Pressestimmen

Piraten bei 12 Prozent "Was macht die Partei so sexy?"

Die Piratenpartei surft auf der Erfolgswelle. Bundesweit erreichen sie in der Wählergunst 12 Prozent. Aber Pirat Christoph Lauer stapelt im n-tv.de-Interview tief: "Leute, berauscht euch nicht an den guten Umfragen, rechnet lieber mit 0 Prozent". Was genau aber macht eigentlich die Attraktivität der Partei aus? Die Zeitungskommentatoren rätseln darüber, ob die Piraten der Demokratie guttun oder ob sie vielmehr einem Missverständnis aufgesessen sind.

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Wohin soll die Reise gehen? Der Presse ist das nicht ganz klar.

(Foto: dpa)

"Wenn es, abgesehen von der diffusen Zuschreibung 'Internetpartei', nicht der Inhalt ist, der die Piraten so sexy macht, was ist es dann?" fragt die Märkische Oderzeitung und sieht den Grund in dem "Überdruss an allen anderen Parteien, ihren eingeschliffenen Routinen, ihrer Entfernung vom Bürger, ihrer - oft bloßen - Behauptung von Lösungskompetenz. Demgegenüber wirken die Piraten geradezu frisch und unverbogen. Deshalb surfen sie auf einer Welle der Sympathie. Wie weit die tragen wird, lässt sich nicht sagen. Nur so viel ist gewiss."

Die Braunschweiger Zeitung sieht in den Piraten "zunächst ein Kompliment an das Parteiensystem, das eben keine geschlossene Gesellschaft befördert, sondern demokratische Stärke zeigt in seiner Offenheit gegenüber neuen Strömungen." Der bisherige Erfolg der Piraten in Berlin und im Saarland setze den etablierten Parteien aber zu, "weil sie nicht wissen, welche Koalitionszwänge sich daraus ergeben könnten. Vielleicht besteht der Beitrag der Piraten derzeit nur im Aufmischen der politischen Landschaft. Offensichtlich sprechen sie Wählergruppen an, die mit Politik nicht viel am Hut hatten. Zweifler und Nein-Sager für die parlamentarische Auseinandersetzung zu aktivieren, ist per se schon ein Gewinn."

Auch die Stuttgarter Zeitung hält die Piraten für einen wichtigen Beitrag zur Demokratie: "Nun betritt ein Konkurrent die Bühne, der Erfolg hat, weil er ein neues politisches Selbstverständnis pflegt. Die Piraten wollen nichts weniger als demokratische Prozesse neu organisieren. Sie wollen nicht Gremien wählen, die dann stellvertretend für die inzwischen im Off verschwundenen Bürger Meinungsfindungsprozesse ausfechten." Die Menschen machten ihr Kreuz bei der Partei, eben weil sie sich Veränderung wünschten, denn "sie könnten sonst zu Hause bleiben. Aber sie wollen Beteiligung. Etwas Besseres kann sich Demokratie im Kern nicht wünschen."

Mit einer großen Portion Skepsis urteilt die Süddeutsche Zeitung: "Die Spielregeln der Piratenwelt sind nicht mit der Realität kompatibel. Wer will denn wirklich, dass Deutschland zu einer immerwährenden Lan-Party wird und jeder Bürger jede noch so komplexe Entscheidung treffen muss? Wer will sich in eine Technikabhängigkeit begeben, in der Entscheidungen nur noch für einen Haufen Systemadministratoren transparent sind? Wer hat die Zeit, sich in alle wichtigen Themen einzulesen? Wer will darauf vertrauen, dass der Schwarm immer in die richtige Richtung schwimmt? Es kann sich nur um ein Missverständnis handeln, wenn Piraten nun versuchen, auch in der realen Welt Politik zu machen. Dass nur sieben Prozent derjenigen, die der Partei im Saarland ihre Stimme gegeben haben, die Partei wegen ihrer Inhalte wählte, deutet schon darauf hin."

Quelle: n-tv.de, zusammengestellt von Katja Sembritzki

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