Pressestimmen

US-Marines urinieren auf Leichen "Taliban nehmen Video dankbar auf"

Ein Internet-Video zeigt verstörende Bilder: US-Soldaten urinieren in scheinbar bester Stimmung auf Leichen von mutmaßlichen Taliban-Kämpfern in Afghanistan. Ob die Bilder echt sind, steht noch nicht fest. Klar ist nur: Mit einem solchen Video spielen die Soldaten den Taliban in die Hände.

USA Afghanistan

Eigentlich wollte. die USA dem Land Wohlstand und Sicherheit bringen.

(Foto: REUTERS)

"Nur wenn man die Herzen und Köpfe der Menschen gewinnt, kann man auch den Krieg gegen die Taliban gewinnen. Soweit die Theorie. Die Praxis scheitert derweil an der Verrohung, die eintritt, wenn Soldaten in Extremsituationen geraten, ohne durch ein festes Gerüst von Werten geschützt zu sein", kommentiert die Rhein-Zeitung aus Koblenz/Mainz. Die Marines, die sich in derartigen Exzessen ergehen, mögen zwar nicht repräsentativ für die Mehrheit der Soldaten sein, "aber sie prägen das Bild der Einheimischen."

So beurteilt die Westdeutsche Zeitung aus Düsseldorf die Tat dann auch als "schweren Rückschlag für die Nato". Alle Versuche einer Verständigung mit den Aufständischen würden dadurch torpediert. "Die Stimmung in Afghanistan ist schon vor geraumer Zeit umgeschlagen - gegen die Isaf, die mit dem Versprechen gekommen war, Wohlstand und Demokratie zu bringen, aber noch nicht einmal ein Grundmaß an Sicherheit schafft. Die Taliban nehmen so ein Video dankbar auf, um an jeden einzelnen getöteten Zivilisten seit Beginn des Krieges zu erinnern und den Hass auf die 'Besatzer' zu schüren."

Der Fall ist entsetzlich, aber die Reaktionen wirken eher hilflos, findet die Badische Zeitung aus Freiburg: "Von den Taliban über Afghanistans Präsidenten Hamid Karsai bis hin zur Isaf-Kommandantur und dem Pentagon wird Empörung laut. Das ist richtig so, doch bis das nächste Schreckens-Video auftaucht, ist es wohl nur eine Frage der Zeit. Die USA wollen den Vorgang untersuchen. Die Gesichter der Soldaten sind teils gut zu erkennen, vermutlich wird man sie identifizieren und bestrafen. Auch das ist richtig so. Ebenso richtig bleibt, dass wohl nur der für 2014 geplante Rückzug der westlichen Truppen aus Afghanistan derartige Vorfälle ein für allemal beendet. Auf Seiten der Isaf jedenfalls."

Die "bekannt gewordenen Abscheulichkeiten" führen dem Delmenhorster Kreisblatt eines deutlich vor Augen: "Es gibt keinen sauberen Krieg. Es hat ihn nie gegeben. Und es wird ihn nie geben - trotz aller internationalen Vereinbarungen, trotz aller abschreckenden Kriegsverbrecherprozesse und trotz neuer Tötungstechniken wie etwa den von Obama eingesetzten Drohnen. Krieg lässt die finstersten Abgründe der Menschen zum Vorschein kommen."

Quelle: ntv.de, zusammengestellt von Katja Sembritzki

ntv.de Dienste
Software
ntv Tipp
Newsletter
Ich möchte gerne Nachrichten und redaktionelle Artikel von der n-tv Nachrichtenfernsehen GmbH per E-Mail erhalten.