein das Versprechen auf frisches Geld. Stellt sich die Frage: Was bedeutet der Besuch für Griechenland? Das Echo der deutschen Tageszeitungen ist geteilt.

Auch wenn Bundeskanzlerin Angela Merkel auf ihrer Reise nach Athen nicht viel mehr als eine Ermunterung im Gepäck gehabt hat, so war ihr Besuch in dem Krisenland nach Ansicht der Märkischen Oderzeitung aus Frankfurt/Oder "(…) angesichts der aufgeheizten Lage nicht nur mutig, sondern ein Symbol": "Er sollte zeigen, dass Griechenland nicht alleine steht. Das ist angesichts vieler, die das Land am liebsten aus der Euro-Zone werfen würden, nicht wenig".

Für die Landeszeitung Lüneburg endet der Besuch der Kanzlerin unbefriedigend: "Leider zeigte die Kanzlerin in Athen mehr Rückgrat als Einfühlungsvermögen", ist hier zu lesen. "Obwohl sie betonte, nicht als Notengeberin zum Euro-Sorgenkind gereist zu sein, verteilte sie Noten: Das Lob für Fortschritte dürfte Merkel besänftigend gemeint haben, doch es wird nur schwerlich den Weg in die Herzen der Griechen gefunden haben". Nach Ansicht der Kommentatoren hätte Merkel "etwas weiße Salbe für die geschundene Seele des unverschuldet vor den Trümmern seiner Existenz stehenden griechischen Ikaros-Normalverbrauchers" verteilen sollen. "Stattdessen hatte sie den Benzinkanister weiterer Spar-Ermahnungen im Gepäck, um das Feuer des sozialen Aufruhrs zu löschen."

Ernüchtert gibt sich auch die Stuttgarter Zeitung: Es sei längst klar, dass eine politische Entscheidung darüber anstehe, ob Griechenland trotz der Versäumnisse in der Eurozone bleiben dürfe und die Geldgeber dafür noch einmal draufsatteln müssten, heißt es aus Baden-Württemberg. In Athen ginge es "nur noch darum, diese Zuzahlung über weitere Sparmaßnahmen möglichst klein zu halten. Auf den Aufruhr in der Berliner schwarz-gelben Koalition darf man bereits gespannt sein". Denn: "Merkels Besuch hat am Dilemma, das die Kanzlerin mit verursacht hat, nichts geändert".

Bezugnehmend auf die Solidarität bekundenden Worte der Kanzlerin schreibt die Frankfurter Allgemeine Zeitung (FAZ): "Das von der Kanzlerin beschworene 'Licht am Ende des Tunnels' werden die Griechen (…) erst dann sehen, wenn sie begreifen, dass nicht das 'Vierte Reich' schuld an ihrer Misere ist". Die Zeitung aus Hessen verweist darauf, dass die Anti-Merkel-Demonstrationen auch den anderen Europäern zu denken geben sollten. Denn sie würden "zeigen, wie schnell und leicht Europa in alte Denkmuster und Reflexe zurückfallen kann, wenn der Schmierfilm des Einigungsmotors, Wohlstand für alle, abreißt". Denn: "Auch in reicheren Geberländern wird die Frage immer lauter gestellt, warum man milliardenschwere 'Solidarität' mit Staaten üben solle, zu deren auffallendsten Gegenleistungen die Verunglimpfung gehört".

Die Braunschweiger Zeitung indes bleibt guten Mutes: "Der Euro ist ein zu großes und wichtiges Projekt, um es den Bach heruntergehen zu lassen. Und man muss, ohne jede Anbiederei, einräumen, dass die Person Merkel wie kaum eine andere geeignet ist, die Vorwürfe eines deutschen Hegemoniestrebens leerlaufen zu lassen. Merkel hat in Griechenland Solidarität mit dem EU-Partner gezeigt. Es werden Zeiten kommen, in denen ihr das auch dort angerechnet wird".

Quelle: n-tv.de, Zusammengestellt von Susanne Niedorf-Schipke

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