Pressestimmen

Käßmann neue EKD-Ratsvorsitzende "Streitbar, standfest, populär"

Die Presse lobt die Wahl von Margot Käßmann zur Ratsvorsitzenden der Evangelischen Kirche Deutschlands. Sie würde den Zusammenhang von Religion und Mediengesellschaft verstehen und der Kirche auch außerhalb ihrer Mauern Gehör verschaffen.

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Margot Käßmann löst Wolfgang Huber als Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche Deutschlands ab.

(Foto: picture-alliance/ dpa)

"Streitbar, standfest, populär" – Für die Dresdner Neuste Nachrichten sei es "nur eine Frage der Zeit (gewesen), bis es Margot Käßmann mit ihrem protestantischem Vorzeigeprofil an die Spitze der evangelischen Kirche schaffen würde." Wie selten zuvor bei einer "stets streitfreudigen Synode" sei ihre Wahl "glatt und deutlich" verlaufen. Dass sich die Landesbischöfin von Hannover vor zwei Jahren hatte scheiden lassen, hätte auch keine Rolle gespielt. Das Blatt meint dazu: "Privates Scheitern muss auch kein Hinderungsgrund sein, wenn das höchste EKD-Amt inzwischen mehr als Management-Institution denn als ethisch-moralische Vorbildfunktion verstanden wird." Auch ihr Vorgänger Huber hätte die Erfahrung gemacht, wie mühsam "das Organisieren einer schrumpfenden Kirche" sei. "Die von ihm entfachten Zukunftsleuchtfeuer flackern deutlich im Gegenwind der Basis." Käßmann sei in der Basis jedoch "gut verankert". Eine gute Voraussetzung, "um dem Kirchenvolk aufs Maul zu schauen im besten Lutherschen Sinn".

Die Dithmarsche Landeszeitung schreibt, es sei nicht "revolutionär", dass die Wahl zum bzw. zur Ratsvorsitzenden der EKD auf eine Frau fiel. Denn Käßmann sei einfach "der bessere Kandidat" gewesen. Manche würden ihr vorhalten, "dass ihr Privatleben keine christliche Vorbildfunktion habe, seit sie das Scheitern ihrer Ehe eingestand und (2007) die Scheidung einreichte (…)". Käßmann hätte damit der "gesellschaftliche(n) Stigmatisierung gescheiterter Eheleute" ein Ende bereitet, "zumindest für die Protestanten". (...) Privatleben hin oder her: Ihre Qualitäten seien nicht zu leugnen. "Ihr Wort, ihre christliche Überzeugung" werde nämlich anders als bei Huber "auch außerhalb der Kirchenmauern vernommen". Und genau das brauche die Kirche, "um zu leben".

"Die Wahl ist keine Richtungsentscheidung", konstatiert der Kölner Stadtanzeiger, denn der Kurs der EKD werde sich unter der Führung von Margot Käßmann nur leicht ändern. Die theologischen und kirchenpolitischen Positionen von ihr und ihrem Vorgänger Huber würden sich im Wesentlichen nicht unterschieden. Doch sie werde Akzente setzen, "etwa beim Reformprozess, den der Macher Huber seiner Kirche nach Ansicht nicht weniger Protestanten ohne die notwendige Sensibilität verordnet hat". Käßmann werde zwar ähnlich fortfahren, "aber das Tempo drosseln", meint das Blatt. Denn "die Kirche darf nicht notwendige Veränderungen an der ohnehin stark geschrumpften Schar von Gläubigen vorbei durchpauken wollen".

Auch die Frankfurter Allgemeine Zeitung sieht in Margot Käßmann "die geeignete Nachfolgerin für Wolfgang Huber". Sie sei die einzige, die neben Bischof Huber öffentlich wahrgenommen werde. Das Blatt urteilt: "Sie hat den Zusammenhang von Religion und Mediengesellschaft verstanden; die anderen nicht." (...) Die evangelische Kirchengemeinde fragt sich, "wie ausgeprägt die Kontinuität zwischen Huber und Käßmann bei der Kirchenreform sein" werde. Zwar versichere Käßmann, die Projekte Hubers weiterzuverfolgen, aber von den Reformen müssten jetzt auch die Gemeinden profitieren. "Sollte Frau Käßmann die Stoßkraft der Reform in diese Richtung lenken, wäre das eine richtige Korrektur." (...)

Wolfgang Huber sie es nicht gelungen, "die lokale Geistlichkeit in Begeisterung zu versetzen", erinnert die Westdeutsche Zeitung. "Manchem schien es gar, als hätte ein Schwarm von Unternehmensberatern die evangelische Kirche in einen leistungszentrierten Konzern verwandelt." Daher werde die Herausforderung für Käßmann darin liegen, "Menschen und Reformen zusammenzubringen, aus Veränderung einen Aufbruch zu modellieren, Hubers Widerspruch aufzulösen".

Quelle: ntv.de, Zusammengestellt von Julia Kreutziger

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