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Moody's warnt Deutschland "Ruhig Blut"

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Die Ratingagentur Moody's senkt den Ausblick für ihre Bewertung der Kreditwürdigkeit Deutschlands auf "negativ". Damit droht der größten Volkswirtschaft der Euro-Zone der Verlust ihrer Top-Bonitätsnote "AAA". Die Entscheidung prägt die Kommentatarspalten deutscher Tageszeitungen.

"Die Ratingagentur benennt mit ihrem Zweifel an der absoluten Top-Note nur eine Selbstverständlichkeit, die allgemein bekannt sein sollte; Insider-Informationen hat sie nicht", mahnt die Frankfurter Neue Presse zur Gelassenheit. "Kurzfristig halten sich die Folgen der drohenden Abstufung in Grenzen, die Märkte scheren sich nicht darum. Seit die wohl wichtigste Rating-Agentur Standard & Poor's den USA vor knapp einem Jahr die Bestnote entzog, haben sich die Renditen halbiert - normalerweise hätte es genau andersherum laufen müssen. Doch wohin sollten die Investoren auch ausweichen? Bei einer Verschärfung der Euro-Krise dürfte Deutschland zunächst sogar vom "Fluchtgeld" profitieren. Aber auch in dieser Situation gilt: In der Langfrist-Betrachtung muss das nicht für immer so bleiben."

Die Badische Zeitung stellt mit Blick auf Moody's fest: "Ein Ökonomiestudium ist für diese Erkenntnis nicht zwingend erforderlich. Gesunder Menschenverstand reicht aus. Ähnliches gilt für die Moody's-Sicht auf deutsche Banken. Wer wie die heimischen Kreditinstitute exportstarke Firmen finanziert, wird natürlich nicht ungeschoren davon kommen, wenn zwei wichtige deutsche Handelspartner wie Spanien und Italien kollabierten. Aber bringen uns solche Urteile voran? Nein."

"Ruhig Blut. Der Verlust der Spitzenbewertung durch Ratingagenturen wäre für Deutschland keine Katastrophe", schreibt der Wiesbadener Kurier. Derzeit gebe es für institutionelle Anleger bei der Geldanlage wenig Alternativen. "Trotzdem sollte jeder die Kritik der Ratingagentur Moody's ernst nehmen. Natürlich kann Deutschland nicht unbegrenzt Haftungsgarantien übernehmen, ohne Auswirkungen auf seine Zahlungsfähigkeiten zu riskieren. Dabei legt Moody's den Finger in die Wunde: Ein Ausstieg Griechenlands würde Deutschland ebenso treffen wie der Eingang weiterer Haftungsbürden. Was letztlich folgenreicher ist, kann heute niemand verlässlich sagen."

"Deutschlands Image als Land höchster Kreditwürdigkeit ist angekratzt", meint die Neue Osnabrücker Zeitung. "Es lohnt freilich, genau hinzusehen. Denn nicht Deutschland selbst treibt den Prüfern Falten auf die Stirn, sondern die Unsicherheit im Euro-Raum. Mit anderen Worten: Es gibt so etwas wie den Fluch der guten Tat. Der Bundesrepublik, die in der europäischen Staatsschuldenkrise die größten Bürgschaften und Garantien übernommen hat, droht Überlastung. Angela Merkel, die vor noch mehr gemeinsamer Haftung in der Eurozone warnt, darf sich bestätigt fühlen. Es gilt Vorsorge zu treffen für den voraussehbaren Fall, dass aus Bürgschaften und Garantien milliardenschwere Abschreibungen werden."

"Moody's muss darauf reagieren, dass sich Deutschland immer höhere Risiken aufhalst", so der Südkurier aus Konstanz. "Niemand kann ausschließen, dass die abgegebenen Garantieversprechen nicht eines Tages zu Forderungen an die Staatskasse werden. Eine Ratingagentur muss diese Gefahr berücksichtigen."

"Der negative Ausblick für die deutsche Kreditwürdigkeit ist also ein unüberhörbarer Warnschuss, aber keine Katastrophe", schreibt der Kölner Stadt-Anzeiger. "Noch besitzt Deutschland unverändert das bestmögliche Rating mit AAA. Diese hohe Kreditwürdigkeit drückt sich auch darin aus, dass der Bundesfinanzminister sich bislang Geld leihen kann, ohne dafür nennenswert Zinsen zu zahlen. Was Moody's befürchtet und weshalb der Ausblick gesenkt wurde, ist, dass diese Bestnote auf Dauer gefährdet ist. Wenn es lediglich bei dieser Einschätzung bleiben sollte, braucht niemand schlaflose Nächte zu haben."

Die Pforzheimer Zeitung schreibt: "Selbstverständlich ist der Ausblick negativ. Um das zu wissen, braucht es keine Ratingagentur. Solange Europa hilflos vor sich hin flickschustert und Milliardenpakete mal hierhin schiebt und mal dorthin, als ginge es um Monopoly, solange bleibt die Zukunft des Euro und damit die der wirtschaftlichen Potenz einzelner Staaten ziemlich wacklig. Und selbstverständlich betrifft das auch Deutschland und die anderen Länder, die derzeit noch vor Kraft strotzen. Sie müssen die Schuldenlasten der anderen tragen. Jetzt schon und bald noch viel mehr. Und sie werden sich daran überheben. Es wäre ein Jammer und ein enormes Risiko, wenn die brillante Idee des Euro scheitert. Unter anderem deshalb, weil der Mut zu schwierigen Antworten fehlt und sich die Politik lieber auf Nebenkriegsschauplätze wie die Ratingagenturen stürzt."

"Natürlich würde ein griechischer Staatsbankrott auch Deutschland teuer zu stehen kommen", schreiben die Badischen Neuesten Nachrichten. "Verglichen mit den anderen Ländern der Euro-Zone allerdings steht die Bundesrepublik noch immer glänzend da, von den deutlich höher verschuldeten angelsächsischen Volkswirtschaften gar nicht zu reden. Mit den USA und Großbritannien aber gehen die Ratingagenturen bislang deutlich pfleglicher um als mit den Mitgliedern der Euro-Zone. Ein Schelm, der Böses dabei denkt."

"Wenn man die Ratingwarnung an Deutschland politisch interpretieren wollte, was würde sie sagen?", fragt das Handelsblatt. "Sie schwächt die Position der Bundesbank, mit der die US-Regierung zunehmend unzufrieden ist. Man darf davon ausgehen, dass die Agenturen keine Ratings herausgeben, die maßgeblichen Stellen in Washington ein Dorn im Auge wären. Die Frankfurter aber beharren darauf, dass neues Geld der Zentralbanken möglichst wenig und die Regierungen möglichst viel zur Krisenlösung beitragen. Dabei soll jedes Land finanziell voll eigenverantwortlich bleiben, solange Europa kein Bundesstaat ist."

Quelle: n-tv.de

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